Stand: 25.09.2017 08:23 Uhr

Bundestagswahl bringt Ende der Großen Koalition

Die Union verliert deutlich, die SPD ist so schwach wie noch nie und die AfD landet auf Platz drei: So lautet kurz zusammengefasst das vorläufige Endergebnis der Bundestagswahl 2017. Die Union gewann zwar die Wahl, schnitt jedoch so schlecht ab wie seit 1949 nicht mehr. Lange Gesichter auch beim Partner in der Großen Koalition: Die SPD erzielte ihr historisch schlechtestes Ergebnis und stürzt auf 20,5 Prozent ab. Die großen Gewinner sind die AfD, die erstmals im Deutschen Bundestag vertreten sein wird, und die FDP, der unter Christian Lindner ein Comeback gelang. Die Wahlbeteiligung lag bei etwa 75 Prozent und somit etwas höher als 2013. Rein rechnerisch wären eine Große Koalition, ein Jamaika-Bündnis und eine Minderheitsregierung der Union möglich. Heute wollen die Gremien der Parteien über die Konsequenzen aus dem Wahlausgang beraten.

Bundestagswahl 2017: Vorläufiges Endergebnis

SPD will in die Opposition

Bundestagswahl: Reaktionen aus den Ländern

Die SPD-Spitze kündigte bereits kurz Bekanntwerden der ersten Zahlen an, in die Opposition gehen zu wollen. "Wir werden den Oppositionsauftrag der Wähler annehmen", sagte Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern. Es sei ein "ganz schlimmes Ergebnis für die SPD". Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil pflichtete ihr bei: "Die Große Koalition ist heute abgewählt worden", sagte der SPD-Politiker. Union und SPD hätten als Regierungspartner herbe Verluste verzeichnet. Sein Parteikollege, Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius, sprach von einem "traurigen Ergebnis". Mit Blick auf die anstehende Landtagswahl in Niedersachsen Mitte Oktober sagte er: "Unsere Chancen sind definitiv nicht schlechter geworden." Noch in der Nacht begannen Helfer, die Plakate zur Bundestagswahl durch Wahlwerbung für die Landtagswahl zu ersetzen.

Jubel bei der AfD

Jubel wegen der Bundestagswahl gab es dagegen bei der AfD - zum Beispiel bei der zentralen Wahlparty in Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin: Nach Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen äußerte sich Spitzenkandidat Leif-Erik Holm sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Die Menschen hätten sich händeringend nach einer Alternative im Bundestag gesehnt. Der Landesvorsitzende der AfD in Niedersachsen, Armin Paul Hampel, begrüßte das gute Abschneiden seiner Partei auf Bundesebene. "Wir hoffen natürlich, dass der Schwung von Berlin sich nach Hannover fortsetzt und wir auch da gut abschneiden", so Hampel angesichts der anstehenden Landtagswahl.

Für Hamburgs AfD-Spitzenkandidaten Bernd Baumann war das Wahlergebnis seiner Partei erwartbar gewesen: "Es braucht eine neue Opposition, eine richtige Opposition. Und das ist jetzt die AfD", sagte er. In der Hamburger Innenstadt protestierten spontan 500 Menschen vor der AfD-Zentrale. Die Demo verlief laut Polizei ohne Zwischenfälle.

Merkel gewinnt ihren Wahlkreis - SPD nur viertstärkste Kraft

In Mecklenburg-Vorpommern schnitt die AfD laut dem vorläufigen Endergebnis mit 18,6 Prozent noch stärker ab als im Bund, die SPD dagegen schwächer: Sie erreichte nur Platz vier mit 15,1 Prozent. Die CDU wurde stärkste Partei und kam auf 33,1 Prozent, die Linke folgte hinter der AfD auf Platz drei mit 17,8 Prozent. Die FDP erreichte 6,2 Prozent, die Grünen 4,3 Prozent. Alle sechs Direktmandate in Mecklenburg-Vorpommern konnten von CDU-Kandidaten gewonnen werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel holte das Direktmandat im Norden Vorpommerns zum achten Mal in Folge, auch wenn ihr Ergebnis von 44 Prozent rund zwölf Prozentpunkte unter dem von 2013 liegt.

Niedersachsen: Verluste für CDU und SPD

CDU-Landeschef Bernd Althusmann setzt nach dem schlechten Abschneiden der SPD auf Bundesebene auf einen Machtwechsel. "Man hätte sich sicherlich ein bisschen mehr Rückenwind erhofft, aber es ist ja keineswegs ausgeschlossen, dass wir in den nächsten Wochen noch ein bisschen zulegen können", sagte er. Die CDU habe zwar verloren, bleibe aber stärkste Kraft. "Von daher glaube ich, dass sie auch in Niedersachsen ein starkes Ergebnis bekommen kann."

