Stand: 05.09.2017 14:42 Uhr

Umweltsünder? Meyer Werft und AIDA widersprechen

Umweltfreundliches Reisen auf einem Kreuzfahrtschiff bleibt vorerst wohl eine Illusion. Trotz vollmundiger Ankündigungen einiger Reedereien ist laut dem NABU-Kreuzfahrtranking 2017 weiterhin kein einziges Kreuzfahrtschiff in Europa aus Umweltsicht uneingeschränkt empfehlenswert. Am besten schneiden noch die beiden deutschen Anbieter TUI und Hapag-Lloyd Cruises ab, die laut NABU immerhin einen Katalysator für Stickoxide verwenden. Das gelte bei der "Mein Schiff"-Flotte aber nur für die modernen Schiffe 3, 4, 5 und 6 - die alten Modelle 1 und 2 landen im Ranking ganz hinten.

Die "World Dream" wird von Schleppern aus der Montagehalle gezogen.  Fotograf: Yannes Kuhlmann

Umweltsünderin "World Dream"?

Kreuzfahrten stehen wegen ihrer Umweltbilanz in der Kritik. Sind die Riesenschiffe so schlimm wie ihr Ruf? NDR.de hat die Fakten zur neuen "World Dream" zusammengetragen.

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Meyer Werft spricht von "zugespitzter Kampagne"

Die Papenburger Meyer Werft hält die Kritik des NABU für übertrieben. Das sei eine zugespitzte Kampagne, sagte Werftsprecher Peter Hackmann NDR 1 Niedersachsen. Die Werft produziere, was die Reedereien bestellen, und je nach Einsatzgebiet seien die gesetzlichen Vorschriften nun mal unterschiedlich. In der Nord- und Ostsee, wo strengere Regeln gelten, würden die Schiffe der Meyer Werft bereits mit dem teureren Kerosin und nicht mit Schweröl fahren. Hackmann wies zudem darauf hin, dass von den rund 10.000 großen Schiffen weltweit nur 350 Kreuzfahrtschiffe seien. "Unabhängig davon liegt die Zukunft aber beim deutlich umweltfreundlicheren Flüssiggasantrieb", sagte Hackmann. Die Nachfrage danach steige deutlich an. Mit zwölf beauftragten beziehungsweise im Bau befindlichen Flüssiggasschiffen sei die Meyer Werft führend.

Kritik an Branchenriesen

Der NABU hatte bemängelt, dass alle Reedereien weiterhin auf Schweröl als Kraftstoff setzen und keinen Rußpartikelfilter zur Minderung gesundheitsgefährdender Feinstaub-Emissionen einsetzen würden. Insbesondere die Branchenriesen Costa, MSC und Royal Caribbean würden keinerlei Aktivitäten zum Schutz von Umwelt und Gesundheit erkennen lassen.

Die Liste der Umweltsünder
1 MB

NABU-Ranking der Kreuzfahrtriesen

Der NABU hat Kreuzfahrtschiffe verschiedener Reedereien nach ihrer Umwelt- und Gesundheitsbelastung bewertet. Hier finden Sie das gesamte Ranking zum Download. Download (1 MB)

NABU von AIDA enttäuscht

"Die Umweltbilanz der Kreuzfahrtreeder ist insgesamt weiterhin schlecht", sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Zurückgefallen im neuen Kreuzfahrtranking sind vor allem die Reedereien AIDA und Costa Cruises. Ihre Angaben zu Abgassystemen aus dem vergangenen Jahr hätten sich als Luftnummer erwiesen, heißt es beim NABU. "Enttäuschend ist aber auch die Unverfrorenheit, mit der beispielsweise AIDA Cruises medienwirksam Investitionen in Abgassysteme ankündigt, ohne diese dann umzusetzen." So sei auch über ein Jahr nach Indienststellung der neuen Schiffsgeneration bei der "AIDAprima" kein Abgasfilter im Einsatz. Dem widerspricht AIDA vehement. Da, wo es rechtlich möglich sei, würden die Systeme eingesetzt, teilte die Reederei schriftlich mit. Die "AIDAprima" hatte das NABU-Kreuzfahrtranking im vergangenen Jahr noch angeführt.

NABU spricht von Verschleierungstaktik

Der NABU bezeichnete es als symbolträchtig, dass keine einzige Kreuzfahrtreederei auf schriftliche Fragebögen geantwortet habe. Stattdessen habe der Branchenverband Cruise Lines International Association (CLIA) lediglich ein allgemein gehaltenes Schreiben verschickt, dass keinerlei Rückschlüsse auf die einzelnen Schiffe erlaube. Dieses Verhalten sei eine bewusste Verschleierungstaktik mit dem Ziel, sich durch Intransparenz und Dialogverweigerung aus der Verantwortung zu ziehen.

Diesen Vorwurf weist die CLIA, die ihren Sitz im Hamburg hat, ausdrücklich zurück. Auf ihrer Internetseite gebe es eine Tabelle mit allen Daten zur Umwelt, teilte die Vereinigung mit.Sie bemängelt zudem, dass das NABU-Ranking die bereits eingebauten Filtersysteme ignoriere. Noch bessere Filter, die auch ultrakleine Partikel im Abgas eliminieren, seien nicht auf dem Markt. Von daher laufe die Forderung des NABU ins Leere, so die CLIA.

Flüssiggas-Schiffe als Hoffnungsschimmer

Aus Sicht des NABU ist eine leichte Besserung erst in Sicht, wenn 2018 die ersten mit Flüssiggas (LNG) betriebenen Schiffe in See stechen sollen. Ihr Luftschadstoffausstoß ist deutlich geringer als bei Schiffen, die mit Schweröl und Marinediesel betrieben werden. Der NABU weist allerdings darauf hin, dass dies nur Neubauten betrifft. Der weitaus größte Teil der Kreuzfahrt-Flotte werde weiterhin mit herkömmlichen Kraftstoffen unterwegs sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.09.2017 | 12:00 Uhr

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