Stand: 15.11.2015 14:31 Uhr

"Unser Herz schlägt für Paris"

Die Terroranschläge von Paris erschüttern Frankreich und ganz Europa. Nach jüngsten offiziellen Angaben kamen dabei mindestens 129 Menschen ums Leben, 352 wurden zum Teil schwer verletzt. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" bekannte sich zu den Attacken. Traurig, aber auch trotzig und entschlossen nehmen die Deutschen Anteil am Leid im Nachbarland. Norddeutsche Spitzenpolitiker und Kirchenvertreter verurteilten die Anschläge.

  • Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, warnte nach den Angriffen in Paris vor einer politischen Überreaktion. Die Geschehnisse dürften nicht für einen Generalverdacht gegen Flüchtlinge oder Muslime herhalten. "Wichtig ist doch jetzt, dass wir wirklich alle einen kühlen Kopf bewahren", betonte die aus Hamburg stammende SPD-Politikerin im Gespräch mit NDR 90,3. "Die Flüchtlinge sind doch diejenigen, die gerade vor diesem Terror fliehen."

  • Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bekundete sein Mitgefühl mit den Franzosen. Im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen erklärte er: "Ich bin wie alle tief betroffen von dem Terror, der in Paris wieder gewütet hat." Alle wüssten, dass der Terror keine Grenzen kenne und Sicherheit nie zu 100 Prozent garantiert werden könne.

  • "Das waren feige Anschläge mit Sprengstoff, Maschinengewehren und Handgranaten, eine unbegreifliche Massen-Exekution von unschuldigen Menschen", sagte Boris Pistorius (SPD), der Innenminister Niedersachsens. "Die Opfer waren willkürlich ausgewählt, alle wurden blindwütig ermordet."

  • Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschef Erwin Sellering (SPD) sprach mit NDR 1 Radio MV: "Ich führe im Moment viele Diskussionen über die vielen Flüchtlinge, die zu uns kommen. Dieser Anschlag in Paris, das ist ja ein barbarischer, unmenschlicher Gewaltakt. Das ist etwas, wie ihn viele der Menschen, die jetzt zu uns fliehen, in ihrer Heimat eben häufig erlebt haben und wovor sie dann bei uns Schutz suchen. Menschen, die wirklich in ihrer Heimat Schlimmstes erlebt haben und Schlimmstes befürchten müssen. Deshalb glaube ich, dass dieser Anschlag uns noch einmal dazu bringen sollte zu sagen: Ja, denen müssen wir tatsächlich Schutz gewähren und denen müssen wir helfen."

  • Lorenz Caffier, CDU-Landeschef und Innenminister in Mecklenburg-Vorpommern, sagte im Gespräch mit NDR 1 Radio MV: "Es ist ein ganz, ganz trauriger Tag, nicht nur für Paris, für Frankreich, ich glaube, für uns alle in Europa ... Wir stellen fest, dass die Auseinandersetzungen eben nicht mehr weit weg sind, sondern unmittelbar vor der Haustür."

  • Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) sagte: "Ich bin tief erschüttert über die Anschläge in Paris, bei denen ganz offensichtlich einige Wahnsinnige so viele unschuldige Menschen getötet haben. Mir fehlt die Vorstellungskraft, warum einige wenige so etwas tun und uns ihren Weg des Grauens und des Mordens aufzwingen wollen." Man müsse sich dem klar entgegenstellen und sich auch gegen Ängste wehren. "Die Menschen, die zu uns kommen, sind nicht die, die töten", betonte Albig. "Diejenigen, die zu uns kommen, fliehen vor diesen Mördern."

  • Auf Twitter rief Schleswig-Holsteins SPD-Landeschef Ralf Stegner dazu auf, die Freiheit zu verteidigen. "Furchtbare Terroranschläge von Paris mahnen dazu, dass es absolute Sicherheit nicht gibt. 'Mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Menschlichkeit', sagte Jens Stoltenberg nach dem Grauen von Utoya - das gilt auch heute!"

  • "Das hat nichts mehr mit Glauben zu tun, das ist einfach krank", sagte der schleswig-holsteinische FDP-Landtagsfraktionschef Wolfgang Kubicki in Neumünster am Rande eines Landesparteitags. "Ich frage mich, was in Menschen vorgeht, die sich mit 20 oder 21 Jahren in die Luft sprengen." Er empfinde Trauer, aber auch Wut. "Ich habe aber auch die Gewissheit, dass Europa zusammenstehen wird."

  • Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) sagte: "Diese abscheulichen Terrorakte richten sich gegen die Demokratie, gegen die Freiheit und gegen unsere Art zu leben. Wir werden Demokratie, Freiheit und unsere Art zu leben verteidigen und stehen fest an der Seite unserer französischen Freunde." Der SPD-Vize ist auch Bevollmächtigter für die kulturelle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich. "Wir trauern um die vielen Toten und sind mit unseren Gedanken bei den vielen Verletzen und den Angehörigen der Opfer", ergänzte Scholz. "Ihnen gilt unser tiefes Mitgefühl."

  • "Anschläge auf das Herz der freien und zivilisierten Gesellschaft" nannte Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) die Attacken. "Aber dieses Herz schlägt dadurch nur noch lauter, und heute schlägt es auch bei uns in Hamburg nur für Paris", erklärte Fegebank.

  • Hamburgs Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD) teilte über die Facebook-Seite der Bürgerschaft mit: "Ich bin tief erschüttert und entsetzt über den Hass, die Menschenfeindlichkeit und den unsäglichen Terror." Die Gedanken seien bei den Opfern. "Wir werden uns diesem Terrorismus niemals beugen, sondern unsere Freiheit und Demokratie verteidigen. Sorgen wir dafür, dass Menschlichkeit siegt."

  • Die Fraktionschefin der Hamburger FDP, Katja Suding, erklärte: "Die offene Gesellschaft, die Respekt vor Ressentiment und größtmögliche Freiheit vor absolute Sicherheit stellt, wird sich ihre Werte nicht von fanatischen Mördern nehmen lassen."

  • Der Schweriner Landesbischof Gerhard Ulrich warnte davor, die Anschläge zur Hetze gegen Flüchtlinge und Muslime zu missbrauchen. "Die Stimme des Friedens und der Barmherzigkeit darf nicht verstummen." Terror sei weder mit dem Islam noch mit Religion überhaupt zu rechtfertigen. "Wir sind erschüttert und nehmen Anteil an der Trauer der Menschen in unserem Nachbarland."

  • Auch Ralf Meister, der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, mahnte, der nötige Kampf gegen den Terror dürfe nicht auf dem Rücken der Flüchtlinge ausgetragen werden. "Sie fliehen vor denselben Mördern, die in Paris die Attentate verübt habe", sagte der Geistliche. Er sei davon überzeugt, dass die muslimischen Verbände und die christlichen Kirchen ihren Dialog auf allen Ebenen verstärken müssten, um der IS-Ideologie entgegenzutreten. "Denn in keiner Religion haben Gewalt und Terror einen legitimen Platz."

  • Der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle entzündete im Dom eine Kerze für jedes Opfer. "Wenn uns die Worte fehlen, müssen wir Symbole sprechen lassen", sagte er.

  • "Diese Anschläge sind Ausdruck hasserfüllter Brutalität, sie sind menschenverachtend und zutiefst böse", sagte Hamburgs Bischöfin Kirsten Fehrs. "Unsere ganze Gesellschaft muss diesem Hass entgegentreten."

  • Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, warnte nach den Angriffen in Paris vor einer politischen Überreaktion. Die SPD-Politikerin aus Hamburg sagte zu NDR 90,3, dass die Geschehnisse in Frankreich nicht für einen Generalverdacht gegen alle Flüchtlinge oder womöglich gegen alle Muslime herhalten dürften. "Wichtig ist doch jetzt, dass wir wirklich alle einen kühlen Kopf bewahren. Die Flüchtlinge sind doch diejenigen, die gerade vor diesem Terror fliehen."

  • Der Französische Generalkonsul in Hamburg, Serge Lavroff, sagte: "Das, was wir in Paris erlebt haben, ist ein Krieg ohne Grenze, ein Krieg ohne Gnade."

