Stand: 05.11.2012 19:01 Uhr  | Archiv

NSU-Morde: Proteste und Gedenken im Norden

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In Rostock gedachten rund 200 Menschen der NSU-Mordopfer.

In Mecklenburg-Vorpommern haben am Montag mehrere Hundert Menschen an die Opfer der NSU-Mordserie erinnert. Die Veranstalter hatten unter dem Motto "Das Problem heißt Rassismus" zu Kundgebungen in Rostock, Stralsund, Greifswald und Neubrandenburg aufgerufen. In Rostock - dem Ort der größten Veranstaltung - gingen rund 200 Demonstranten gegen Rassismus und Neonazi-Terror auf die Straße. In Stralsund kam es zu einem Zwischenfall, als etwa 15 Neonazis die Kundgebung stören wollten. Sie erhielten Platzverweise durch die Polizei. Danach blieb es friedlich.

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Kritik am Verfassungsschutz

"Der Verfassungsschutz scheint nicht daran interessiert zu sein, die Hintergründe aufzuklären", sagte Julian Beyer, Sprecher der Organisatoren. Im Jahr 2004 wurde der 25-jährige Türke Mehmet Turgut in Rostock erschossen. Bereits am Wochenende erinnerten bundesweit Tausende Menschen an die Mordopfer. Das "Bündnis gegen das Schweigen" hatte zu einem Aktionstag aufgerufen.

Hamburg: Demonstranten durften an Innenbehörde vorbeiziehen

In Hamburg fand bereits am Sonnabend ein Demonstrationszug durch die Innenstadt statt. Am Mittag versammelten sich die Demonstranten am Hansaplatz im Stadtteil St. Georg. Einige Teilnehmer trugen Transparente, die Fremdenhass verurteilten. Andere Plakate riefen zur Abschaffung des Verfassungsschutzes auf. Das Hamburger Bündnis gegen Rechts hatte zum Protest für eine lückenlose Aufklärung der NSU-Mordserie aufgerufen. Anschließend zogen die laut Polizei mehr als 1.000 Teilnehmer mit einem Protestmarsch zunächst durch die Mönckebergstraße und dann vorbei am Rathaus sowie der Innenbehörde.

Mehrere Hundertschaften begleiteten den Protestzug, um Ausschreitungen zu verhindern. Außerdem war die Reiterstaffel im Einsatz, wie NDR 90,3 berichtete. Unter den Teilnehmern hätten sich demnach etwa 40 junge Demonstranten befunden, die mit Fahnen und Transparenten einen Block bildeten und sich teilweise vermummt hatten. Allerdings gab es keine größeren Zwischenfälle.

Gedenken am Tatort eines NSU-Mordes

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Süleyman Tasköprü wurde 2001 von Mitgliedern der NSU-Terrorzelle ermordet. Am Freitag fand eine Gedenkfeier für ihn statt.

Bereits am Freitag hatte die Türkische Gemeinde Hamburg an den Mord an Süleyman Tasköprü im Jahr 2001 erinnert und in der Nähe des Tatortes in Bahrenfeld Blumen niedergelegt. Der Vorsitzende Hüseyin Yilmaz sagte, es brauche die geballte Kraft der Gesellschaft, damit solche Taten nie wieder passieren. Die Hintergründe der NSU-Taten müssten lückenlos aufgeklärt werden. Auch der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Hamburg, Uwe Grund, meldete sich zu Wort: "Wir stehen hier, weil wir nicht akzeptieren wollen, dass dieser demokratische Rechtsstaat so elend versagt hat." Es sei unvorstellbar, dass über Jahre hinweg so viele Menschen umgebracht werden und keiner die Zusammenhänge gesehen haben will, sagte Grund.

Schünemann nimmt Behörden in Schutz

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) warnte davor, Polizei und Verfassungsschutz wegen ihrer Aufarbeitung der Mordserie zu verunglimpfen. Falsch sei vor allem der Vorwurf, sie seien auf dem rechten Auge blind. Bundesweit werden der Terrororganisation NSU zwischen 2000 und 2007 insgesamt zehn Morde zur Last gelegt. Derzeit befassen sich mehrere Untersuchungsausschüsse mit den Pannen bei der Aufklärung der Mordserie.

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