Stand: 07.01.2016 07:21 Uhr

Tausende Kraniche fliehen vor der Kälte

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Nun ist es ihnen doch zu kalt: Die Kraniche ziehen in den Süden (Archivbild).

Angesichts des Wintereinbruchs in Nord- und Ostdeutschland fliehen derzeit Tausende Kraniche in Richtung Süden. Die Gewässer sind vereist, der Boden gefroren und mit Schnee bedeckt - die Vögel gelangen nicht mehr an ausreichend Nahrung. Auch fehlten geschützte Plätze zum Übernachten, sagte der Leiter des Kranich-Informationszentrums, Günter Nowald, in Groß Mohrdorf bei Stralsund. 

Wegen des milden Wetters im Dezember verharrten bislang mehr als 10.000 Kraniche in Deutschland, darunter auch in der Diepholzer Moorniederung in Niedersachsen. Kleinere Schwärme blieben auch in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Kranich-Informationszentrum

Lindenstr. 27
18445 Groß Mohrdorf
Tel. (038323) 805 40

Öffnungszeiten
auf der Website des Kranich-Informationszentrums

Eintritt
frei

In Frankreich überwintern

Der Frost hätte aber nun Tausende Kraniche veranlasst, in Richtung Frankreich zu fliegen, sagte Nowald. In den vergangenen Tagen seien täglich viele Zugtrupps mit teils Hunderten Vögeln über Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz in Richtung Süd bis Südwest gezogen. Frankreich und Spanien sind die traditionellen Überwinterungsplätze der Kraniche. Im Frühjahr kehren sie dann zurück.

Rotmilane und Silberreiher bleiben

Einzelne Kraniche trotzen jedoch weiterhin der Kälte, wie der Vorsitzende der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Mecklenburg-Vorpommern, Klaus-Dieter Feige, sagte. Sie harren in der Nähe ihrer Brutplätze aus. Nahrung finden die Vögel auf nicht komplett abgeernteten Maisfeldern. Auch einzelne Rotmilane und sogar mediterrane Silberreiher seien noch in Mecklenburg-Vorpommern gesichtet worden.

Vögel stimulieren sich untereinander zur Kälteflucht, wie Feige erläuterte. Auch Wildgänse weichen den kalten Temperaturen aus. Nordische Gänse wie Bless- und Saatgänse, die sich bislang Mecklenburg-Vorpommern als Winterquartier ausgesucht hatten, ziehen bis Holland weiter, sagte Feige. Sie könnten 24 Stunden ohne Pause fliegen. Andere Wintergäste blieben - etwa Bergfinken aus Finnland und Karelien, die in den Wäldern reichlich Bucheckern finden. Auch seien viele Gimpel und Tannenmeisen zu sehen. Seidenschwänze, in anderen Wintern oft massenhaft zu beobachten, seien hingegen selten. Es scheine in Osteuropa noch Nahrungsreserven zu geben, sagte Feige.

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