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Das niedersächsische Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Medienberichten zufolge soll dort Asche von menschlichen Leichenteilen gelagert worden sein - und noch lagern. Sie stammt angeblich von zwei Betriebsschlossern, die am 19. November 1975 bei einem Unfall im Kernkraftwerk Gundremmingen in Bayern tödlich verunglückt und verstrahlt worden waren. "Heute verdichten sich die Hinweise, dass die stark verstrahlten Teile der Leichen verbrannt worden sind und die Asche im Atom-Schacht Asse bei Wolfenbüttel als 'klinischer Abfall' entsorgt wurde", berichtete die "Braunschweiger Zeitung" am Freitag in ihrer Online-Ausgabe. Das Blatt beruft sich unter anderem auf Landtagskreise. Diese bestätigten, dass im Frühjahr 1976 zwei Kisten aus Neuherberg - dem Sitz des früheren Asse-Betreibers - der Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF), später Helmholtz Zentrum - nach Wolfenbüttel geliefert worden seien. Darin soll sich die Asche der beiden Schlosser befunden haben.
Wie das Magazin "Stern" in seiner Online-Ausgabe am Freitag berichtete, waren bei der Obduktion der beiden Toten im Jahr 1975 Teile von den Leichen abgetrennt worden. Die Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung in München sollte sie auf Radioaktivität untersuchen. Nach einem Bericht des Instituts in Neuherberg wurden dem jüngeren Schlosser ("Objekt I") Lungenteile, Hirnhaut und mehrere andere Hautteile entnommen, dem älteren ("Objekt II") die gesamte Schilddrüse und beide Nieren, dazu Teile von Leber und Milz. Dem "Stern" zufolge erreichte die Strahlung allerdings weder in den inneren Organen noch an der Oberfläche der Leichen mögliche Grenzwerte. Die höchste Dosis sei an Kleidungsresten und an den abrasierten Haaren festgestellt worden.
Während die Körper der Männer dem Bericht zufolge sechs Tage nach dem Unfall beerdigt wurden, lagerten die Leichenteile noch bis Anfang 1976 bei der GSF in Neuherberg. Sie seien später als "klinische Abfälle" behandelt und offenbar im Kernforschungszentrum Karlsruhe in einer besonderen Anlage verbrannt worden. Dann kam die Asche offenbar in die Asse.
Wie das Magazin weiter schreibt, war damals in ersten Meldungen noch von einer "starken Kontamination" bei dem Unfall die Rede gewesen. Später hätten ihn die Behörden in Berichten und Vermerken als "radiologisch bedeutungslos" behandelt. Die Unterlagen über die entnommenen Organteile seien als "vertraulich" gestempelt worden.
Der heutige Betreiber der Asse, das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), durchforstet die Akten nach entsprechenden Einträgen. "Wir haben bisher noch keinen eindeutigen Beleg gefunden", zitiert die "Braunschweiger Zeitung" Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Er fügte hinzu: "Sollte es wirklich zutreffen, täten mir in erster Linie die Angehörigen leid." Die Gerüchte hatten bereits am Donnerstag im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Atommülllager Asse in Hannover für Aufregung gesorgt. Sie führten dazu, dass ein Ausschussmitglied den dort geladenen Zeugen, den ehemaligen Asse-Schachtleiter Günther Kappei, spontan fragte, ob er etwas von menschlicher Asche in der Asse wisse. "Ich habe darüber keine Kenntnis", antwortete Kappei daraufhin.
SPD-Obmann Detlef Tanke sagte, wenn die Recherchen stimmten, sei es "entsetzlich", dass ein solcher Vorgang nicht in den Unterlagen zu den Asse-Abfällen dokumentiert sei. Grünen-Obmann Stefan Wenzel nannte es "empörend", dass nach "1.000 Fragen" der Ausschussmitglieder an die ehemaligen Asse-Betreiber und verantwortliche Behörden jetzt "eine solche Information" an die Öffentlichkeit gelange. Es sei auch ein Indiz dafür, dass "der Ausschuss noch viel vor sich hat".
Unterdessen wurde bekannt, dass in der Asse am Freitag offenbar deutlich mehr Lauge eindrang als gewöhnlich. An der Hauptzutrittsstelle in 658 Metern Tiefen sei am Morgen für die vergangenen 24 Stunden ein Zufluss von 11,4 Kubikmetern gemessen worden, teilte das BfS am Freitag in Salzgitter mit. Das sei gegenüber dem Vortag eine Steigerung von rund einem Kubikmeter. Eine erhöhte Gefahr für das Salzbergwerk sieht der Betreiber bislang aber nicht: "Nach derzeitiger Einschätzung hat die Erhöhung keine sicherheitstechnischen Auswirkungen." Schwankungen könnten immer wieder auftreten. Am Sonnabendmorgen wurde ein auf 10,9 Kubikmeter zurückgegangener Wasserzutritt gemessen, wie das BfS mitteilte. Der unkontrollierte Laugeneintritt aus dem Deckgebirge ist seit Langem ein großes Sicherheitsproblem für die instabile Grube. Der Schacht, in dem 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Atommüll liegen, gilt deshalb als akut einsturzgefährdet.
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