Stand: 12.07.2012 16:00 Uhr  | Archiv

Frank Rennicke: Der singende Nazi

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Trat für die NPD zweimal zur Wahl des Bundespräsidenten an: Frank Rennicke.

Frank Rennicke ist Liedermacher und Mitglied der NPD. In der rechten Szene hat er sich einen Namen gemacht. Einer größeren Öffentlichkeit wurde er bekannt, als ihn seine Partei nach 2009 auch 2010 als Kandidat für die Bundespräsidentenwahl ins Rennen schickte. Die NPD konnte dies tun, weil sie in den Landtagen von Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt vertreten ist und deshalb auch Wahlmänner für die Bundesversammlung stellte. "Die Zeit" berichtete 2010 darüber, dass Udo Pastörs, Fraktionschef der NPD im Schweriner Landtag, auf einem Parteitag in Bamberg die große Bedeutung Rennickes für die Szene beschwor. Allerdings kritisierte der Liedermacher, er habe sich mehr Unterstützung für seine Kandidatur gewünscht. Seine Bewerbung sah er aber als Erfolg: "Ich für mich habe das Menschenmöglichste getan, was unter den Gegebenheiten machbar war", schreibt er auf seiner Homepage. Bei den Wahlen bekam Rennicke erwartungsgemäß lediglich die Stimmen aus den eigenen Reihen: vier im Mai 2009 und drei im Juni 2010.

Wegen "Überfremdung" umgezogen

Rennicke, 1964 geboren, ist gelernter Elektro-Installateur, Hausgerätetechniker und Fachberater im technischen Außendienst. Er wuchs in Braunschweig auf, zog später nach Stuttgart, wo er 16 Jahre lang lebte. "Durch die erkennbare Überfremdung und sozialen Spannungen entschied sich die Familie im Jahre 2005 für einen Fortzug aus dem Ballungsgebiet", so Rennicke auf seiner Homepage zu seiner Person. Auch "politische Verfolgung" seitens der Behörden nennt er als Grund. Der Liedermacher siedelte sich dann mit seiner Frau und seinen sechs Kindern in Rotenburg ob der Tauber an.

Mitglied der Wiking-Jugend - Heß als Vorbild

In der rechten Szene ist Rennicke seit Jahren verwurzelt. Er war Jugendführer der 1994 verbotenen Wiking-Jugend. Später schloss er sich der NPD an. Regelmäßig tritt der Liedermacher bei NPD-Veranstaltungen und Treffen der Jugendorganisationen der Partei auf. Auch zur inzwischen verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend soll Rennicke wie auch seine Frau laut "Zeit" "enge Beziehungen" gepflegt haben. In seiner Vorstellungsrede zur Bundespräsidentenkandidatur auf dem NPD-Bundesparteitag in Bamberg 2010 bezeichnete der Sänger den Nazi und Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß als "unvergessenen Märtyrer für den Frieden". Auch den in Italien inhaftierten ehemaligen SS-Führer Erich Priebke erwähnte er explizit.

Mehr als 20 Tonträger veröffentlicht

Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz schreibt über den gebürtigen Braunschweiger: "Zu den umtriebigsten Szene-Musikern zählt Frank Rennicke, der als eine wichtige Integrationsfigur innerhalb der rechtsextremistischen Szene gilt. Rennicke dürfte der meistbeschäftigte Liedermacher in diesen Kreisen sein und hat inzwischen über 20 Tonträger veröffentlicht." Der Liedermacher lehnt sich mit seinem Stil an Größen wie Reinhard Mey und Hannes Wader an. Laut "Zeit" kommt das Forschungszentrum Populäre Musik der Humboldt-Universität in Berlin aber zu dem Schluss, dass Rennicke "musikalisch nur sehr mäßig begabt" sei. In seinen Lieder geht es unter anderem um Wehrmachtssoldaten, um das Vaterland und die Liebe zu "deutschen Mädels". Etliche Werke Rennickes landeten auf dem Index. Grund: Verherrlichung des Nationalsozialismus und Anleitung zum Rassenhass.

Der Sänger wurde im November 2000 vom Amtsgericht Böblingen wegen Volksverhetzung zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Nach Urteilsaufhebungen und Revisionen hob letztlich das Bundesverfassungsgericht die Verurteilung mit dem Hinweis auf künstlerische Freiheit weitgehend auf.

Rennicke arbeitete auch beim Projekt Schulhof-CD der NPD mit, bei dem Musik-CDs mit nationalistischem und rassistischem Inhalt an Schüler verteilt wurden.

Kein gutes Verhältnis zu den Medien

Das Internet bietet Rennicke einen zusätzlichen Verbreitungsweg seiner Werke. Auf zahlreichen Websites können Nutzer seine Musik hören. Einige Portale jedoch sperren seine Lieder meist.

Auf Frank Rennickes Facebook-Seite haben 674 Leuten auf "Gefällt mir" geklickt, 27 sprechen über ihn, so die Daten-Auswertung des Sozialen Netzwerks (Stand: Anfang Juli 2012). Das ist nicht sonderlich viel, und die Einträge, die die Nutzer auf der Facebookseite hinterlassen, sind inhaltlich breit gefächert. Sie reichen von simplen Grüßen über aufmunternde Worte bis zu Fragen zu einer zwischenzeitlichen Sperrung Rennickes bei Facebook. Kommentare seinerseits sucht man - bis auf eine Ausnahme zum (Neu-)Start der Seite - vergeblich. Dafür äußert sich der Liedermacher auf seiner Homepage: "Facebook ist wie Wikipedia unter Kontrolle der Medienmafia und der Leute, die das Wort Freiheit und Humanität auf den Lippen führen, um dann letztlich doch genau das Gegenteil zu tun und im Auftrag internationaler Geldimperialisten zu handeln." Rennicke bezeichnet die Medien gern als "gleichgeschaltete Systempresse" und stellt sich als missverstandenes Opfer dar.