Stand: 16.03.2016 19:17 Uhr

"Weisse Wölfe Terrorcrew": Polizei findet Waffen

Bei Razzien gegen den rechtsextremistischen Verein "Weisse Wölfe Terrorcrew" hat die Polizei auch in Norddeutschland Wohnungen durchsucht. Unter anderem gab es in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen Razzien. Wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Donnerstag in Berlin mitteilte, beschlagnahmten die Beamten Datenträger und Propagandamaterial. Sie fanden aber auch Waffen - wie Wurfsterne, eine Armbrust oder Kleinkaliberwaffen. Zuvor hatte de Maizière die Gruppe verboten.

In Mecklenburg-Vorpommern durchsuchten die Ermittler eine Wohnung im Wismarer Stadtteil Ost, wie ein Sprecher des Innenministeriums in Schwerin sagte. Die Aktion richtete sich gegen den sogenannten Leiter der Sektion Mecklenburg. Der Mann soll bereits seit 2010 Mitglied der Gruppe sein. Bei ihm wurde Propagandamaterial wie Flyer und T-Shirts beschlagnahmt. Mecklenburg-Vorpommerns

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) lobte das Verbot der rechtsextremistischen Organisation. "Die Demokratie muss wehrhaft sein und allen Angriffen gegen unsere freiheitliche demokratische Grundordnung entschieden entgegentreten", sagte Caffier.

Hintergrund
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Wer ist die "Weisse Wölfe Terrorcrew"?

Die "Weisse Wölfe Terrorcrew" hat ihren Schwerpunkt in Norddeutschland. Was steckt hinter der Gruppe? Mehr bei tagesschau.de. extern

"Schlag gegen Gewalttäter"

In Hamburg wurde eine Wohnung im Stadtteil Horn durchsucht, wie die Polizei bestätigte. Der Innensenator der Hansestadt, Andy Grote (SPD), nannte das Verbot des Vereins einen "erfolgreichen und wirkungsvollen Schlag gegen verfassungsfeindliche Gewalttäter". Das Verbotsverfahren sei maßgeblich von der Hamburger Innenbehörde mit vorbereitet worden. Grote erklärte: "Einmal mehr zeigt der Rechtsstaat klare Kante gegen jedwede Form extremistischer und krimineller Aktivitäten."

Ursprünge in Hamburg

Die Gruppierung hat ihre Ursprünge in Hamburg. Einer der Rädelsführer soll aus der Hansestadt kommen. Der harte Kern der Sektion Hamburg besteht aus zehn gewaltbereiten Neonazis, wie NDR 90,3 berichtete. Sie treten auf rechten Rock-Konzerten, Demonstrationen und NPD-Treffen auf und haben ein eigenes Logo auf ihren T-Shirts und Jacken. In Hamburg war die "Weisse Wölfe Terrorcrew" zuletzt im Juli 2014 auffällig geworden. In Harburg gab es ein bundesweites Treffen mit 17 aktiven Rechtsextremisten, die unter anderem aus Bayern, Niedersachsen, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt kamen. Im Februar 2014 griffen Neonazis der Gruppe in einem Schnellrestaurant am Hauptbahnhof Gäste an und skandierten "Sieg Heil"-Rufe.

"Neonazis, die aggressiv Hetze betreiben"

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Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat die "Weisse Wölfe Terrorcrew" veranlasst und Razzien angestoßen.

Laut Bundesinnenministerium handelt es sich bei der "Weisse Wölfe Terrorcrew" um eine "Vereinigung von Neonazis, die offen und aggressiv Hetze betreiben". Von Rechtsterrorismus könne jedoch noch nicht gesprochen werden, sagte de Maizière. Seinen Angaben zufolge will der Verein mit allen Mitteln eine Diktatur nach dem Vorbild des Nationalsozialismus errichten.

Bundesweit 50 Anhänger

Laut dem Verfassungsschutzbericht ist die neonazistische Gruppierung seit 2014 bundesweit aktiv. Insgesamt gehen die Behörden von 50 Anhängern aus. Seit etwa zwei Jahren konzentriert sich die Gruppe auf den Raum Berlin und Ostdeutschland. Ursprünglich verstand sich die "Terrorcrew" als Fangruppe der nordrhein-westfälischen Skinheadband "Weisse Wölfe". Bereits 2009 hatte die Polizei in mehreren Bundesländern Wohnungen von Mitgliedern der "Weisse Wölfe Terrorcrew" durchsucht. Den damals 23 Verdächtigen wurden unter anderem Verstöße gegen das Uniformverbot vorgeworfen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.03.2016 | 19:00 Uhr