Stand: 29.04.2013 17:24 Uhr

Windmesse: Hamburg und Husum einigen sich

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"See you in Hamburg": Die WindEnergy soll Besucher ab 2014 alle zwei Jahre in die Hansestadt locken.

Der jahrelange Streit zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein um den Standort der Windenergiemesse ist beendet. Die große internationale Messe WindEnergy wird künftig alle zwei Jahre in Hamburg stattfinden. Als Ausgleich richtet Husum im jährlichen Wechsel dazu eine nationale Messe aus. Die Hamburger und die Husumer Messegesellschaft gründen dafür eine neue gemeinsame Messegesellschaft mit je 50 Prozent Anteil und einer Laufzeit von zunächst zehn Jahren.

"In den geraden Jahren ab 2014 wird es eine internationale Messe in Hamburg geben und ab 2015 eine nationale Windkraftmesse in Husum. Die acht größten Aussteller aus der Industrie haben erklärt, dass sie in Husum längerfristig ausstellen werden", sagte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) zu NDR 1 Welle Nord. Anders als zunächst berichtet, werde es für die Aussteller in Husum keine Beschränkung auf den Offshore-Bereich geben.

Meyer: Kompromiss im Interesse Norddeutschlands

Am Montagnachmittag unterzeichneten die Chefs der beiden Messegesellschaften, Peter Becker (Husum) und Bernd Aufderheide (Hamburg) sowie Meyer und sein Hamburger Amtskollege Frank Horch (parteilos) in Rendsburg eine Vereinbarung zu dem ausgehandelten Kompromiss. Die Einigung sei ein guter Kompromiss für Schleswig-Holstein und im Interesse Norddeutschlands, sagte Meyer: "Wir können und wir wollen kooperieren." Bis zum Sommer sollen die Verträge wasserdicht sein. "Die Messegesellschaft in Husum wird einen solchen Kompromiss nur unterschreiben, wenn sie davon überzeugt ist, dass es vor allem wirtschaftlich wichtig ist für die Zukunft", betonte Meyer. Die Lösung entspreche den Wünschen der Branche, betonten die Senatoren und die Messe-Chefs.

Der Bundesverband Windenergie (BWE) bewertete die Vereinbarung denn auch positiv. Das gemeinsame Konzept kombiniere die Tradition und Atmosphäre Husums mit den Vorteilen des Standortes Hamburgs, sagte BWE-Präsidentin Sylvia Pilarsky-Grosch. Der Vorsitzende der Windbranche beim Verband VDMA, Andreas Nauen, meinte, durch den Kompromiss sei die Grundlage geschaffen, die internationale Leitmesse für die Windindustrie langfristig in Deutschland zu halten.

Kritik am Kompromiss: "Verrat" und "Scherbenhaufen"

Am Windmesse-Kompromiss wurde vor allem aus Schleswig-Holstein Kritik laut. "Hamburg bekommt die internationale Leitmesse und Schleswig-Holstein den Hamburger Hafenschlick", kommentierte der schleswig-holsteinische CDU-Landeschef Reimer Böge. "Das ist kein Kompromiss, das ist eine feindliche Übernahme zum Schaden einer ganzen Region", urteilte CDU-Fraktionschef Johannes Callsen. Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) habe vor seinem Parteifreund Olaf Scholz klein beigegeben. Der FDP-Kreisverband Nordfriesland sprach von einem "Verrat an den Interessen Husums". Der Kreisverbandsvorsitzende Jens Kieback forderte den Rücktritt der Landesregierung. "Wir stehen fassungslos vor dem Scherbenhaufen der weltweiten Leitmesse einer Windenergiebranche", erklärten Kieback und sein Stellvertreter Rüdiger Kohls.

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Für Hamburg gibt es offenbar einen weiteren positiven Nebeneffekt des Deals: Aller Voraussicht nach darf die Hansestadt in Zukunft seinen Hafenschlick wieder vor Schleswig-Holsteins Küsten verklappen. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) sagte, das Kabinett in Kiel werde am Dienstag darüber reden, ob das Thema wieder auf die Tagesordnung kommt. Wegen des Windmessenstreits hatte die Kieler Regierung im vergangenen September die Genehmigung zur Verklappung des Hafenschlicks vertagt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 29.04.2013 | 08:00 Uhr

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