Stand: 30.11.2013 15:02 Uhr  | Archiv

Auflösungserscheinungen bei Nazi-Partei

von Stefan Schölermann
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Der Hamburger Christian Worch ist seit Jahrzehnten in der rechten Szene aktiv. 2012 gründete er "Die Rechte".

Als sie im Mai vergangenen Jahres gegründet wurde, befürchteten manche, die Partei "Die Rechte" des aus Hamburg stammenden Neonazis Christian Worch (58) könnte im Falle eines NPD-Verbots zu einer Art Auffangbecken am rechtsextremen Rand werden. Doch 18 Monate nach ihrer Gründung ist die braune Gruppierung dem eigenen Abgrund näher als einer zentralen Rolle im Neonazi-Lager.

Innerparteilicher "Notstand" ausgerufen

Nachdem gleich drei Mitglieder des niedersächsischen Landesverbandes der Partei, unter ihnen der seit Jahren aktive Rechtsextremist Stefan S., ihre Posten in dem Führungsgremium niedergelegt haben, hat Parteichef Worch nun den innerparteilichen "Notstand" erklärt. In einem Schreiben an "liebe Kameradinnen und Kameraden" setzt er sich einstweilen selbst zum "Notverwalter" ein, bis ein neuer Vorstand gewählt ist. Zugleich kündigt er in dem Schreiben einen Landesparteitag an, der im Januar stattfinden soll.

In dem Brief spricht Worch freizügig von "menschlichen Unzuträglichkeiten und Streitereien", die zum Rücktritt von drei der vier Landesvorstandsmitglieder geführt hätten. Wie zu erfahren war, soll es parteiintern zu erheblichen Auseinandersetzungen über die Inaktivität von Führungsmitgliedern des Landesvorstandes der "Rechten" gekommen sein.

Verfassungsschutz ordnet Partei als rechtsextremistisch ein

Nach eigenen Angaben hat "Die Rechte" bundesweit zurzeit 487 Mitglieder in sieben Landesverbänden. In Niedersachsen bestehen zwei Kreisverbände - in Braunschweig und dem Heidekreis. Landesweit werden rund 50 Mitglieder gezählt. Niedersachsens Verfassungsschutz ordnet die Gruppierung wegen ihrer fremdenfeindlichen Positionen als rechtsextremistisch ein. Weite Teile der Partei, vor allem in Nordrhein-Westfalen, seien der neonazistischen Szene zuzurechnen.

Erklärtes Ziel der Partei ist die Teilnahme an der Europawahl des kommenden Jahres, wohl auch, um in den Genuss der Parteienfinanzierung zu kommen. Zugleich soll die Beteiligung der Partei an der Wahl offenbar ein Verbot erschweren. Frühere Neonazi-Gruppierungen, in denen Worch mitwirkte, hatten auch deshalb verboten werden können, weil sie sich nicht an Wahlen beteiligten und ihnen deshalb die privilegierte Position einer anerkannten Partei versagt geblieben war.

Drohende Bedeutungslosigkeit

Von publikumswirksamer Arbeit der "Rechten" ist allerdings in Niedersachsen kaum etwas wahrzunehmen. Von sich reden macht die Gruppierung allenfalls dann, wenn sie sich an Kundgebungen und Demonstrationen gegen Migranten oder geschichtsrevisionistischen Aktionen beteiligt.

In seinem Brief an die Mitglieder kommt Worch zu dem Schluss: "Natürlich war die Hoffnung illusorisch, unsere Partei würde von unerfreulichen Dingen, wie internen Streitigkeiten, Flügelkämpfen und ähnlichen Ereignissen, verschont bleiben." Er hätte es besser wissen können: Eifersüchteleien und Grabenkämpfe sind geradezu ein Markenzeichen jener braunen Szene, in der viele sich offenbar zum Führen berufen fühlen.

 

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