Stand: 25.09.2017 16:14 Uhr

Petry auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit

Am Tag nach dem erstmaligen Einzug in den Deutschen Bundestag sorgt die AfD weiter für Schlagzeilen. Die Parteivorsitzende Frauke Petry kündigte an, der AfD-Fraktion im Bundestag nicht angehören zu wollen. Sie gewann ihren sächsischen Wahlkreis direkt, hat als ihren Sitz im Plenarsaal sicher. Doch was führt die in ihrer Partei offensichtlich isolierte Petry jetzt im Schilde? Plant sie eine zweite AfD-Fraktion?

Ein Kommentar von Dagmar Pepping, NDR Info Hauptstadtkorrespondentin

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"Wenn Frauke Petry konsequent ist, dann muss sie diese AfD der Gaulands, Höckes und Meuthens verlassen", meint Dagmar Pepping.

Falls der Tag eins nach der Bundestagswahl ein Vorgeschmack ist, was uns mit der AfD im Bundestag erwartet, dann schnallen Sie sich fest. Das wird ein wilder Ritt auf den Schaumkronen der deutschen Politik!

"Ich bin dann mal weg!" Parteichefin Frauke Petry nutzte einen heimlich geplanten und wohlinszenierten Eklat vor der versammelten Hauptstadtpresse, um die neben ihr sitzende AfD-Führung zu düpieren. Petry will trotz Mandat nicht der AfD-Fraktion angehören. Ihr Co-Vorsitzender Jörg Meuthen und die beiden Spitzenkandidaten Alice Weidel und Alexander Gauland schauten entgeistert zu, wie Petry den Saal verließ. Ein Abgang mit Paukenschlag.

Versuch der Spaltung wird fehlschlagen

Die Abschiedsschmerzen bei den drei Zurückgelassenen halten sich aber in engsten Grenzen. Das Tischtuch zwischen Petry und dem Rest der AfD-Führung war spätestens seit dem Kölner Parteitag zerschnitten. Petry wollte die Partei dort auf einen realpolitischen Kurs mit dem Ziel Regierungsbeteiligung verpflichten - ihre mächtigen Gegenspieler um den AfD-Machiavelli Gauland und seinen Freund Björn Höcke setzen dagegen auf Fundamentalopposition.

Petry scheiterte in Köln. Nun - durch ein Bundestags-Direktmandat in Sachsen abgesichert - versucht sie die Spaltung der eigenen Partei. Die fast gleichgültige Reaktion des künftigen Fraktionschefs Gauland auf Petrys Entscheidung spricht Bände: Die AfD sei eben ein "gäriger Haufen", jetzt sei eben "jemand obergärig geworden".  Die Reisende wird niemand aufhalten.

Höcke und Co. kann Petry nicht besiegen

Wenn Frauke Petry konsequent ist, dann muss sie diese AfD der Gaulands, Höckes und Meuthens verlassen. Und zwar jetzt und nicht erst nach dem Parteitag in Hannover Anfang Dezember. Dort würden ihre Gegenspieler sie eh aus dem Amt jagen. Petry hat sich mit Mächten angelegt, die sie nicht besiegen kann. Björn Höcke gehört zur Seele der Partei, sagt Alexander Gauland gerne und oft. Frauke Petry tut es nicht!

Wenn es Petry ernst damit meint, den Wählern in Deutschland eine konservative Alternative zur CDU anzubieten - eine Partei ohne abseitige oder gar rechtsradikale Töne a la Höcke -, dann muss sie eine neue Partei gründen. Eine Alternative zur Alternative, sozusagen. Platz im deutschen Parteiengefüge rechts von der Union ist offenkundig vorhanden, das hat diese Bundestagswahl auf spektakuläre Art und Weise gezeigt.

Eine Opportunistin der Macht

Petrys Problem: Sie ist wenig glaubwürdig als "Margaret Thatcher des deutschen Konservatismus". Als sie vor zwei Jahren den AfD-Gründer Bernd Lucke von der Parteispitze wegputschte, nutzte Petry dafür die Unterstützung von Gauland und Rechtsausleger Höcke. Politiker, die ihr nun plötzlich zu radikal geworden sind.

Petry ist eine Opportunistin der Macht, ohne Grundüberzeugungen, ohne Rückgrat. Und deswegen wird sie bald in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

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Abspaltung war wohl schon länger Petrys Plan

Im Umfeld von AfD-Chefin Frauke Petry wird nach Recherchen von WDR, NDR und "SZ" schon lange über eine mögliche Abspaltung von der AfD diskutiert. Mehr dazu bei tagesschau.de. extern

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NDR Info | Kommentare | 25.09.2017 | 17:08 Uhr

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