Stand: 21.11.2014 18:07 Uhr  | Archiv

Asse: Marodes Atommülllager unter der Erde

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Das meiste in die Asse dringende Wasser wird abgepumpt. Davon ist ein kleiner Teil kontaminiert und muss entsorgt werden.

Die Schachtanlage Asse II bei Wolfenbüttel ist ein ehemaliges Salzbergwerk, in dem von 1965 bis 1995 die Endlagerung radioaktiver Abfälle in Salzformationen erforscht wurde. Die Arbeiten in der Asse sollten zeigen - wie auch in Gorleben - ob Salzstöcke als Endlager für Atommüll dienen können. Für die Asse hat sich die Frage beantwortet: Nein! Die Anlage ist so marode, dass sie mit einem noch nicht absehbaren Aufwand geräumt werden muss.

126.000 Fässer Atommüll lagern in der Anlage

Von 1967 bis 1978 wanderten rund 126.000 Fässer mit schwach und mittel radioaktiven Abfällen unter die Erde. Was genau in den Behältern lagert, ist teilweise unklar. Die Asse war das weltweit erste unterirdische Lager für Atommüll. Die Genehmigung verlief problemlos, ein Planfeststellungsverfahren war damals gesetzlich noch nicht vorgeschrieben.

Die Abfälle stammen aus dem Betrieb, der Stilllegung und dem Abbau kerntechnischer Einrichtungen sowie in geringen Mengen aus der Verwendung von radioaktiven Stoffen in Forschung, Industrie und Medizin. Typische Abfälle sind Filter, Schrott, Flüssigkeiten, Schlämme und Mischabfälle. Der weitaus größte Teil der Fässer kommt nach Angaben des heutigen Betreibers, dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), aus Anlagen der Energieversorger E.ON, Vattenfall Europe, RWE und EnBW.

Vom Einsturz bedroht

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In der Asse liegen 126.000 Atommüllfässer. Ihr Zustand ist größtenteils ungewiss. Das marode Lager muss geräumt werden.

Das größte Problem ist die Einsturzgefahr für die Grube - der Berg ist in Bewegung. Täglich sickern rund zwölf Kubikmeter Wasser von außen ein. Vermutlich wurden viele Atommüllfässer in den verschlossenen Abfallkammern unter der Erde zerquetscht oder sind durch Einwirkung von Salzlauge verrostet. Anwohner befürchten, dass Radioaktivität ins Grundwasser gelangt. Der größte Teil des in das Bergwerk eindringenden Wassers kann abgepumpt werden und wird zum Fluten anderer Bergwerke genutzt. Es ist nach Angaben des BfS nicht radioaktiv belastet. Täglich werden jedoch auch etliche Liter kontaminiertes Wasser aufgefangen. Es muss entsorgt oder zur Herstellung von Beton genutzt werden, mit dem wiederum das Bergwerk stabilisiert werden soll.

Betreiberwechsel - Bergwerk wird als Endlager behandelt

Betreiber der Asse war bis Ende 2008 das Helmholtz Zentrum München. Nachdem ein Bericht des niedersächsischen Umweltministeriums jedoch zahlreiche Missstände beim Betrieb des Versuchsendlagers aufgezeigt hatte, ging die Anlage zum 1. Januar 2009 in die Verantwortung des BfS über. Politisch zuständig ist damit das Bundesumweltministerium und nicht mehr das Forschungsministerium, das Mehrheitsgesellschafter des Helmholtz Zentrums ist. In die Kritik geriet auch das niedersächsische Landesbergamt, das Informationen über die Probleme in der Asse nicht an die Spitze des Landesumweltministeriums weitergeleitet haben soll.

Übergang vom Bergrecht zum Atomrecht

Das ehemalige Kalibergwerk wird nun wie ein atomares Endlager behandelt: Es gilt nicht mehr das Bergrecht, sondern das strengere Atomrecht. Das hat zur Folge, dass die Behörden beim weiteren Vorgehen die Öffentlichkeit genauer als bisher informieren müssen. Eine sogenannte Begleitgruppe aus örtlichen Politikern, Verbandsvertretern und Bürgerinitiativen soll bei den Planungen mitarbeiten. Doch das Vertrauen war im Herbst 2014 angeknackst. Es ging um Unstimmigkeiten bei der Notfallvorsorge für die Asse.

Atommüll soll aus Salzstock herausgeholt werden

Nach der Prüfung mehrerer Optionen zur sicheren Schließung der Asse hatte sich das BfS im Januar 2010 entschlossen, alle radioaktiven und chemischen Abfälle aus den Kammern herauszuholen. Als Zeitpunkt wurde das Jahr 2033 genannt. Da außer dem eigentlichen Abfall auch viel kontaminiertes Gestein aus der Asse geborgen werden muss, könnte es sich insgesamt um bis zu 200.000 Kubikmeter handeln. Die Kosten für die Rückholung sind nicht absehbar, genauso wenig wo das Material anschließend gelagert wird. Im Gespräch ist das ehemalige Eisenerzbergwerk Schacht Konrad bei Salzgitter. Es soll bis 2022 zum Endlager für schwach und mittel strahlenden Atommüll ausgebaut werden.

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