Der Streit über den Ausbau des Airbuswerks in Hamburg

Die Kontroverse um den Ausbau des Hamburger Airbus-Werks für das Großraumflugzeug A380 hat sich über mehrere Jahre hingezogen. Die Bewerbung der Hansestadt begann 1997.

Die Auseinandersetzung um den Ausbau
DatumEreignis
September 1997Hamburg bewirbt sich neben Rostock, Sevilla, Toulouse und St. Nazaire um die Endmontage des A3XX.
Oktober 1998Das Planfeststellungsverfahren beginnt. Hamburg schließt mit Niedersachsen und Schleswig-Holstein Staatsverträge über Ausgleichsflächen für das Mühlenberger Loch.
September 1999Hamburgs Wirtschaftssenator Thomas Mirow sichert Airbus zu, notfalls auch eine längere Startbahn zu ermöglichen. Mehrere Organisationen schließen sich zu einem Schutzbündnis für Hamburgs Elbregion zusammen.
November 1999Der Hamburger Senat beschließt, den Naturschutz im Süßwasserwatt Mühlenberger Loch auf einer Teilfläche aufzuheben. Dafür benötigt Hamburg die Zustimmung der EU-Kommission.
April 2000Die EU-Kommission billigt die teilweise Zuschüttung des Mühlenberger Lochs wegen eines "übergeordneten öffentlichen Interesses".
Mai 2000Ein erster Planfeststellungsbeschluss sieht unter anderem eine Verlängerung der Landebahn um 363 auf 2.684 Meter vor.
Juni 2000Airbus entscheidet über die Arbeitsteilung zwischen Toulouse und Hamburg. Das Werk in der Hansestadt baut die Rumpfsektionen, die Endmontage findet in Toulouse statt. In Hamburg erhalten die endmontierten Maschinen Innenausstattung und Endlackierung. Die Auslieferung sollen sich beide Standorte teilen.
Juni/Juli 2000Mehr als 250 Anwohner und Umweltverbände klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss vor dem Verwaltungsgericht Hamburg.
Dezember 2000Das Verwaltungsgericht stoppt die geplanten Bauarbeiten vorläufig. Aus dem A3XX wird offiziell der A380.
Februar 2001Das Hamburgische Oberverwaltungsgericht hebt den vorläufigen Baustopp wieder auf. Die rund 650 Millionen Euro teure Landgewinnung beginnt.
September 2001Das Bundesverfassungsgericht nimmt mehrere Verfassungsbeschwerden von Airbus-Gegnern gegen den Werksausbau nicht zur Entscheidung an.
April 2002Grundsteinlegung für die erste A380-Montagehalle auf dem teilweise zugeschütteten Mühlenberger Loch.
Juni 2002Die Hamburgische Bürgerschaft beschließt eine "Lex Airbus". Das Gesetz soll die Werkserweiterung als gemeinnützig einstufen und so die Position der Stadt stärken.
September 2002Das Verwaltungsgericht hebt den Planfeststellungsbeschluss für die Airbus-Erweiterung auf. Das von der Bürgerschaft beschlossene Gesetz rechtfertige keine Eigentumseingriffe: Für den Luftverkehr sei der Bund zuständig. Einen Baustopp verhängt das Gericht jedoch nicht. Die Stadt legt Berufung gegen die noch nicht rechtskräftige Entscheidung ein.
Februar 2003Airbus beantragt die Verlängerung der Werkslandebahn um 589 Meter.
Mai 2003Der Flugzeugbauer weiht die erste Montagehalle für den A380 ein.
August 2003Airbus beginnt in Hamburg mit der Montage der ersten A380-Rumpfsektion.
Dezember 2003Das Verwaltungsgericht Hamburg weist erneut Klagen von Umweltverbänden zurück. Die Stadt habe alle erforderlichen Beteiligungsrechte berücksichtigt.
April 2004Ein neuer Planfeststellungsbeschluss sieht die Verlängerung der Landebahn um 589 auf 3.273 Meter vor.
Mai 2004Mit einem vorläufigen Baustopp verhindert das Verwaltungsgericht Hamburg den geplanten Abriss des Neuenfelder Hauptdeichs für den Startbahnausbau. Damit will das Gericht vollendete Tatsachen verhindern, bis eine Entscheidung im Eilverfahren getroffen ist.
August 2004In einer Eilentscheidung bestätigt das Hamburgische Oberverwaltungsgericht den Baustopp für die Landebahn.
Oktober 2004Airbus bietet der Neuenfelder Dorfgemeinschaft einen Fonds in Höhe von drei Millionen Euro an. Erste direkte Gespräche zwischen Airbus-Gegnern und Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust werden geführt. Der Senat bietet eine Bestandsgarantie für Neuenfelde an. Airbus erklärt, keine weitere Startbahnverlängerung anzustreben.
November 2004Die Neuenfelder Kirchengemeinde bricht Verhandlungen über den Verkauf ihres Grundstücks ab. Bürgermeister von Beust kritisiert das Verhalten und wirft dem Vorstand der Nordelbischen Kirche Führungsschwäche vor. Es kommt zum Streit mit Bischöfin Maria Jepsen.
Dezember 2004Die Stadt beginnt mit einem neuen Planfeststellungsverfahren. Neben der Kirchengemeinde gibt es zunächst noch zwei weitere Grundstückseigentümer, die nicht verkaufen wollen. Ein Obstbauer ändert seine Meinung schließlich und veräußert vier seiner Grundstücke. Damit steht dem Ausbau der Piste nichts mehr im Wege. Das Bundesverkehrsministerium muss aber noch eine Ausnahmegenehmigung erteilen. Bürgermeister von Beust und Bischöfin Jepsen räumen in einem Gespräch ihre Differenzen aus. Airbus gibt bekannt, dass die Entwicklungskosten für den A380 statt 8 Milliarden Euro nun 9,45 Milliarden Euro betragen.
Januar 2005Der Flugzeugbauer Airbus stellt seine neue Großraummaschine A380 in Toulouse der Öffentlichkeit feierlich vor. Mehr als 5.000 Gäste kommen zum so genannten Roll-out.
April 2005Das neue Genehmigungsverfahren für die Verlängerung der Airbus-Startbahn in Hamburg-Finkenwerder beginnt. Knapp drei Wochen später beendet das Großraumflugzeug A380 seinen Jungfernflug erfolgreich. Mehrere zehntausend Zuschauer verfolgen Start und Landung in Toulouse.
August 2005In Finkenwerder beginnt die zweite Runde im neuen Planstellungsverfahren für die Verlängerung der Airbus-Startbahn. Bürger kündigen neue Klagen an. Sie stellen die Sicherheit der geplanten Piste in Frage. Ende August lockt der Airbus A380 bei seinem ersten Flug über Hamburg mehr als 150.000 Menschen an die Elbe.
November 2005Das Oberverwaltungsgericht stoppt die Abholzung von Bäumen für die Verlängerung der Airbus-Rollbahn. Die Baumgruppe, die als Sommerquartier für Fledermäuse dient, darf vorerst nicht gefällt werden.
Dezember 2005Die Hamburger Wirtschaftsbehörde reicht beim Verwaltungsgericht die Planänderungen für die Verlängerung der Start- und Landebahn ein. Mit den Änderungen zum Planfeststellungsbeschluss soll der Ausbau der Piste doch noch termingerecht möglich sein.
Januar 2006Der Streit zwischen Hamburg und der Kirche um die Verlängerung der Airbus-Startbahn geht weiter. Anlass ist eine abgeänderte Klage, mit der die Kirchengemeinde gegen das Projekt vorgeht. Unterdessen gibt es erneut Streit über Ausgleichsflächen für die Zuschüttung des Mühlenberger Lochs. Hamburgs Pläne, den Elbdeich in der Haseldorfer Marsch zurückzubauen, lösen in der Region Unverständnis aus.
März 2006Das Hamburger Verwaltungsgericht hebt den angeordneten Baustopp für die Startbahnverlängerung in Finkenwerder auf. Das Gericht sieht den europäischen Artenschutz im Planfeststellungsbeschluss vom November 2005 erfüllt. Ein Baustopp zu Gunsten von Anwohnern, die von Enteignungen betroffen sind, bleibt zunächst weiter bestehen. Drei Wochen später wird auch dieser vom Verwaltungsgericht aufgehoben.
April 2006Die Bauarbeiten zur Rollbahnverlängerung beginnen mit einem symbolischen Spatenstich.
März 2007Airbus stoppt bis auf Weiteres alle Arbeiten an der Frachtversion des A380. Das Unternehmen will sich zunächst auf die Produktion des Passagierjets konzentrieren. Umweltschützer fordern daraufhin, die Bauarbeiten an der Landebahn in Finkenwerder sofort einzustellen.
April 2007Das Bundesverwaltungsgericht weist den Revisionsantrag von Anwohnern gegen den Werksausbau zurück.
Juli 2007Die Stadt Hamburg übergibt die Verlängerung der Startbahn offiziell an den Flugzeugbauer.

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