Stand: 03.11.2014 16:18 Uhr  | Archiv

Pastörs: "MV letzte große Herausforderung"

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Ex-NPD Bundeschef Udo Pastörs sieht in Mecklenburg-Vorpommern seine letzte politische Herausforderung.

Der Fraktionschef der rechtsextremen NPD im Landtag in Schwerin, Udo Pastörs, hat seine bundespolitischen Ambitionen offenbar endgültig aufgegeben. Der 62-Jährige ist am Wochenende von seinem Posten als Bundesvorsitzender der Partei abgelöst worden. Eine Partei, die nach dem Willen des Bundesrats wegen ihrer Verfassungswidrigkeit längst verboten gehört. Pastörs stand nur für knapp ein Jahr an der Spitze. Beerbt hat ihn beim Parteitag in Weinheim (Baden-Württemberg) der Saarländer Frank Franz. Der 35-Jährige soll die NPD jetzt aus der Krise führen.

Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit

Die Krise ist zuletzt gekennzeichnet gewesen von Mitgliederschwund und Finanzchaos, Konkurrenz von der Alternative für Deutschland (AfD) und den verlorenen Wahlen in Thüringen und Sachsen. Ausgerechnet in ihrem 50. Jahr nach der Gründung kämpft die Partei mit der Bedeutungslosigkeit. Vor allem der verpasste Wiedereinzug in den sächsischen Landtag schmerzt: Millionen Euro Steuergeld gehen für die Partei und ihre Strukturen verloren.

Endstation Rechts: Pastörs hat sich überschätzt

Pastörs wird mitverantwortlich für die Niederlagen gemacht. Der Rechtsextremismus-Experte Marc Brandstetter vom Internetportal "Endstation-Rechts" meint, Pastörs habe sich überschätzt. Der Ruf nach einem Generationswechsel sei in der NPD zuletzt immer lauter geworden. Die Partei möge zwar Pastörs' derbe Auftritte in den Bierzelten, klar sei aber auch, dass auch andere Personen für sie noch eine Rolle spielen würden. Geschmerzt habe Pastörs vor allem die Niederlage beim Kampf um die Spitzenkandidatur für die Europawahl. Damals - im Januar - wählte die Partei seinen Rivalen Udo Voigt - der sitzt jetzt im EU-Parlament in Straßburg, für Pastörs blieb nur der Schweriner Landtag.

Pastörs: Bin nicht mehr der Jüngste

Pastörs erklärte auf Anfrage des NDR, ihm sei es um eine geordnete Übergabe der Partei gegangen. Das sei gelungen, schon im Sommer 2015 werde die Partei schuldenfrei sein. Er habe außerdem nicht vorgehabt, noch einmal zu kandidieren. Jetzt könne er sich in Mecklenburg-Vorpommern wieder stärker engagieren. "Das ist eine interessante Herausforderung, vielleicht die letzte große politische Herausforderung", sagte Pastörs. Schließlich sei er nicht mehr der Jüngste. Ein ehemaliger Vertrauter ist sich sicher: Pastörs werde jetzt versuchen, in Mecklenburg-Vorpommern die letzte NPD-Landtagsfraktion zu retten. Das sehe er als seine Aufgabe, meint Peter Marx, Ex-NPD-Generalsekretär und unter Pastörs lange Fraktionsgeschäftsführer in Schwerin. Pastörs werde sich jetzt wieder um die "Provinz" kümmern. Marx meint, der neue NPD-Chef Franz sei auf jeden Fall redegewandter, vielleicht auch gemäßigter, jedenfalls nicht so radikal wie Pastörs. Trotz der Niederlage in der Bundes-NPD hat Pastörs weiter seine Vertrauten.

NPD-Landeschef im Bundesvorstand

Dazu gehört der NPD-Landeschef Stefan Köster. Er wurde in Weinheim als einer von drei stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt. Er wolle sich um eine "vernünftige Kommunikation nach innen" bemühen, sagte Köster dem NDR. Experten meinen, Köster solle auch schauen, dass Franz nicht zu gemäßigt auftrete. Immerhin habe Pastörs seinerzeit noch angekündigt, er wolle die Partei mit "harter Hand" führen. Mit Blick auf Franz gab sich Köster zurückhaltend: "Wir kommen gut miteinander zurecht", sagte er. Sicher sei jetzt aber "unser Hauptaugenmerk auf Mecklenburg-Vorpommern". Für Köster und Pastörs hängt dabei alles vom September 2016 ab. Dann ist in Mecklenburg-Vorpommern Landtagswahl. 2011 holte die NPD noch 6 Prozent. Der Trend bei den Kommunalwahlen und in den Umfragen zeigt für die NPD allerdings nach unten.

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