Seine Partei kommt auf 34,9 Prozent - das sind 6,2 Prozentpunkte weniger als bei der Wahl 2013. Die SPD hat mit 27,4 Prozent zwar ihr bisher schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl in Niedersachsen erzielt, jedoch deutlich besser abgeschnitten als im Bund. Die Grünen erhielten 8,7 Prozent. Die FDP kommt auf 9,3 Prozent. Die AfD schneidet mit 9,1 Prozent deutlich schlechter ab als bundesweit, die Linke kommt auf 6,9 Prozent.

01:41

So sehen die Niedersachsen das Wahlergebnis

25.09.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
04:27

Wie geht es weiter für SPD und CDU?

25.09.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:02

AfD-Landtagsfraktion spaltet sich

25.09.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin
02:33

Schlechtes SPD-Ergebnis: Profitiert Schwesig?

25.09.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin
64:40

ANNE WILL - Nach der Bundestagswahl

24.09.2017 21:25 Uhr
Das Erste: Anne Will
02:43

Suding: Die FDP weiß, was sie will!

24.09.2017 21:19 Uhr
NDR Info
04:08
04:20
02:57
03:37

CDU in Hamburg vorne

SPD-Bundesvize Olaf Scholz verteidigte die Entscheidung seiner Partei, im neugewählten Bundestag in die Opposition zu gehen: "Es ist gut, dass wir gemeinsam diskutiert haben, dass wir aus diesem Wahlergebnis den Schluss ziehen, dass die SPD in die Opposition geht", sagte Hamburgs Bürgermeister. Dort liegt die CDU nach Auszählung aller Wahlbezirke mit 27,2 Prozent vor seiner Partei, die nur 23,5 Prozent erreicht. Drittstärkste Kraft sind demnach die Grünen mit 13,9 Prozent, gefolgt von den Linken mit 12,2 und der FDP mit 10,8 Prozent. Die AfD legt auf 7,8 Prozent zu. Im Kampf um die Direktmandate konnten sich in fünf von sechs Wahlkreisen die SPD-Kandidaten durchsetzen.

Habeck: Keine Garantie für "Jamaika"

Schleswig-Holsteins grüner Umweltminister Robert Habeck äußerte sich zurückhaltend zu den Erfolgsaussichten für eine "Jamaika"-Koalition im Bund: "Es gibt keine Garantie, dass es am Ende funktionieren wird", sagte er. Die Union habe eine schwere Niederlage erlitten, seine Partei gehe dagegen gestärkt aus der Wahl hervor. "Und das geht nicht so ohne Weiteres zusammen." Trotzdem müssten die Grünen "ernsthaft und seriös versuchen, eine Regierung herzustellen bei dieser Ausgangslage". Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki kritisierte die Entscheidung der SPD, in die Opposition zu gehen. Seine Partei stehe nicht automatisch für eine "Jamaika"-Koalition zur Verfügung, sagte er.

Im nördlichsten Bundesland wurde die CDU dem vorläufigen Endergebnis zufolge erneut stärkste Kraft mit 34 Prozent, gefolgt von der SPD mit 23,3 Prozent. Beide Parteien müssen starke Verluste gegenüber der letzten Bundestagswahl hinnehmen. Grüne (12 %) und FDP (12,6 %) liegen fast gleichauf, dahinter folgt die AfD mit 8,2 Prozent der Stimmen. Die Linke kommt auf 7,3 Prozent.

Union und SPD verlieren, AfD jubelt

Kommentare

Kanzlerin Merkel steht unter massivem Druck

Nach der Bundestagswahl ist Kanzlerin Merkel schwer angeschlagen. Der Einzug der AfD ins Parlament markiert eine Zeitenwende. NDR Hörfunk-Chefredakteurin Claudia Spiewak kommentiert. mehr

Weitere Informationen

Bundestagswahl: So wählte der Norden

Welche Partei hat wie viele Stimmen bekommen und wie viele Prozente geholt? Wer regiert künftig Deutschland? Das Wichtigste zur Bundestagswahl 2017 im Überblick. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 24.09.2017 | 18:00 Uhr

Mehr zur Wahl

01:41

So sehen die Niedersachsen das Wahlergebnis

25.09.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
04:27

Wie geht es weiter für SPD und CDU?

25.09.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:02

AfD-Landtagsfraktion spaltet sich

25.09.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin