Stand: 13.10.2017 18:11 Uhr

Viertklässler: Probleme in Deutsch und Mathe

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Für Grundschul-Lehrerinnen und -Lehrer gilt: In den Kernfächern Deutsch und Mathematik gibt es noch viel zu verbessern.

Deutschlands Viertklässler haben sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre in Mathematik, beim Zuhören und in Rechtschreibung verschlechtert. Das zeigt eine am Freitag veröffentliche Bildungsstudie: Im "IQB-Bildungstrend 2016" wurde zum zweiten Mal nach 2011 geprüft, inwieweit Schülerinnen und Schüler am Ende der 4. Jahrgangsstufe in den Fächern Deutsch und Mathematik die länderübergreifend vereinbarten Bildungsstandards erreichen. Rund 30.000 Schülerinnen und Schüler aus 1.500 Schulen nahmen an der Studie teil. Einziger Lichtblick: Die Lesekompetenz der Mädchen und Jungen ist auf ähnlichem Niveau geblieben wie 2011.

Grundschüler stehen vor einer Tafel und schreiben die richtigen Wörter unter entsprechende Bilder.

Studie: Grundschüler sind weniger leistungsfähig

Nordmagazin -

Eine Studie zeigt: Viertklässler können nicht mehr so gut lesen, schreiben, zuhören und rechnen wie noch vor fünf Jahren. Was sind die Ursachen für schlechten Lernergebnisse?

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Große Unterschiede beim Ländervergleich

Der Ländervergleich zeigt, dass die Leistungsunterschiede mitunter sehr groß sind. Ganz weit vorn liegen Bayern und Sachsen. Unter den norddeutschen Ländern schneidet Schleswig-Holstein durchweg am besten ab. Ein Beispiel: Beim Lesen kommt Schleswig-Holstein auf 69,7 Prozent. Dieser Wert liegt über dem bundesweiten Durchschnitt von knapp 66 Prozent. Auch Mecklenburg-Vorpommern liegt mit 66,4 Prozent noch über dem Mittelwert. Hamburg (65 Prozent) und Niedersachsen (63,6 Prozent) liegen hingegen unter dem Schnitt.

Tafel in einem Klassenzimmer. © picture alliance / ZB Fotograf: Patrick Pleul

Wie gut rechnen und schreiben Grundschüler?

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Damit Mathe für Grundschüler nicht zum Problem wird, müsste schon in der Vorschule mit dem Rechnen angefangen werden, empfehlen Bildungsexperten. Wie sieht die Realität aus?

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Mathematik: Jedes siebte Kind mit großen Problemen

Ein ähnliches Bild bietet sich für das Fach Mathematik: Bundesweit erreichen oder übertreffen gut 62 Prozent der Regelstandard, rund 15 Prozent verfehlen den Mindeststandard. Auffallend schlecht schneiden hier unter den norddeutschen Bundesländern Hamburg und Niedersachsen ab. Beide Länder kommen nur auf einen Wert von 57,7 Prozent. Nicht viel besser präsentiert sich Mecklenburg-Vorpommern mit 60,4 Prozent. Im Norden liegt nur Schleswig-Holstein (63,2 Prozent) über dem bundesweiten Schnitt.

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Studie: Hamburger Viertklässler belegen Platz 12

Bundesweit haben sich die Viertklässler in Deutsch und Mathe verschlechtert, nicht so sehr aber in Hamburg: Die Hansestadt klettert im Ranking. Der Schulsenator will gegen den Lehrermangel vorgehen. mehr

Hamburg: "Es gibt noch viel zu tun"

Für Hamburg gilt: Das Niveau der Viertklässler hat sich in den vergangenen fünf Jahren in Mathematik und beim Zuhören kaum verändert, dafür geht es beim Lesen bergauf. "Hamburg kann sich klar vom schlechten Bundestrend absetzen", sagte Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD). "Kein anderes Land hat den Bundestrend so deutlich überflügelt." Die Hansestadt habe sich im Vergleich zur Studie 2011 von Platz 14 auf Rang 12 vorgearbeitet. "Das sollte uns Mut machen, aber wir können und wollen noch weiter nach vorn kommen." Der Test zeige auch, wo noch viel zu tun sei.

Niedersachsen: Bei der Rechtschreibung hintenan

Niedersachsens Viertklässler haben große Probleme mit der Rechtschreibung. Im bundesweiten Vergleich erzielten die Mädchen und Jungen in diesem Bereich nach Bremen und Berlin besonders ungünstige Ergebnisse. Nur 45,7 Prozent erreichten den Regelstandard. Im Zuhören erzielten dagegen über 68 Prozent der Schüler den Regelstandard.

Mädchen gut in Deutsch, Jungen eher in Mathe

Was sich wie ein Klischee anhört, ist Realität: In der Grundschule glänzen eher die Mädchen in Deutsch, während die Jungen in Mathematik vorne liegen. Der Studie zufolge hängen Mädchen die Jungs vor allem bei der Rechtschreibung ab. Aber auch beim Lesen und Zuhören sind sie in der Regel besser. Im Fach Mathematik sieht es genau andersherum aus: Hier liegen die Jungen mit großem Abstand vor den Mädchen. Dies gilt für alle Bundesländer. Besonders groß fallen die geschlechtsbezogenen Unterschiede unter anderem in Hamburg auf, eher gering in Schleswig-Holstein.

Mecklenburg-Vorpommern: Zusätzliche Deutschstunde soll helfen

Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) sagte, die Studie weise nach, worauf Grundschullehrer bereits in einer Umfrage im vergangenen Jahr aufmerksam machten: "Schüler benötigen mehr Übungszeit, um ihre Rechtschreibleistungen zu verbessern. Diese erhalten sie durch die zusätzliche Deutschstunde, die wir mit Beginn dieses Schuljahres eingeführt haben." Auch die Arbeit mit dem Mindestwortschatz solle zu besserer Rechtschreibung beitragen, sagte Hesse.

Schleswig-Holstein plant bessere Sprachförderung für Grundschüler

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) betonte, ihr Land stemme sich in einigen Bereichen erfolgreich gegen den Bundestrend, besonders im Bereich Lesen. "Aber die Herausforderungen für Schleswig-Holstein sind groß, insbesondere in den Bereichen Rechtschreibung und Mathematik - und da werden wir als Landesregierung die notwendigen Maßnahmen ergreifen." Dazu zähle etwa eine Verbesserung der Unterrichtsqualität und die Sprachförderung in den Grundschulen, sagte Prien.

Mehr Kinder aus Flüchtlingsfamilien

Die Studie wurde im Auftrag der Kultusminister der Länder vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Humboldt-Universität zu Berlin erstellt. Seit der Vorgängererhebung 2011 hat sich die Zusammensetzung der Schülerschaft verändert. Der Anteil der Viertklässler mit Migrationshintergrund hat sich bundesweit durch den Flüchtlingszuzug auf 34 Prozent erhöht. Die Präsidentin der Kultusminister-Konferenz, Susanne Eisenmann, sagte am Freitag, die heterogene Schülerschaft stelle die Länder vor große Herausforderungen. "Die Ergebnisse der Studie zeigen einen bundesweiten Handlungsbedarf bei der Förderung in den Kernfächern Deutsch und Mathematik." Dies gilt auch für Kinder aus Familien, die aus dem Ausland stammen. Denn im Fach Deutsch bestehen deutliche Nachteile für Kinder aus zugewanderten Familien, die im Bereich Zuhören am größten und im Bereich Rechtschreibung am kleinsten sind. Auch das zeigt die Studie.

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NDR Info | 13.10.2017 | 12:15 Uhr

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