Stand: 27.07.2015 07:24 Uhr

"Zeljko" pustet Bäume um und flutet Straßen

Orkanböen, heftige Regenfälle und Gewitter: Sturmtief "Zeljko", das am Sonnabend und in der Nacht zu Sonntag über den Norden gezogen ist, hatte es in sich, auch wenn sich die Schäden in Grenzen halten. Laut Oliver Weiner vom Hamburger Institut für Wetter- und Klimakommunikation wurden auf dem Brocken im Harz Orkanböen mit einer Stärke von 159 Kilometern pro Stunde gemessen. Auf Norderney und in Bremerhaven gab es schwere Sturmböen mit bis zu 97 km/h, während in Hamburg-Fuhlsbüttel immerhin noch Böen mit 74 km/h gemessen wurden. Vor allem in Schleswig-Holstein kamen zudem beachtliche Regenmengen vom Himmel: "Spitzenreiter" war dort Schönhagen mit 63 Litern pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden. In Schleswig fiel mit 52 Litern mehr als die Hälfte der sonst in einem Juli üblichen Regenmenge.

Sommersturm fegt durch Norddeutschland

Bahnstrecken in Niedersachsen wieder frei

Der Zugverkehr in Niedersachsen lief erst am Montag wieder planmäßig. Alle Sturmschäden seien behoben, teilte eine Bahnsprecherin mit. Bei dem Unwetter waren am Wochenende mehrere Bäume und Äste auf Bahngleise und Oberleitungen gefallen. Zahlreiche Nah- und Fernverkehrsstrecken mussten gesperrt werden. Nach Angaben von NDR 1 Niedersachsen rückten die Feuerwehren allein im südlichen Niedersachsen zu Hunderten Einsätzen aus. Bei Braunschweig war der gesamte Höhenzug Elm für den Verkehr gesperrt.

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Premiere: Watt evakuiert

In Cuxhaven waren am Sonnabend Strand und Watt vor Ankunft des Sturmtiefs geräumt worden. Zahlreiche Wattwanderer und Strandspaziergänger wurden in Sicherheit gebracht. Noch nie seien Strand und Watt wegen eines solchen Wetterphänomens evakuiert worden, sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Sonnabend.

Zahlreiche wetterbedingte Einsätze

Für Hamburg meldete die Feuerwehr etwa 50 wetterbedingte Einsätze, wie NDR 90,3 berichtete. Den größten Einsatz gab es am Sonnabendnachmittag in Heimfeld. Dort war ein Baum auf ein Bahngleis gestürzt, ein Güterzug fuhr dagegen. In Lohbrügge musste die Feuerwehr ebenfalls helfen - wegen Ästen auf der Fahrbahn und einer umgeknickten Tanne.

Auf eine zunächst erwogene Evakuierung von Zeltunterkünften für Flüchtlinge hatte die Stadt verzichtet. Die Innenbehörde ließ die Zelte vom THW stärker im Boden verankern und mit Sandsäcken sichern, für Notfälle standen Busse bereit.

In Schleswig-Holstein zählten die Rettungsleitstellen rund 100 sturmbedingte Einsätze, wie NDR 1 Welle Nord berichtete. Immer wieder blockierten umgeknickte Bäume oder heruntergefallene Äste die Straßen im Land. Zu einem größeren Einsatz kam es in Alveslohe im Kreis Segeberg. Dort stürzte nach Angaben der Feuerwehr eine Eiche auf ein Einfamilienhaus und auf einen Carport. Verletzt wurde niemand. In Grömitz im Kreis Ostholstein verletzte sich dagegen ein Mann leicht, als er am Strand unter einem DLRG-Häuschen Schutz vor dem Regen suchte. Wegen einer Böe kippte das Häuschen um und begrub den Mann unter sich. Er konnte sich aber selbst befreien.

Schwerverletzte bei Unfällen auf regennasser Fahrbahn

In Harrislee (Kreis Schleswig-Flensburg) musste die Feuerwehr am Sonnabend mehrfach ausrücken, um vom Starkregen überflutete Straßen und vollgelaufene Keller leerzupumpen. Bei der Travemünder Woche wurden Boote sicherheitshalber vorzeitig in den Hafen zurückgeholt. Auch auf Sylt blieben Ausflugsboote am Kai, der Verkehr zur Insel Helgoland wurde eingestellt. Auf der A 1 nahe Heiligenhafen kam es auf regennasser Straße zu einem Unfall, bei dem sich zwei Menschen verletzten. In Barkelsby (Kreis Rendsburg-Eckernförde) stießen nach starkem Regen zwei Autos zusammen, als ein Wagen hinter einer Kurve ins Schleudern geriet. Zwei Personen wurden schwer verletzt.

In Mecklenburg-Vorpommern richtete "Zeljko" nach Angaben von NDR 1 Radio MV weniger Schäden an als zunächst befürchtet. Die Feuerwehr musste landesweit zu etwa 50 Einsätzen ausrücken, um abgebrochene Äste oder umgekippte Bäume von Straßen zu räumen. Am Sonntagmorgen prallte eine 76-Jährige auf der B 104 bei Gadebusch (Nordwestmecklenburg) mit ihrem Auto gegen einen umgekippten Baum. Sie wurde leicht verletzt.

Open-Air-Veranstaltungen vorsorglich abgesagt

Probleme bereitete der Sturm zahlreichen Open-Air-Veranstaltungen im Norden. In Hamburg wurde das Wutzrock-Festival am Sonnabend unterbrochen. Bei der Extreme Sailing Series im Hamburger Hafen kenterte ein Katamaran, als er von einer heftigen Sturmböe erfasst wurde. Alle Segler blieben unverletzt. Der NDR sagte aus Sicherheitsgründen zwei Veranstaltungen ab: N-JOY the Party in Büsum und N-JOY the Party in St. Peter Ording. Bereits am Freitag war das "Holi-Farbgefühle-Festival" auf der Horner Galopprennbahn abgesagt worden, zu dem Tausende Teilnehmer kommen wollten. Ein vor dem Hildesheimer Dom geplantes Rockkonzert wurde kurzfristig in die Bischofskirche verlegt. In Wolfsburg sagte die IG Metall ihr Sommerfest ab. Auch der Volkstriathlon in Wolfsburg fand sicherheitshalber nicht statt. Das Festival "Wesermove" in Nordenham wurde abgebrochen.

Blitze setzen Dächer in Brand

Eine erste Gewitter- und Regenfront war bereits am frühen Samstagmorgen über den Norden hinweggezogen. Blitzschläge setzten mehrere Dachstühle in Brand, Bäume stürzten um. In Hamburg geriet ein Reetdachhaus womöglich durch einen Blitzschlag in Flammen.

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