Stand: 10.06.2017 12:55 Uhr

Studie: Norden verschläft den Strukturwandel

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HWWI-Geschäftstführer Henning Vöpel sieht die wirtschaftliche Dynamik für den Norden kritisch.

Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) warnt davor, dass Norddeutschland wirtschaftlich gegenüber dem Süden Deutschlands weiter zurückfällt. In einer Studie heißt es, der Norden drohe den Anschluss zu verlieren. Gegenwärtig befinde sich die Wirtschaft im Umbruch. Notwendig sei eine Strategie für den digitalen Wandel, so die Autoren Henning Vöpel (HWWI-Geschäftsführer) und André Wolf. "Drei große Trends werden die wirtschaftliche Dynamik in den Regionen maßgeblich bestimmen: die digitale Transformation, der demografische Wandel und die geopolitischen Verschiebungen der Handelsbeziehungen", schreiben sie. Zum Norden rechnen die Wissenschaftler Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen.

Internationale Entwicklungen beeinflussen Norddeutschland besonders

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Bis auf Hamburg glänzt der Norden nicht mit innovativen Neugründungen.

Der Norden mit seiner Industrie ist von der Lage zwischen zwei Meeren und an großen Flüssen gekennzeichnet. Die Branchenstruktur sei daher speziell. Handel und Dienstleistungen sind laut Studie besonders stark ausgebildet - vor allem in Hamburg. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein sei auch die Landwirtschaft stark. Doch Handel und Logistik drohten im Zuge der Digitalisierung ihre Rolle als Wachstumstreiber zu verlieren. Aufgrund der traditionell außenwirtschaftlich starken Verflechtungen habe die Region bisher besonders von der Globalisierung profitiert. Allerdings seien die Stadtstaaten ebenso stark von strukturellen globalen Verschiebungen betroffen, schreiben die Wirtschaftswissenschaftler. Brexit, die Gefahr von protektionistischen Importzöllen und Handelskriegen sowie Währungsmanipulationen hätten die Handelskosten für den Mittelstand erhöht.

Neue Talente als Schlüssel

Während Bayern und Baden-Württemberg ihren Anteil an der Wirtschaftsleistung der alten Länder seit Jahrzehnten kontinuierlich ausbauen konnten, stagnierte der Norden oder fiel sogar zurück. Dies sei ein Zeichen, dass etwas geschehen müsse. Demografisch unterscheide sich die Region nicht vom Rest der Republik. Die vergleichsweise wenigen jungen Menschen, die hier leben, zeigten jedoch, dass die Region auf Zuzug angewiesen sei. Talente und deren Ideen würden der Schlüssel für Wachstum und Entwicklung sein, "denn der Wandel zu einer Wissensökonomie wird insbesondere mit Blick auf die Digitalisierung weiter zunehmen." Alle norddeutschen Länder liegen bei der Zahl der Patentanmeldungen weit hinter Süddeutschland.

Ausgaben für Forschung und Entwicklung zu niedrig

Hamburg sei immerhin mit vielen Hochschulabsolventen und Gründern gut aufgestellt. Die Niedersachsen hingegen sind demnach am wenigsten innovativ. Mit Blick auf die Entwicklung digitaler Technologien seien Orte wie München, Karlsruhe oder Berlin in Führung gegangen. "Voraussetzung dafür ist neben guter Ausbildung auch eine ausreichende Investitionsbereitschaft im Hinblick auf Forschung und Entwicklung. Norddeutschland zeigt hier im Vergleich zu den süddeutschen Ländern noch einiges an Nachholbedarf."

Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit würden zwischen den Regionen neu verteilt werden, erklären die Autoren. Nun komme es beim Strukturwandel auf Geschwindigkeit an. Der Norden müsse Innovationen fördern und schlüssig in neue Ideen investieren.

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NDR Info | Aktuell | 10.06.2017 | 09:45 Uhr

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