Stand: 25.09.2017 01:38 Uhr

Verteidigung der Hochburgen - mit Blessuren

In Cloppenburg-Vechta, ihrem zuletzt bundesweit stärksten Wahlkreis, verlor die CDU volle zehn Prozentpunkte. Deutlich mehr als im Landes- und Bundesschnitt. Bei der jüngsten Bundestagswahl im Jahr 2013 hatte CDU-Kandidat Franz-Josef Holzenkamp über die Erststimmen noch satte 66,3 Prozent eingefahren. Seine SPD-Konkurrentin Gabriele Groneberg kam gerade einmal auf 21,3 Prozent. Bei der Wahl 2017 nun holte Silvia Breher für die Christdemokraten mit 57,7 Prozent das Direktmandat. Bei den Zweitstimmen allerdings hatten die Christdemokraten 2013 noch mit 63,2 Prozent gegenüber 19,8 Prozent für die SPD die Nase vorn. Nun sind es "nur" 53,1 Prozent geworden, die SPD verlor ebenfalls und erreichte 17,8 Prozent.

Eine CDU-Papierfahne auf einer Wahlparty

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NDR//Aktuell -

Die Niedersachsen wählen in drei Wochen schon wieder - dann geht es um den Landtag. CDU und SPD hoffen auf ein besseres Ergebnis als bei der Bundestagswahl.

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Der "Ein-Parteien-Kreis" Cloppenburg

Bei der Landtagswahl im Jahr 2013 holte die CDU in fünf Wahlkreisen des Nordwestens über 60 Prozent der Erststimmen - Spitzenreiter war auch hier Cloppenburg mit 69,4 Prozent. Aber auch in Papenburg (65,9 Prozent), Hadeln/Wesermünde (64,4), Vechta (64,2) und Meppen (62,9) schaffte die Partei beeindruckende Ergebnisse. Und auch bei den Zweitstimmen kratze die CDU in Cloppenburg und Vechta mit jeweils 57,6 Prozent an der 60-Prozent-Marke. Ähnlich deutlich fiel das Ergebnis der Kommunalwahl 2016 aus: Hier konnte die CDU im Landkreis Cloppenburg 57,9 Prozent verbuchen, in Vechta sogar 59,1 Prozent.

In Emden und Aurich präferiert man Rot

Im Wahlkreis Aurich-Emden dagegen hat die SPD traditionell deutlich die Nase vorn. Und das hat sich auch am Sonntagabend wieder bewahrheitet. Kandidat Johann Saathof sicherte sich das Direktmandat mit 49,6 Prozent der Erststimmen - bei der vergangenen Bundestagswahl hatte er noch 50,2 Prozent der Erststimmen erhalten. Die Sozialdemokraten erhielten zudem in diesem Jahr 37,8 Prozent der Zweitstimmen, während es 2013 noch 43,8 Prozent gewesen waren. Die CDU verlor gegenüber den 32,5 Prozent von der letzten Wahl noch einmal und landete bei 28,0 Prozent der Stimmen. Bei den Kommunalwahlen 2016 erlebten dagegen die Sozialdemokraten ein Fiasko und mussten deutliche Einbußen hinnehmen: Im Landkreis Aurich sank ihr Ergebnis von 45,2 auf 39,7 Prozent. In Emden fiel es noch dramatischer von 51,5 auf 30,8 Prozent.

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Auch stark mit der Zweitstimme

Bei der jüngsten Landtagswahl in Niedersachsen im Jahr 2013 holte die SPD 48,6 Prozent der Erststimmen in Aurich - Platz vier der Partei in ganz Niedersachsen. Emden lag mit 49,2 Prozent auf dem zweiten Rang. Auf Platz eins der niedersächsischen SPD-Hochburgen schaffte es vor vier Jahren Salzgitter mit 52,9 Prozent. Auch bei den Zweitstimmen rangierten Aurich und Emden vorne mit: 46,4 Prozent waren es bei der Landtagswahl 2013 in Emden; 42,2 Prozent im Wahlkreis Aurich. Dazu kamen noch einmal 44,6 Prozent in Salzgitter - das sind noch die Werte einer echten Volkspartei, die die SPD im Bundesgebiet längst nicht mehr überall erzielt.

Auch grüne Hochburg bröckelt

Aber nicht nur CDU und SPD haben Hochburgen im Land. Bei der Landtagswahl 2013 etwa errangen die Grünen ein überraschend gutes Ergebnis in Göttingen. Dort kam die Partei auf 28,5 Prozent der Zweitstimmen und ließ damit selbst die CDU (22,6 Prozent) deutlich hinter sich. Nur die SPD war mit 29,9 Prozent in Göttingen stärker als die Grünen. Auch im Wahlkreis Lüchow-Dannenberg-Lüneburg dürften die Grünen ganz gute Aussichten haben. Denn hier hat die vergleichsweise junge Umweltpartei bei den jüngsten Wahlen immer ziemlich ordentlich abgeschnitten: 18,1 Prozent der Zweitstimmen waren es etwa bei der Bundestagswahl 2009 - vor vier Jahren dann allerdings nur noch 14,3 Prozent. 2017 sank dieser Wert noch einmal auf 13,5 Prozent - dafür erreichte die Spitzenkandidatin der niedersächsischen Grünen, Julia Verlinden, mit 14,8 Prozent einen Achtungserfolg. Ihr Erststimmen-Ergebnis von 2013 hatte noch bei 12 Prozent gelegen.

Direktmandate aus den niedersächsischen Wahlkreisen

Acht Prozentpunkte Verlust in fünf Jahren

Die Tendenz geht also wieder aufwärts - denn bei der Kommunalwahl 2016 mussten die Grünen in Lüchow-Dannenberg herbe Verluste einstecken: Sie schafften nur 11,6 Prozent - fünf Jahre zuvor waren es noch 19,7 Prozent gewesen. In der Stadt Lüneburg kamen die Grünen bei der Kommunalwahl 2016 immerhin noch auf 17,4 Prozent, auch wenn es 2011 noch 22,9 Prozent waren. Gorleben, Gorleben, Gorleben - so lautete lange Jahre die Erklärung für den grünen Erfolg im Nordosten. Denn viele Lüchow-Dannenberger sind mit dem Protest gegen das Zwischenlager und mögliche Endlager für Atommüll aufgewachsen oder haben diesen vor Jahrzehnten mit initiiert. Die Partei der Grünen entwickelte sich aus der Anti-Atomkraft-Bewegung - so gehörten Gorleben-Aktivisten und Grüne geradezu untrennbar zusammen.

Die FDP ist die vierte Partei, die derzeit im Niedersächsischen Landtag vertreten ist. Sie hat, anders als CDU, SPD und Grüne, allerdings keine Region, in der sie traditionell besonders stark ist.

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Aktuell | 24.09.2017 | 08:00 Uhr

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