Stand: 06.10.2017 07:00 Uhr

Sturm "Xavier": Drei Tote im Norden

Das Sturmtief "Xavier" hat am Donnerstag in Norddeutschland drei Menschen das Leben gekostet. Im Hamburger Stadtteil Horn starb eine 54-Jährige, als ein Baum auf das Auto fiel, in dem sie saß. Eine weitere Fahrzeuginsassin sei schwer verletzt worden, teilte die Polizei mit. Mindestens zehn weitere Menschen seien in Hamburg verletzt worden. In Mecklenburg-Vorpommern wurde ein 51 Jahre alter Lastwagenfahrer auf der Bundesstraße 191 in Neu-Karstädt bei Ludwigslust in seinem Fahrzeug von einem umstürzenden Baum erschlagen. Am Donnerstagabend wurde im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte ein Autofahrer leblos neben seinem Wagen gefunden. Nach Angaben aus der Rettungsleitstelle starb er wahrscheinlich an einem Herzinfarkt, als vor ihm ein Baum auf die Straße stürzte.

Chaos im Bahnverkehr

Der Sturm sorgt zudem auf den Gleisen für Chaos. Ursache sind in den meisten Fällen auf die Schienen oder in die Oberleitungen gewehte Bäume. Der Bahnverkehr in Mecklenburg-Vorpommern lag bis in die Nacht hinein komplett lahm. Am Nachmittag hatte die Bahn zeitweise auch den Verkehr in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg eingestellt. Über aktuelle sturmbedingte Ausfälle von Fernverkehrsverbindungen informiert die Deutsche Bahn auf ihrer Webseite. Bei den privaten Bahngesellschaften Metronom und Erixx ging am Donnerstagabend in Niedersachsen nichts mehr. Fahrgäste müssen sich nach Unternehmensangaben auch am Freitag noch auf erhebliche Behinderungen einstellen. Auf Strecken wie Hamburg-Cuxhaven und Lüneburg-Dannenberg könnten erst am Mittag die ersten Züge wieder rollen, hieß es. Probleme gab es am Donnerstagnachmittag auch im Hamburger U-Bahnverkehr, die S-Bahn stellte den Verkehr zwischenzeitlich ein.

Noch ist unklar, wann der Fernzugverkehr wieder planmäßig verläuft. Hunderte Reisende strandeten in verschiedenen norddeutschen Bahnhöfen. Für sie stellte die Deutsche Bahn leere IC- und ICE-Züge zur Übernachtung bereit. Zusätzlich wurde versucht, dass Reisende auch in Hotels unterkommen, wie eine Bahnsprecherin erklärte. In Bad Bentheim brachten Feuerwehr und Rotes Kreuz Hunderte Fahrgäste in eine Sporthalle, die zur Notunterkunft umfunktioniert wurde. Auch in Ludwigslust und beim nahe gelegenen Dorf Pritzier blieben Züge liegen.

"Xavier" richtet schwere Schäden an

Böen bis 113 Stundenkilometer

Unwetterwarnungen für den Norden wurden am späten Nachmittag aufgehoben. Zuvor hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) für ganz Niedersachsen, Hamburg und Teile von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern vor Sturm mit orkanartigen Böen gewarnt. Zwischen 13 und 15 Uhr habe der Sturm am heftigsten gewütet, so der DWD. In Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern wurden nach Einschätzung der Meteorologen Böen in Windstärke 11, in Schleswig-Holstein mit Windstärke 10 erreicht. Die Spitzengeschwindigkeit von 113 Stundenkilometern wurde an der Messstation Ruthenstrom an der Elbe gemessen.

Laub bietet viel Angriffsfläche für Wind

Kent Heinemann vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation hatte zuvor vor einem sprunghaften Anschwellen des Windes gewarnt. Das mache ihn so gefährlich. "Weil die Bäume noch viel Laub tragen, bietet sich dem Wind eine große Angriffsfläche."

