Stand: 08.04.2013 16:13 Uhr  | Archiv

Rechter Konzertveranstalter kauft Schloss

von Angelika Henkel, Stefan Schölermann
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Was hat der rechte Konzertveranstalter Oliver Malina mit dem baufälligen Schloss Germersleben vor?

Oliver Malina aus Salzgitter ist in der rechtsextremen Szene seit vielen Jahren aktiv. Er besucht Demonstrationen wie den sogenannten "Trauermarsch" der Neonazis in Bad Nenndorf, er zieht Strippen im braunen Lager, vor allem aber tut Oliver Malina eines: Er organisiert Konzerte mit Bands der rechtsextremen Szene. Immer wieder gerät er dabei in Konflikte mit den Sicherheitsbehörden, die dieses Treiben unterbinden wollen.

Rechter Konzertveranstalter ersteigert baufälliges Schloss

Jetzt hat er ein Gelände erworben, von dem man ihn und seine Gesinnungsgenossen kaum wird vertreiben können. Nach NDR-Informationen erwarb Malina ein baufälliges Schloss nebst Grundstück in der Nähe von Oschersleben in Sachsen-Anhalt. Es handelt sich um das Schloss Groß Germersleben, ein Barockgebäude aus dem 16. Jahrhundert. Am 21. März 2013 standen Schloss und Grundstück beim Amtsgericht Oschersleben zur Versteigerung. Malina erhielt den Zuschlag für einen Preis von 12.000 Euro.

Ein Gelände für rechte Rock-Konzerte?

Doch Malina dürfte es weniger um das Gebäude, als viel mehr um das Grundstück gegangen sein. Es hat rund 48.000 Quadratmeter - ausreichend groß für Rockkonzerte der Szene, oder auch für Parteitage von rechtsextremen Parteien wie der NPD, oder der im Mai vergangenen Jahres gegründeten Gruppierung des Neonazis Christian Worch namens "Die Rechte".

Gefahr einer Anlaufstelle für niedersächsische Neonazis

Aus Mangel an anderen Räumlichkeiten hatte die NPD kürzlich sogar einen Bundesparteitag in einem Zelt stattfinden lassen wollen, scheiterte aber an den Widrigkeiten des Kommunalrechts. Für Gerhard Bücker, Koordinator des Landespräventionsrates Niedersachsen, ist das Ergebnis der Versteigerung wenig erfreulich: "Das ist keine gute Nachricht", sagte er in einer ersten Stellungnahme. Es sei zu befürchten, dass das Gelände zu einer Art Anlaufstelle und einem Treffpunkt auch für niedersächsische Neonazis werden könnte.

Strategisch günstige Lage an der niedersächsischen Grenze

Das Gebäude selbst dürfte für Malina von geringerem Interesse sein: Das Schloss wurde bei einem Brand im September 1999 nahezu vollständig zerstört, der verbliebene Rest steht unter Denkmalschutz. Auch deshalb war der Verkehrswert des Areals mit einem Euro angesetzt. Das Gelände allerdings könnte dem Neonazi die Möglichkeit für viele Aktivitäten eröffnen, denn es liegt strategisch günstig für Malinas Zwecke in der Nähe der niedersächsischen Landesgrenze, befürchten Sicherheitsexperten. Für eine Stellungnahme war Oliver Malina nicht zu erreichen.

Karte: Die Lage des Schlosses in Groß Germersleben
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