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Das Nadelöhr: Kabel sorgen für Probleme

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Sie funktionieren gut mit Atomstrom - für Strom, der durch erneuerbare Energien produziert wird, müssen viele Stromleitungen ausgebaut werden.

So paradox es klingen mag: Der durch regenerative Energien erzeugte Strom könnte nach Expertenmeinung die deutsche Stromversorgung gefährden. Denn das teilweise veraltete Stromnetz ist meist so angelegt, dass Kraftwerke die nähere Umgebung versorgen können. Heute führt der liberalisierte Strommarkt dazu, dass der Strom quer durchs Land geleitet werden muss - und durch die Einspeisung der Windmüller bei guten Wetterverhältnissen noch zusätzlich belastet wird. Da sich bei starkem Sturm die Windkraftanlagen dagegen automatisch abschalten, sind die Stromversorger dann zu komplizierten Ausgleichsmanövern gezwungen - was immer öfter zu kompletten Stromausfällen führt. So wie zum Beispiel im November 2006, als bei der Überführung eines Kreuzfahrtriesen über die Ems eine Höchstspannungsleitung abgeschaltet werden musste. Als Kettenreaktion kam es in halb Europa zu einem Blackout.

Gefahr von Stromausfällen nimmt zu

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Bis zu 60 Meter hoch können die neuen "Megamasten" werden. Bürgerinitiativen plädieren für Erdkabel.

Die Gefahr von Stromausfällen dürfte sich aus zwei Gründen in den nächsten Jahren weiter erhöhen. Zum einen entstehen große Windparks und auch neue Kraftwerke in erster Linie im ansonsten eher industriearmen Norden. Dort sind zwar die Produktionskosten wegen der Nähe zu den Häfen (zum Beispiel für die Anlandung von Kohle) günstiger, dafür muss der Strom meist aufwendig zu den großen Verbrauchern im Süden transportiert werden. Zum anderen geht der Ausbau des Stromnetzes nur schleppend voran. Das liegt einerseits daran, dass neue Investoren nur schwer Zugang zum Stromnetz erhalten, das hauptsächlich unter den großen Versorgern aufgeteilt ist. Andererseits stößt der Bau neuer Leitungen oft auf den Widerstand der Menschen vor Ort, die vor der Haustür keine Stromleitungen wollen. Als Alternative sollen Kabel daher unterirdisch verlegt werden. Das wiederum führt zu erheblichen Mehrkosten und erschwert so die Investitionen in das Netz.

Diese Investitionen sind aber dringend notwendig. Die bisherigen Kapazitäten reichen nach Angaben der Energieagentur dena wegen der verstärkten Einspeisung von Strom aus Windenergieanlagen nicht mehr aus. Schon heute erzeugten viele Windkraftanlagen in Schleswig-Holstein bei starkem Wind mehr Strom, als dort verbraucht werde, betont auch Netzbetreiber E.ON. Für den Abtransport des vor Ort überschüssigen Stroms müsse das Netz ausgebaut werden.

Schwierige Anbindung der Offshore-Anlagen

Besonders Offshore-Anlagen in Nord- und Ostsee sollen in Zukunft einen immer größeren Anteil an der Stromgewinnung ausmachen. Doch die Anbindung an das Stromnetz an Land gestaltet sich dort besonders schwierig - nicht zuletzt, weil Umweltschützer fordern, die Kabeltrassen nicht durch Schutzgebiete wie beispielsweise das Wattenmeer zu führen. Sowohl der Bau als auch die Instandhaltung könnten seltene Tierarten gefährden, so die Bedenken der Umweltschützer. Demgegenüber befürchtet die Industrie durch größere Umwege noch höhere Kosten, was die Rentabilität der gesamten Offshore-Projekte in Frage stellen könnte. Um die Planungen für die Windparkbetreiber zu erleichtern, verabschiedete die Große Koalition ein Gesetz zur "Steckdose auf See". Dieses sieht vor, dass die Netzbetreiber für die Kosten der Seekabel und den Anschluss an das Landnetz aufkommen müssen.