Stand: 02.02.2012 12:25 Uhr  | Archiv

Keine Annäherung im Streit um die Elbvertiefung

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Die Anwohner und Obstbauern an der Elbe befürchten negative Auswirkungen, wenn die Elbe weiter vertieft wird.

Dass die geplante neue Elbvertiefung weiter ein Zankapfel ist, zeigte sich auch bei der Veranstaltung "NDR Info live vor Ort" am Donnerstag auf dem Marktplatz im niedersächsischen Jork. Unter dem Motto "Streit am Deich - Wirtschaftswachstum auf Kosten der Natur?" hatten die NDR Info Reporter Carsten Vick und Kersten Mügge bei Minustemperaturen Kritiker und Befürworter der Baumaßnahme vor das Mikrofon geholt.

Unterstützer des Projekts wie etwa Gunther Bonz vom Unternehmerverband Hafen Hamburg verteidigten die Elbvertiefung mit Blick auf die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit des Hafens und der Region. Kernthema sei "die wirtschaftliche Zukunft dieser Region, nicht nur Hamburgs", sagte Bonz - und erntete dafür Pfiffe der anwesenden Kritiker. Gegner wie der Obstbauer Hartwig Quast aus dem Alten Land wiesen unter anderem auf die aus ihrer Sicht gefährdete Deichsicherheit, die Überflutungsgefahr und das Problem einer stärkeren Versalzung des Elbwassers hin. "Wir sind auf tadelloses, sauberes, salzfreies Wasser angewiesen. Das sehen wir gefährdet", sagte Quast, der auch Existenzen von Obstbauern in Gefahr sieht, wenn die Elbe weiter ausgebaggert wird. Ausgleichsmaßnahmen für die Obstbauern und das Thema Deichsicherheit seien aber laut Bonz im Verfahren berücksichtigt und geregelt.

Zusage Niedersachsens in diesem Frühjahr fraglich

Wirtschaftsverbände plädieren für eine Elbvertiefung, der Hamburger Senat verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Jobs im Hafen, die mit der Vertiefung gesichert werden könnten. Damit in der Hansestadt auch künftig die größten Containerschiffe anlegen können und nicht andere Häfen an der Nordsee anlaufen, soll die Elbe flussabwärts bis zur Mündung in die Nordsee tiefer ausgebaggert werden. Die EU-Kommission hat die Elbvertiefung mittlerweile gebilligt, nun steht noch die Zustimmung von Schleswig-Holstein und Niedersachsen aus. Doch die Landesregierung in Hannover sieht ebenso wie die Anrainer die Deichsicherheit in Gefahr. Ministerpräsident David McAllister (CDU) sagte jüngst, dass die Schutzauflage für den Obstbau im Planfeststellungsbeschluss noch nicht ausreichend sei. Drei Monate hat Niedersachsen Zeit, die Unterlagen zu prüfen.

Der Bund und das Land Hamburg, die für die Kosten für Verbreiterung und Vertiefung der Fahrrinne von etwa 400 Millionen Euro aufkommen, hoffen, dass die Planfeststellungsbeschlüsse noch in diesem Frühjahr erlassen werden. Doch dazu wird es aus Sicht von Walter Rademacher vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wohl nicht kommen. Er rechnet damit, dass das Planfeststellungsverfahren in die Verlängerung geht, weil das Land Niedersachsen eine Fristverlängerung beantragen werde. Dagegen würde dann der Bund klagen, so Rademacher.

Salzigeres Wasser macht Pflanzen- und Tierwelt zu schaffen

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Hamburg befürchtet einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Häfen an der Nordsee, wenn die Elbvertiefung nicht kommt.

Neben zu erwarteten Nachteilen für Tiere und Pflanzen durch das höher die Elbe hinaufziehende Salzwasser aus der Nordsee fürchten Kritiker einer neuerlichen Elbvertiefung auch um die Sicherheit der Deiche entlang des Flusses. Es bestehe die Gefahr, dass die Fließgeschwindigkeit der Elbe weiter zunimmt und nicht nur Wattflächen wegschwemmt, sondern auch schwere Steine aus der Uferbefestigung löst. Auch die Wellen, die die Schiffe auslösen, könnten höher gegen die Deiche schwappen und Schäden anrichten. Elbfischer Lothar Buckow wies in Jork auch das Problem der Wasserverdrängung durch die immer größeren Schiffe hin. "Die Strömung wird durch die Verdrängung immer schneller, dann reißen uns die Netze. Das ist nicht versicherbar", so Buckow, der auch die Existenz der Elbfischer in Gefahr sieht.

Hafenkapitän Jörg Pollmann sagte, eine Folge der Elbvertiefung sei, dass dann eine Höchstgeschwindigkeit für Schiffe auf der Elbe festgeschrieben werde. Mit der Vertiefung werde die Elbe zwar nicht sicherer oder unsicherer, aber: "Wir wollen den Stand der Sicherheit erhalten und wir versuchen, die Sicherheit weiter zu erhöhen." Ob und wie die Auswirkungen einer neuerlichen Elbvertiefung für die Menschen und Tiere am Strom bedacht werden und ob es überhaupt zu einer Vertiefung kommt, wird sich in den kommenden Monaten auf der politischen Ebene zeigen. Der Streit um das Pro und Contra jedenfalls geht erst einmal unvermindert weiter.

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