Stand: 19.09.2017 12:30 Uhr

Unterschiedliche Sichtweisen auf die Rente

von Dagmar Pepping, Korrespondentin im NDR Info Hauptstadtstudio

"Die Rente ist sicher", gab der damalige Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) in den achtziger und noch einmal in den neunziger Jahren vollmundig bekannt. Wie ist es heute um die Rentenpolitik bestellt? NDR Info macht in den Tagen vor der Bundestagswahl den Themencheck und durchleuchtet die Wahlprogramme der Parteien.

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Für Kanzlerin Merkel und die Union besteht bei der gesetzlichen Rente kein akuter Handlungsbedarf.

"Nichts überstürzen", so heißt es bei der Union in Sachen Rentenpolitik. "An der gesetzlichen Rente haben wir bis 2030 eigentlich die Reformschritte gemacht, die ich für notwendig erachte", sagt Angela Merkel (CDU). Denn, so die Bundeskanzlerin, sowohl beim Rentenniveau als auch beim Beitragssatz sehe es besser aus als vor Jahren erwartet.

Für die Zeit nach 2030, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen, will die Union eine Renten-Kommission einsetzen. Die soll bis Ende 2019 Vorschläge erarbeiten, wie es langfristig mit dem Rentensystem weitergehen soll. Die Rente mit 70 will Merkel nicht: "Die Herausforderung, schon bis zum 67. Lebensjahr zu arbeiten, ist eine große für die Menschen, für viele Berufsgruppen."

Reformpause bei der gesetzlichen Rentenversicherung - stattdessen weitere Reformschritte bei den beiden anderen Säulen der Altersvorsorge: Die Union will die Betriebsrenten und die private Vorsorge weiter stärken.

Symbolbild - zwei Figürchen sitzen auf einer Bank, die auf mehreren Geldscheinen steht. © picture-alliance / Eibner-Pressefoto Fotograf: Eibner-Pressefoto

Themencheck: Rentenpolitik

NDR Info - Infoprogramm -

Viele Menschen sind noch unentschlossen, wem sie bei der Bundestagswahl ihre Stimme geben sollen. Was planen die Parteien bei der Rentenpolitik? Der NDR Info Themencheck zur Rentenpolitik.

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Mit der SPD soll es eine Solidarrente geben

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Die SPD und Arbeitsministerin Nahles versprechen, dass der Beitragssatz zur gesetzlichen Rente bis 2030 nicht über 22 Prozent steigt.

Die SPD sieht dagegen akuten Handlungsbedarf. Die Sozialdemokraten um Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles wollen per Gesetz festlegen, dass das Rentenniveau bis zum Jahr 2030 nicht unter das heutige Niveau von 48 Prozent sinken darf. "Das müssen die Steuerzahler zahlen. Das wird nicht nichts kosten, wenn man am Ende im Monat 150 Euro - und ein guter Facharbeiter sogar 225 Euro - mehr gesetzliche Rente bekommt. Das würde man nämlich." Gleichzeitig verspricht die SPD, dass der Beitragssatz bis 2030 nicht über 22 Prozent steigt. Derzeit liegt er bei knapp 18 Prozent.

Ein weiteres Kernversprechen der SPD ist die sogenannte Solidarrente für Menschen, die 35 Jahre Beiträge eingezahlt haben. Fällt ihre Rente sehr gering aus, wird sie über das Niveau der Grundsicherung angehoben - und zwar um zehn Prozent. Außerdem will die SPD nicht abgesicherte Selbständige in die gesetzliche Rentenversicherung einbeziehen.

Linke setzt sich für eine Mindestrente ein

Die Linke um Parteichef Bernd Riexinger hält die Rentenpläne der SPD für nicht ausreichend: "Das Rentenniveau muss auf 53 Prozent zurückgesetzt werden. Wir wollen eine solidarische Mindestrente von 1.050 Euro." Niemand dürfe unter die so definierte Armutsgrenze in Deutschland fallen.

Außerdem fordert die Linke die Rückkehr zur abschlagsfreien Rente mit 65 Jahren. Und alle sollen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen - auch Selbständige, Beamte und Politiker. Die Riester-Rente will die Linke in die gesetzliche Rentenversicherung überführen.

Grüne wollen eine Bürgerversicherung in der Rente

Auch die Grünen mit ihrer Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt wollen alle Berufsgruppen in die Rentenversicherung einbeziehen: "Wir wollen eine Bürgerversicherung in der Rente in verschiedenen Schritten einführen. Natürlich muss es einen Bestandsschutz geben, einen Vertrauensschutz für erworbene Anwartschaften."

Wer den größten Teil seines Lebens gearbeitet hat, Kinder erzogen oder Verwandte gepflegt hat, dem versprechen die Grünen eine Garantie-Rente oberhalb der Grundsicherung - finanziert aus Steuermitteln. Anstelle der Riester-Rente schlagen die Grünen einen öffentlich verwalteten Bürgerfonds als einfaches und kostengünstiges Basisprodukt vor.

FDP: Kein festes Renteneinstigesalter

Die FDP setzt bei der Rente auf mehr Flexibilität und möchte das feste Renteneinstiegsalter abschaffen. "Was wir brauchen, ist eine individuell flexible Möglichkeit, in den Ruhestand einzutreten. Ab 60 sollen die Menschen die Freiheit haben, in die Rente eintreten zu können", sagt Parteichef Christian Lindner. Wer früher in den Ruhestand geht, bekommt eine geringere Rente - wer später geht, eine höhere.

Neben der gesetzlichen Rente will die FDP aber auch die betriebliche und die private Altersvorsorge attraktiver machen. Hier gilt: Jeder Bürger soll sich seine Altersvorsorge individuell zusammenstellen - nach dem "Baukastenprinzip".

AfD: Abschlagsfrei in Rente nach 45 Beitragsjahren

Die AfD lehnt ebenfalls ein festes Renteneintrittsalter ab. Sie will, dass jeder, der 45 Jahre seines Lebens gearbeitet hat, abschlagsfrei in die Rente gehen kann. Außerdem will die AfD - angesichts des demografischen Wandels - die gesetzliche Rentenversicherung vorübergehend stärker aus Steuermitteln finanzieren.

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NDR Info | Infoprogramm | 20.09.2017 | 07:08 Uhr

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