Stand: 25.04.2013 14:30 Uhr  | Archiv

Deutsch, deutscher, Germania

von Stefan Schölermann, NDR Info

Das Haus in der Sierichstraße im wohlhabenden Stadtteil Winterhude gehört zu den besten Adressen in Hamburg. Es ist der Sitz der Burschenschaft "Germania zu Hamburg". Doch hinter den noblen Mauern wird nicht nur gefochten und Bier getrunken, es werden offenbar auch Pläne geschmiedet, die manchen an die dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte erinnern. 

Begrifflichkeiten sind klar rassistisch

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Auf der Homepage der Hamburger Burschenschaft Germania bezeichnen sich die Burschenschaftler als "aufrichtige Klardenker".

Belege dafür finden sich in einem internen Dokument, das NDR Info vorliegt. Es wurde verfasst für eine Tagung im Hause der Germanen, trägt deren Symbole und stammt aus der Feder von deren Sprecher. Die Botschaft klingt auf den ersten Blick unspektakulär - doch bei genauerem Hinsehen erschließt sich der politische Gehalt. So fordert die Germania in diesem Papier einen "volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff". Ein Begriff, der den renommierten Hamburger Politologen Professor Dr. Wolfgang Gessenharter schaudern lässt: "Das bedeutet: Man will keine Leute haben, die nicht Deutsche sind. Diese Leute meinen offenbar, dass es sich wieder um eine Art Arier-Ausweis handeln soll, oder sonst irgendetwas, damit man eine ganz sichere Position hat, um alle Verunreinigungen deutschen Volkstums zu verhindern. Und das erinnert wiederum absolut an den Nationalsozialismus."

Zwar wird der "volkstumsbezogene Vaterlandsbegriff" seit vielen Jahren in Burschenschafterkreisen verwendet - doch er habe in jüngster Vergangenheit eine neue Bedeutung erhalten, sagt Christian Becker aus Hamburg. Der 47-Jährige war bis September 2012 selbst aktiver Burschenschafter in Bonn, bis er ausgeschlossen wurde. Der Grund: Er positionierte sich gegen rechtsextreme Bestrebungen in seiner Burschenschaft. Seitdem ist ihm der "volkstumsbezogene Vaterlandsbegriff" ein Gräuel: "Man wollte damals einen chinesisch-stämmigen Burschenschafter nicht haben, der in Deutschland geboren ist, der Deutsch spricht, eine deutsche Uni besucht hat, bei der Bundeswehr war. Eigentlich ist der Mann urdeutsch. Solche Menschen wollte man ausschließen und will es auch weiterhin. Also dieser Begriff ist ganz klar rassistisch."

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