  • Mustafa Yoldas, Sprecher der Konferenz Islamischer Landesverbände (KILV): "Auch wenn sich die Attentäter und ihre Hintermänner und Sympathisanten wieder auf den Islam berufen, für die überwältigende Mehrheit der Muslime sind sie unser gemeinsamer Feind." Die Anschlagsserie in Paris zeige, dass es sich beim Terror des IS um ein globales Phänomen handele, das Europa genauso betreffe wie den Nahen Osten.

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Trauer um Anschlagsopfer auch in Hamburg

Hamburgs Innenbehörde: "Stündliche Lagebeurteilung"

Laut der Hamburger Innenbehörde sind zurzeit keine Auswirkungen auf die Sicherheitslage in der Stadt absehbar. Innensenator Michael Neumann (SPD) bekräftigte im Gespräch mit NDR 90,3, dass es keine Hinweise auf eine Bedrohung in Deutschland oder Hamburg gebe. "Aber wir sind natürlich hellwach und beobachten die Lage." Der Deutschen Presse-Agentur sagte er, man sei in engem Austausch mit dem Bund und den anderen Ländern. "Über die ohnehin ja vorhandene Polizeipräsenz hinaus ergreifen wir zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Maßnahmen - aber das unterliegt einer stündlichen Lagebeurteilung." Der Flugverkehr am Airport Hamburg läuft derzeit ohne Einschränkungen wegen der Anschläge. Flüge von und nach Paris starten und landen.

LKA Niedersachsen rechnet mit verstärkten Sicherheitsmaßnahmen

Nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) Niedersachsen ist noch unklar, wie mit der neuen Situation umzugehen ist. Allerdings sei davon auszugehen, dass die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt werden, sagte ein LKA-Sprecher gegenüber NDR.de. Auch dort gebe es keine konkreten Hinweise auf Anschläge. Die Gefährdungslage gelte weiterhin als "abstrakt hoch".

Caffier: "Flüchtlinge nicht unter Generalverdacht stellen"

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IS-Terrorist Abaaoud tot

Der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge von Paris, Abdelhamid Abaaoud, ist der französischen Staatsanwaltschaft zufolge bei dem Einsatz in Saint-Denis getötet worden. Mehr bei tagesschau.de. extern

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) betonte in einer Mitteilung, es gebe aktuell kein Bedrohungsszenario für sein Bundesland. "Unsere Sicherheitsbehörden sind sensibilisiert und stehen im engen Kontakt mit den anderen Ländern und dem Bund", schrieb Caffier. Zugleich warnte er davor, die nach Deutschland kommenden Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen. "Viele von ihnen sind gerade vor diesem islamistischen Terror geflohen." Als Zeichen der Anteilnahme mit den Opfern der Anschläge wurde für die Dienstgebäude in Mecklenburg-Vorpommern Trauerbeflaggung angeordnet, wie Caffier mitteilte.

In Rostock versammelten sich mehrere Hundert Menschen zu einer Demonstration gegen Extremismus und Fremdenfeindlichkeit. In der Marienkirche gedachten rund 350 Menschen der Opfer von Paris.

Schleswig-Holsteins Polizei reagiert

Wie seinen drei norddeutschen Länderkollegen liegen auch Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt (SPD) keine akuten Hinweise auf Anschlagspläne in Deutschland vor. Allerdings: "Polizeiliche Präsenzmaßnahmen sowie Maßnahmen des Staatsschutzes sind angepasst worden", erklärte er am Sonnabendnachmittag. Erkenntnisse über eine organisierte und strukturierte Tätergruppe wie die in Paris hätten die Behörden für Schleswig-Holstein derzeit nicht.

Solidaritätsdemo in Hannover

Zu einer Solidaritätskundgebung kamen am Samstagabend in Hannover rund 150 Franzosen und Deutsche zusammen. Sie zündeten Kerzen an und legten Rosen auf die Treppen vorm Opernhaus. Mit Tränen in den Augen umarmten sich die Menschen. Viele hielten Blätter in den Händen, auf denen es hieß: "Je suis Paris" - in Anlehnung an die Trauer nach dem Anschlag auf die französische Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" Anfang des Jahres.

Am französischen Generalkonsulat in Hamburg bekundeten am Sonnabend viele spontan ihr Beileid. Für den kommenden Mittwoch ist in der Hansestadt eine weitere Solidaritätsdemo geplant.

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