Stand: 16.09.2015 17:04 Uhr

Weiterbildung im Norden unterschiedlich gefragt

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Bundesweit gibt es deutliche Unterschiede bei der Nutzung von Weiterbildung. Das gilt auch für den Norden.

Bei der Nachfrage nach beruflicher Weiterbildung gibt es in Norddeutschland große Unterschiede. Das geht aus dem Deutschen Weiterbildungsatlas der Bertelsmann-Stiftung hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. In Deutschland bildet sich demnach jeder siebte Deutsche ab 25 Jahren mindestens einmal im Jahr beruflich fort (13,5 Prozent).

Geringes Interesse in Niedersachsen

Die Niedersachsen haben insgesamt ein eher geringes Interesse an Weiterbildung. Wie aus der Untersuchung der Bertelsmann Stiftung hervorgeht, nimmt dort nur jeder achte Bürger (12,1 Prozent) mindestens einmal pro Jahr an einer Weiterbildung teil. Niedersachsen liegt damit unter dem Bundesdurchschnitt und landet zusammen mit Bremen auf Platz 10 der 16 Bundesländer. Regional gibt es allerdings große Unterschiede. Während das Emsland eine Weiterbildungsquote von lediglich 6 Prozent hat und bundesweit Schlusslicht ist, liegt die Quote in Osnabrück bei 14 Prozent.

Negativer Trend in Mecklenburg-Vorpommern

Auch Mecklenburg-Vorpommern gehört zu den Schlusslichtern in Deutschland. Nur knapp jeder achte Beschäftigte (11,9 Prozent) nimmt demnach mindestens einmal pro Jahr an Kursen, Seminaren, Tagungen oder Privatunterricht teil. Nur in Sachsen-Anhalt und dem Saarland ist die Quote noch niedriger. Der grundsätzliche Trend bei der Weiterbildungsteilnahme ist in Mecklenburg-Vorpommern leicht negativ. Laut Studie nahm die Beteiligungsquote von 2007 bis 2012 um 1,6 Prozentpunkte ab.

Schleswig-Holstein über dem Bundesdurchschnitt

Anders sieht es in Schleswig-Holstein aus: Mit einer Quote von 14,5 Prozent liegt das nördlichste Bundesland über dem bundesweiten Durchschnitt. Fast jeder siebte Schleswig-Holsteiner nimmt mindestens einmal pro Jahr an einer Weiterbildung teil. Von den Menschen ohne berufsqualifizierenden Abschluss bildeten sich 7,9 Prozent fort, bundesweit seien es in dieser Gruppe nur 6,7 Prozent. Die Experten der Stiftung wiesen aber darauf hin, dass die Weiterbildungsbeteiligung in Schleswig-Holstein zwischen 2007 und 2012 um 1,7 Prozentpunkte gesunken sei.

Hamburg trotz guter Voraussetzungen nur Durchschnitt

Hamburg liegt mit einer Weiterbildungsquote von 13,5 Prozent im Bundesdurchschnitt. Überdurchschnittlich oft (7,7 Prozent) werden Weiterbildungsangebote von der Gruppe der Menschen ohne berufsqualifizierenden Abschluss genutzt. Allerdings konstatiert die Studie, dass es noch Luft nach oben gebe, da Hamburg seine guten strukturellen Voraussetzungen nicht ausnutzt. Im Gegenteil: Bei der Potenzialausschöpfung liegt die Hansestadt im Ländervergleich auf dem letzten Platz.

Qualifikation und Wirtschaftskraft ausschlaggebend

Eine Erkenntnis der Experten: Bei Geringqualifizierten liegt die Weiterbildungsquote deutlich niedriger als bei höher qualifizierten Menschen. Personen mit Ausbildungs- oder Hochschulabschluss haben mit 22,5 Prozent eine dreimal so hohe Quote bei der Weiterbildung wie Menschen ohne Abschluss (6,7 Prozent). Außerdem wirkt sich auch die Wirtschaftskraft vor Ort auf die Weiterbildungsteilnahme aus, wie die Wissenschaftler feststellten.

Erstmals auch Zahlen für Regionen erhoben

Die ersten drei Plätze des Weiterbildungsatlas belegen die wirtschaftsstarken Bundesländer Hessen (16 Prozent), Baden-Württemberg (15,7) und Bayern (14,8). Erstmals wurden nicht nur Weiterbildungsquoten für die einzelnen Bundesländer ermittelt, sondern auch für fast 100 Regionen in Deutschland. Basis der Studie sind Zahlen des Mikrozensus von 2007 bis 2012, bei dem pro Jahr rund 800.000 Deutsche befragt wurden.