Stand: 25.02.2014 17:55 Uhr

Kohlekraft: Klimakiller oder Atomalternative?

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Kohlekraft: Klimakiller oder gute Alternative zur Atomkraft?

Kohlekraft ja oder nein - diese Debatte kocht jedes Mal wieder hoch, wenn der Bau eines Kohlekraftwerks geplant ist. Die einen sehen in den Kraftwerken die einzige echte Alternative zur Atomkraft, für andere sind sie der "Klimakiller" schlechthin. In Norddeutschland wird die Debatte um die Kraftwerke besonders leidenschaftlich geführt. Nicht zuletzt wegen der Nähe zu den Häfen, an denen der fossile Brennstoff tagtäglich angelandet wird, planen die Energieversorger gleich mehrere neue Kraftwerke in Norddeutschland.

Das sagen die Befürworter

Befürworter der Kohlekraft führen an, dass die Kosten sich im überschaubaren Rahmen bewegten und im Gegensatz zur Atomkraft keine langfristige Lagerung gefährlicher Abfallstoffe entstünden. Zudem hätten moderne Kraftwerke einen höheren Wirkungsgrad und geringeren CO2-Ausstoß. Die Umwelt würde ihrer Argumentation zufolge also davon profitieren, wenn dank neuer Kraftwerke alte "Rußschleudern" abgeschaltet werden könnten.

Das kritisieren die Gegner

Die Kritiker der Kohlekraft warnen vor den Folgen für die Umwelt. Wegen der hohen Emissionen von Kohlendioxid (CO2) sei Kohle der klimaschädlichste Brennstoff zur Stromerzeugung. Zudem sei der Wirkungsgrad der meisten Kraftwerke zu gering - für die Energieproduktion würden also zu viele fossile Brennstoffe verbraucht.

Norddeutsche Kohlekraftwerke in der Diskussion

Moorburg, Lubmin, Brunsbüttel und Emden - in jedem norddeutschen Bundesland gibt es heftige Diskussionen um neue Kraftwerke. In einigen Fällen konnten Umweltschützer den Bau der Kraftwerke abwenden, in anderen Fällen liegt die Fertigstellung nur auf Eis.

  • Moorburg

    In Hamburg ist der Stadtteil Moorburg zum Synonym für Kohlekraft geworden. Kaum ein Thema war so umstritten wie der geplante Bau eines Steinkohlekraftwerks in dem Ort. Am 30. September 2008 gab die von Anja Hajduk (GAL) geleitete Umweltbehörde grünes Licht für den Bau der Anlage. Doch seitdem gibt es immer wieder Bauverzögerungen wegen Umplanungen und politischer Widerstände. 2014 soll das Kohlekraftwerk ans Netz gehen.

  • Lubmin

    Was Moorburg für Hamburg ist, war Lubmin für Mecklenburg-Vorpommern: Am Standort des früheren Atomkraftwerkes in Ostvorpommern wollte der dänische Konzern Dong Energy ein Steinkohlekraftwerk bauen. Wohl auch wegen des heftigen Gegenwindes aus der Politik und der Region zog sich der dänische Energieversorger Ende 2009 schließlich zurück. Als offizielle Gründe führten die Dänen den mangelnden Rückhalt bei der Landesregierung in Schwerin sowie das verzögerte Genehmigungsverfahren an.

  • Brunsbüttel

    Ähnlich lief es beim Kohlekraft-Standort Brunsbüttel in Schleswig-Holstein. Dort sollten gleich drei neue Kohlekraftwerke entstehen. Heftige Proteste in der Bevölkerung waren die Folge. Ende 2010 blies zunächst der französische Stromkonzern GDF Suez sein Kraftwerks-Projekt ab. 2012 gab auch das Unternehmen Südweststrom seine Pläne für ein Riesen-Kraftwerk in der Stadt auf. Pläne der GETEC für ein 800-Mega-Kraftwerk in Brunsbüttel werden ebenfalls nicht mehr verfolgt, wie das Unternehmen NDR.de mitteilte.

  • Emden

    Auch in Niedersachsen musste die Landesregierung in der Vergangenheit Kritik von Opposition und Umweltschützern für den geplanten Bau mehrerer neuer Kohlekraftwerke einstecken. Bürgerinitiativen setzten sich immer wieder gegen die Pläne zur Wehr - teilweise auch mit Erfolg. So kam zum Beispiel für ein geplantes Kraftwerk in Emden 2009 das vorzeitige Ende. Der dänische Energiekonzern Dong Energy, der das Kraftwerk bauen wollte, gab allerdings die Finanzkrise als Grund für das Aus der Kraftwerkspläne an.

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Kohlestrom-Anteil klettert auf 45,5 Prozent

Trotz aller Diskussionen und trotz der Energiewende - immerhin jede zweite Kilowattstunde Strom in Deutschland kommt inzwischen aus Kohlekraftwerken, mit steigender Tendenz. Der Anteil von Braun- und Steinkohle an der deutschen Stromerzeugung kletterte Schätzungen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zufolge 2013 auf 45,5 Prozent. Zugleich sank die Stromproduktion in teureren, aber weniger klimaschädlichen Gaskraftwerken weiter. Die erneuerbaren Energien hatten 2013 laut BDEW einen Strommix-Anteil von 23,4 Prozent, nach 22,8 Prozent im Vorjahr. Und der Anteil der Atomkraft sank geringfügig von 15,8 auf 15,4 Prozent.

Den Zahlen zufolge wird die 2011 beschlossene Abkehr von der Atomkraft vor allem von Kohlekraftwerken aufgefangen. Bei den Gaskraftwerken sank der Anteil an der Stromproduktion von 12,1 auf nur noch 10,5 Prozent - eigentlich sollten diese Anlagen, zusammen mit Sonne und Wind, den Atomausstieg primär kompensieren und Träger der Energiewende werden.

Als Hauptgrund für den steigenden Kohlestromanteil gilt der Preisverfall für CO2-Verschmutzungsrechte im EU-Emissionshandel. Das macht die Kohleverstromung billig.

Dossier

Kohle kontra Klimaschutz

Kohlekraftwerke sind auch in Norddeutschland klimapolitisch umstritten. NDR.de gibt einen Überblick zum Stand der Diskussion und Hintergrundinformationen. mehr

 

Dieses Thema im Programm:

45 Min | 08.12.2015 | 21:15 Uhr

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