Zudem gab es teils heftigen Dauerregen. In Rendsburg fielen laut DWD innerhalb von 24 Stunden 61 Liter Regen pro Quadratmeter. Auch in Kiel kam viel Wasser vom Himmel. Dort seien es 52 Liter pro Quadratmeter gewesen, in der Hamburger City rund 20 Liter.

Fährverkehr zu Nordseeinseln eingeschränkt

An der Küste ist der Fährverkehr von und zu den Ostfriesischen Inseln eingeschränkt. Wegen erwarteter hoher Wasserstände wurden bereits mehrere Verbindungen nach Wangerooge abgesagt. Auch die Fähre zwischen Cuxhaven und Neuwerk verkehrt am Freitag nicht.

An den Flughäfen Bremen und Hannover fielen am Donnerstag Flüge aus. In Hamburg mussten Flugreisende ebenfalls Einschränkungen hinnehmen. Wegen des Sturms kam es zu vereinzelten Verspätungen bei den Flügen beziehungsweise bei der Abfertigung. Die Sperrung der S-Bahn behinderte die Anreise zum Airport.

02:00

"Xavier" tobt an Niedersachsens Küste

05.10.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
01:34

Sturmböen richten zahlreiche Schäden an

05.10.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Zahlreiche Feuerwehreinsätze

Im Braunschweiger Hafen wurde ein Mensch von einem schweren herabstürzenden Gegenstand schwer verletzt. Im Kreis Diepholz musste eine 25 Jahre alte Autofahrerin von der Feuerwehr aus ihrem Fahrzeug befreit werden. Auch sie erlitt schwere Verletzungen. Andernorts stürzten Bäume auf Autos, zumeist blieb es bei dem Sturm bei Sachschäden in noch nicht abschätzbarer Höhe. Auf der Autobahn 31 kippte ein Lkw-Anhänger bei voller Fahrt um. Die Strecke wurde zwischen Bunde und Papenburg vorübergehend voll gesperrt. In Hannover meldete die Feuerwehr Notlagen wegen umgestürzter Bäume auf Straßen und abgerissener Dachverkleidungen, ein Ast durchschlug die Windschutzscheibe eines fahrenden Autos. In Werlte bei Osnabrück krachte ein Autofahrer in einen umgestürzten Baum. In Wilhelmshaven kippte ein circa 1.000 Tonnen schwerer Kohlelöschkran ins Hafenbecken. Im schleswig-holsteinischen Kreis Dithmarschen und der näheren Umgebung musste die Feuerwehr nach eigenen Angaben 600 Mal ausrücken. Keller stünden unter Wasser, Bäume seien auf Straßen gefallen. Personen seien aber nicht zu Schaden gekommen.

In Mecklenburg-Vorpommern ließ "Xavier" vor allem in den Kreisen Ludwigslust-Parchim und Westmecklenburg sowie in Schwerin unzählige Bäume umknicken und fegte Ziegel von den Dächern. Die Hamburger Feuerwehr teilte mit, es habe mehr als 700 sturmbedingte Einsätze in nur zwei Stunden gegeben. Bis zum Abend wuchs die Zahl auf etwa 1.200. Dutzende Notrufe gingen ein. Die Feuerwehr hatte zwischenzeitlich davor gewarnt, sich im Freien aufzuhalten. Erstmals wurde eine solche Warnung für das gesamte Stadtgebiet ausgegeben.

Polare Kaltluft im Anmarsch

Das Tief "Xavier" zog am Nachmittag weiter in Richtung Polen. Nun gelangt Deutschland unter den Einfluss polarer Kaltluft. Der Rest der Woche gestaltet sich entsprechend wechselhaft und kühl. Der Wind spielt dann laut DWD aber keine große Rolle mehr. Ein goldener Oktober ist weiterhin nicht in Sicht.

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NDR//Aktuell | 05.10.2017 | 21:45 Uhr

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