Stand: 06.08.2016 16:34 Uhr

150.000 Menschen feiern CSD-Parade in Hamburg

Mit lauter Musik, bunten Trucks und schrillen Kostümen haben Schwule und Lesben am Sonnabend in Hamburg auf ihrer traditionellen Parade zum Christopher-Street-Day gegen Ausgrenzung und Hass demonstriert. Mit rund 15.000 Teilnehmern und etwa 150.000 Zuschauern am Straßenrand wurden die Erwartungen der Veranstalter erfüllt. Unter dem Motto "Normal ist, wer Menschen achtet" ist der Zug mehrere Stunden durch die Innenstadt gezogen. Bis in den Abend wurde noch am Jungfernstieg gefeiert.

Vielfalt unterm Regenbogen

Politiker und Senatsmitglieder laufen mit

Neben Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD), der diesjährigen Schirmherrin, reihten sich auch andere Politiker wie Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne), die Fraktionsvorsitzenden Andreas Dressel (SPD) und Katja Suding (FDP) und der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs in den Demonstrationszug ein, wie der Verein Hamburg Pride mitteilte.

Videos
02:50 min

CSD-Parade: Bunt, schrill und politisch

06.08.2016 19:30 Uhr
Hamburg Journal

Zehntausende haben beim Christopher-Street-Day für die Rechte von Schwulen und Lesben demonstriert. Unter ihnen sind auch Flüchtlinge und Vertreter der türkischen Gemeinde. Video (02:50 min)

Auch Türkische Gemeinde nimmt teil

An der Parade hat auch die Türkische Gemeinde Hamburg teilgenommen. Die Gemeinde unterstütze den CSD, gab der Vorstand bekannt. "Uns ist bewusst, dass wir als Vorstand damit in unserer Gemeinde einen wichtigen, aber auch provokativen Schritt machen, der auch negative Reaktionen auslösen könnte", sagte die Vorsitzende Nebahat Güçlü. Trotzdem halte man es für wichtig und richtig, sich aller Art von Diskriminierungen in der Gesellschaft entgegenzustellen.

Erinnern an den Anschlag in Orlando

Auf Schildern stand "Für ein buntes Deutschland" oder "Nur die Liebe zählt". Auch an das Attentat auf einen Lesben- und Schwulenclub in Orlando haben die Teilnehmer erinnert: Aktivisten des Vereins CSD-Nord trugen eine riesige, schwarze Flagge mit der Aufschrift "Seite an Seite mit Orlando". Im Juni starben bei dem Anschlag auf den Club in Florida 49 Menschen, 53 wurden verletzt.

"Recht auf sexuelle Selbstbestimmung wahren"

Stefan Mielchen © NDR 90,3

Hamburger CSD: "Normal ist, wer Menschen achtet"

NDR 90,3 - Abendjournal -

In Hamburg gehen beim CSD wieder Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle auf die Straße, um zu feiern, aber auch um ihre Rechte zu kämpfen. Stefan Mielchen erläutert das diesjährige Motto

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"Menschen zu achten heißt, sie in ihrer Vielfalt zu akzeptieren, ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung zu wahren und ihnen solidarisch zur Seite zu stehen, wo Hilfe und Schutz erforderlich sind", hatte Stefan Mielchen, Vorsitzender von Hamburg Pride, im Vorfeld erklärt. Das diesjährige Motto habe "nach dem schrecklichen Mordanschlag von Orlando eine traurige Aktualität erhalten". Es habe sich gezeigt, dass ein solcher Anschlag auch Homosexuelle treffen könne. Dies habe in diesem Jahr zu einer größeren Politisierung geführt, sagte Mielchen im Interview.

Von St. Georg zum Jungfernstieg

Die Parade begann 12 Uhr in der Langen Reihe/Ecke Schmilinskystraße im Stadtteil St. Georg. Sie führte über die Mönckebergstraße, die Spitalerstraße, den Glockengießerwall, die Lombardsbrücke und den Neuen Jungfernstieg. Der Zug endete am Jungfernstieg in Höhe des Nivea-Hauses. Die Parade in Hamburg gehörte zu den Höhepunkten der Pride Week, die am vergangenen Sonnabend begann.

Erinnerung an Proteste nach Razzia 1969 in New York

Der CSD steht weltweit für den Widerstand der Homosexuellen gegen Diskriminierung. Er wird jedes Jahr im Sommer mit Paraden, Demonstrationen und Festen gefeiert. Der CSD geht auf das Jahr 1969 zurück, als es nach einer Polizei-Razzia im New Yorker Bezirk Greenwich Village zu dreitägigen, massiven Protesten von Lesben, Schwulen, Transgender-Menschen und Bisexuellen kam. In Erinnerung daran gibt es seit 1980 auch in Hamburg die alljährliche Parade.

Vom Stonewall zum CSD - Politikparade seit 1980

Regenbogenflagge am Hamburger Rathaus

Hamburgs Zweite Bürgermeisterin und Gleichstellungssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) hatte am Mittwoch zur Unterstützung der Rechte von Schwulen und Lesben die Regenbogen-Flagge am Rathaus gehisst. Sie wolle ein "ganz starkes politisches Signal senden" - für die Akzeptanz der Vielfalt unterschiedlicher Lebensformen in Hamburg, sagte sie im Gespräch mit NDR 90,3. Sie sei "froh und stolz", dass an vielen öffentlichen und privaten Gebäuden die Regenbogen-Flagge hänge.

Kommentar

Kommentar: Der Christopher Street Day in Hamburg

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.08.2016 | 08:00 Uhr