Stand: 22.05.2017 13:25 Uhr

Wie kann die Artenvielfalt geschützt werden?

von Ines Burckhardt, NDR Info, Claudia Plaß, NDR Info

Säugetiere, Fische, Vögel, Würmer, Käfer, Algen, Pilze, Pflanzen - es gibt Millionen Arten auf der Welt. Aber die Vielfalt ist vielerorts bedroht. Auch Touristen tragen dazu bei, etwa, wenn sie in empfindlichen Ökosystemen unterwegs sind. Andererseits können Besucher aber auch zum Artenschutz beitragen. Darauf soll am "Internationalen Tag der biologischen Vielfalt" aufmerksam gemacht werden. Er steht in diesem Jahr unter dem Motto "Nachhaltiger Tourismus". NDR Info hat sich im Weltnaturerbe Wattenmeer vor dem schleswig-holsteinischen Büsum angeschaut, wie Tourismus und Naturschutz in Einklang gebracht werden können.

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Bei der Führung durchs Wattenmeer lernen die Besucher von Jasmin Kirchner (l.) viel über die Bedeutung der verschiedenen Tierarten.

20 Paar Füße stehen im glitschigen Watt. Die Urlauber haben ihre Hosen hochgekrempelt und stehen im Halbkreis um Jasmin Kirchner. Die junge Frau macht ihren Freiwilligendienst bei der Naturschutzorganisation WWF und führt regelmäßig Gruppen durchs Watt. Jedes Jahr steuern Schwärme von Wat- und Wasservögeln das Wattenmeer an, erzählt Kirchner, und will wissen: Wie viele? Die Schätzungen der Wattwanderer gehen von zwei bis zehn Millionen. Tatsächlich sind es etwa zehn bis zwölf Millionen Vögel, die das Wattenmeer zum Rasten, Brüten und Fressen ansteuern.

Das Watt ist Lebensraum für Seeringelwurm, Sandklaff-Muschel, Strandkrabbe und zahlreiche Schnecken, Fische, Insekten - insgesamt sind es etwa 10.000 verschiedene Arten. Die Herzmuschel zum Beispiel lebt normalerweise ein paar Zentimeter im Boden eingegraben. Möwen kommen an sie heran, indem sie auf dem weichen Boden herumtrappeln und die Muscheln so hochdrücken.

Das Wattenmeer bei Büsum © NDR

Nachhaltiger Tourismus im Büsumer Wattenmeer?

NDR Info - Infoprogramm -

Das Wattenmeer ist ein beliebtes Reiseziel für Touristen. Wattwanderungen haben einen besonderen Charme. Aber wie hoch ist die Belastung für das empfindliche Ökosystem?

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Ferien in der Natur sind lehrreich

In der Gruppe der Wattwanderer sind auch Marion und Tino Strauch aus dem Münsterland mit ihren beiden Kindern. Sie sind beeindruckt, wie viele verschiedene Tiere es im Watt gibt: "Sonst findet man ja immer nur die Hüllen von den Muscheln, aber hier sehen wir, wie eine echte Muschel aussieht, wenn sie noch eingegraben ist."

Ferien in der Natur sind der Familie wichtig. Die Strauchs finden es interessant, immer wieder verschiedene Lebensräume zu entdecken: "Bei uns gibt es das Moor und hier das Wattenmeer. Das wollen wir sehen und erleben und den Kindern nahe bringen."

Tourismus ist gleichzeitig eine Gefahr und eine Chance

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Bis zu 50 Millionen Menschen, davon zehn Millionen Urlauber und 40 Millionen Tagesgäste, besuchen jedes Jahr das Wattenmeer. Es erstreckt sich von der niederländischen Küste über Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein bis nach Dänemark. Der Tourismus in den Watt-Regionen ist ein riesiger Wirtschaftsfaktor. Der geschätzte jährliche Umsatz liegt bei insgesamt drei bis fünf Milliarden Euro.

Für Flora und Fauna sei der Tourismus eine Gefahr, aber auch eine Chance, sagt Hans-Ulrich Rösner, der Leiter des WWF-Wattenmeer-Büros: "Der Tourismus produziert viele Hotelbauten, er produziert viel Infrastruktur. Es fliegen Flugzeuge überall hin auf die Inseln, auf die kleinen Flugplätze, es gibt viel Verkehr mit Ausflugsschiffen. Das ist eine Gefahr. Auf der anderen Seite ist es so, dass die Tourismuswirtschaft im Wattenmeer ganz genau weiß, dass sie davon abhängt, dass hier eine intakte Natur herrscht." Deswegen arbeiteten Tourismusbranche und Naturschützer an vielen Stellen zusammen, erklärt Rösner.

Aufklärung der Urlauber ist wichtig

Konflikte bleiben aber nicht aus, sagt auch Malte Keller vom Nordsee-Tourismus-Service in Husum. Er nennt dafür das Beispiel Kite-Surfen. Erst nach längeren Diskussionen haben Sportler und Naturschützer Kompromisse gefunden. Kite-Surfen ist an der Küste in Schleswig-Holstein nur an bestimmten Stellen erlaubt, damit Vögel nicht gestört werden. Um die Natur zu schützen, müssen Urlauber aufgeklärt werden, sagt Keller: "Es muss Hinweise geben, dass sie zum Beispiel die Möwen nicht füttern sollen, dass sie ihre Hunde im Watt unbedingt angeleint halten sollen und dass sie nicht irgendwo durch Dünen oder Schutzzonen laufen."

Tourismus und Naturschutz müssen eine Einheit bilden

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Um das Wattenmeer zu schützen, müssen Tourismus und Naturschutz Hand in Hand arbeiten.

Die Gruppe im Watt vor Büsum beugt sich über einen Wattwurm. Nebenbei haben sie über die Gefahren von Plastikmüll für das Meer diskutiert. Auch Familie Strauch ist klar: "Nur, wenn wir uns an diese Regeln halten und den Müll nicht irgendwo hinwerfen, bleibt das Wattenmeer so, wie es ist. Wenn wir den Müll wegwerfen und Chemikalien wegkippen, dann würden wir auch die Lebewesen nicht mehr finden."

Und damit das nicht passiert, da sind sich WWF-Vertreter Rösner und Malte Keller vom Tourismus-Service einig, müssen Tourismus und Naturschutz auch weiterhin eng zusammenarbeiten.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 22.05.2017 | 06:38 Uhr

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