Stand: 01.11.2013 15:45 Uhr  | Archiv

Rechtem Aufmarsch schwinden die Teilnehmer

von Stefan Schölermann, NDR Info
Bild vergrößern
Bad Nenndorf wehrt sich seit Jahren gegen den Aufmarsch von Rechtsextremisten. (Archiv)

Gerade einmal eine Woche hat das bürgerliche Bündnis "Bad Nenndorf ist bunt" gebraucht, um ein Konzept gegen die überraschende Neuauflage des rechtsextremen "Trauermarsches" am 2. November in der Kurstadt zu entwickeln - da knicken die Neonazis auch schon ein: Die rechtsextreme NPD hat nach Informationen von NDR Info Donnerstagmittag ihre Anmeldung zu einer Kundgebung am Sonnabend zurückgezogen. Diese Kundgebung sollte zusätzlich zum sogenannten Trauermarsch im Herzen der Kleinstadt am Deister an der Ecke Hauptstraße / Kurhausstraße stattfinden.

Polizei richtet Bürgertelefon ein

Wegen des sogenannten Trauermarsches richtet die Polizei in Bad Nenndorf für heute ein Bürgertelefon ein. Unter der Telefonnummer (05723) 946 12 22 können Fragen gestellt, Hinweise gegeben und Bitten geäußert werden. Verkehrsteilnehmer aufgepasst: Es wird heute "situationsbedingt zu kurzfristigen Absperrungen und gegebenenfalls Umleitungen kommen", teilte die Polizei am Freitag mit.

Front der Rechtsextremisten bröckelt

Die NPD zieht damit die Konsequenzen aus der geringen Mobilisierungsbereitschaft im rechtsextremen Lager, die Experten bereits in den vergangenen Tagen festgestellt hatten: Eine Schwächung für den eigentlichen "Trauermarsch" der Neonaziszene, der am Sonnabend die Kurstadt heimsuchen soll. Sollte sich die Sinkflug-Tendenz der Teilnehmerzahlen verstärken, bleiben ihnen möglicherweise die Straßen der Kurstadt als Aufmarschroute versperrt: Sie müssten sich dann auf die Fußwege der Kleinstadt beschränken. Das ist eine durchaus nicht unrealistische Perspektive, denn nach geltendem Recht muss die Versammlungsbehörde in Fällen geringer Teilnehmerzahlen einer angemeldeten Demonstration abwägen, ob die Beeinträchtigung des öffentlichen Lebens hinzunehmen ist, wenn nur eine kleine Zahl von Kundgebungsteilnehmern die Straße als Aufmarschort beanspruchen kann.

Wincklerbad in Bad Nenndorf

Dreh- und Angelpunkt des rechten Interesses an Bad Nenndorf ist das dortige Wincklerbad. Britische Besatzungssoldaten nutzten das Bad von 1945 bis 1947 als Internierungslager für NS-Schergen und mutmaßliche Kriegsverbrecher. Es kam dort auch zu Misshandlungen ehemaliger Wehrmachtssoldaten. Großbritannien entschuldigte sich dafür später. Nach der Auflösung der Grabstätte des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß im oberfränkischen Wunsiedel im Juli 2011 gilt Bad Nenndorf als einer der letzten rechten "Wallfahrtsorte". Mit ihrem "Trauermarsch" wollen die Neonazis an die Opfer des Vorgehens der Alliierten erinnern.

Brauner "Einkaufsspaziergang" in der Kurstadt?

Bad Nenndorf leidet seit Jahren unter dem Spuk dieser "Trauermärsche" - in diesem konkreten Fall ist seit langem eine große Gesundheitsmesse für den Folgetag in der Kurstadt angemeldet. Die Straßen werden daher ausgelastet sein - wenig Spielraum also für eine kleine Schar von Rechtsextremisten. Gut möglich, dass der rechte "Trauermarsch" diesmal als eine Art brauner "Einkaufsspaziergang" auf den Bürgersteigen der Kleinstadt daherkommen wird.

Strenge Vorschriften für "Bad Nenndorf ist bunt"

Weitere juristische Auseinandersetzungen um die Aufmarschroute der Gegner des braunen "Trauermarsches" sind nach Informationen von NDR Info nicht zu erwarten. Zwar hatte die Versammlungsbehörde in ihrem Auflagenbescheid an das demokratische Bündnis "Bad Nenndorf ist bunt" zum Teil strenge Vorschriften verhängt, Auflagen, die mancher im Bündnis hinter vorgehaltener Hand als "hanebüchen" bezeichnet - dennoch ist man dort der Ansicht, dass die aktuelle Auseinandersetzung mit den Neonazis wichtiger sei, als ein juristischer Streit mit dem Landkreis Schaumburg als Versammlungsbehörde, hieß es aus Kreisen des Bündnisses.

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/nachrichten/dossiers/der_norden_schaut_hin/badnenndorf537.html