Stand: 30.07.2015 18:40 Uhr

Saisonbedingt: Mehr Arbeitslose im Norden

Der positive Trend am Arbeitsmarkt im Norden hat sich im Juli auf den ersten Blick nicht fortgesetzt. Im Vergleich zum Vormonat nahm die Zahl der Arbeitslosen in fast allen norddeutschen Bundesländern zu, nur der Arbeitsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern zeigte sich nahezu unverändert. Die Entwicklung gilt jedoch als saisonbedingt: Viele Jugendliche melden sich nach dem Ausbildungsende erst mal arbeitslos, Neueinstellungen werden oft bis nach den Sommerferien aufgeschoben. Im Vergleich zum Juli vor einem Jahr nahm die Arbeitslosenzahl in Norddeutschland ab, wie auch deutschlandweit: Laut Bundesagentur für Arbeit waren insgesamt 2,77 Millionen Menschen ohne Job, das waren 61.000 mehr als im Juni, allerdings 99.000 Erwerbslose weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt damit bei 6,3 Prozent.

Mecklenburg-Vorpommern: Tiefster Stand seit der Wiedervereinigung

Die Zahl der Arbeitslosen sank im Nordosten im Vergleich zum Vormonat Juni minimal um 31 auf 79.500. Damit kann die Quote von 9,6 Prozent gehalten werden und liegt um 0,8 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert von 10,4 Prozent. Im Vergleich zum Juli des Vorjahres gibt es 6.900 Erwerbslose weniger, die niedrigste Zahl überhaupt seit der Wiedervereinigung. In der Gruppe der unter 25-Jährigen ist die Zahl der Arbeitslosen im Vormonatsvergleich um 9,8 Prozent deutlich angestiegen. "Der überproportionale Anstieg im Monat Juli gegenüber dem Vormonat Juni ist für diese Altersgruppe jahreszeitlich typisch, da sich im Juli viele junge Menschen nach Abschluss der Berufsausbildung oder der Schule vorübergehend arbeitslos melden", sagte Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit. Das werde schon im Herbst ganz anders aussehen. Bereits im aktuellen Vorjahresvergleich werde die insgesamt positive Entwicklung für die jungen Menschen in Mecklenburg-Vorpommern sichtbar.

Niedersachsen: Unternehmen sollten mehr Flexibilität zeigen

Die Arbeitslosigkeit in Niedersachsen ist hingegen zuletzt saisonal bedingt leicht gestiegen. Im Juli waren 255.100 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das waren 8.500 mehr als im Juni, jedoch 9.600 Personen weniger als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote stieg mit 6,1 Prozent wieder über die Sechs-Prozent-Marke (Juni: 5,9 Prozent), aber lag damit aber immer noch 0,3 Punkte unter dem Wert vom Juli 2014. Auch in Niedersachsen wird als Grund das Ende der Ausbildungen genannt. Die jungen Menschen hätten jedoch angesichts des anhaltenden Arbeitskräftebedarfs der niedersächsischen Unternehmen gute Chancen auf eine Beschäftigung, sagte Klaus Oks von der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen. Im Juli wurden 17.400 neue Jobs verzeichnet. Gesucht wurden Nachwuchskräfte besonders im Einzelhandel, der Gastronomie und bei den technischen Berufen. "Wir appellieren an Unternehmen wie Bewerber gleichermaßen, mehr Flexibilität zu zeigen", sagte Oks weiter. Der Arbeitsmarkt zeige sich weiter robust.

Schleswig-Holstein: Einstellungsaufschub bis nach den Sommerferien

In Schleswig-Holstein stieg die Zahl der Erwerbslosen im Vergleich zum Vormonat Juni um 3.300 oder 3,5 Prozent auf 96.500. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist allerdings ein deutliches Minus zu erkennen. Damals waren 4.100 Menschen mehr ohne Job. Die Arbeitslosenquote liegt nun bei 6,4 Prozent. "Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit ist im Monat Juli - gegenüber dem Vormonat Juni - jahreszeitlich typisch", sagte Haupt-Koopmann. Hierfür gebe es mehrere Gründe. Einerseits steige die Zahl der Arbeitslosen durch quartalsbedingte Kündigungen, andererseits würden in vielen Branchen Einstellungen bis nach den Sommerferien aufgeschoben. Wie auch in den anderen Bundesländern sei für den aktuellen Zuwachs jedoch ausschlaggebend, dass sich im Juli viele junge Menschen nach Abschluss der Berufsausbildung oder der Schule arbeitslos melden. In Schleswig-Holstein seien aktuell noch 5.300 unbesetzte Ausbildungsplätze gemeldet. Speziell im Einzelhandel, im Handwerk sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe seien noch zahlreiche Lehrstellen unbesetzt. An die Schulabgänger, die noch keine Zusage haben, appelliert Haupt-Koopmann, die Zeit der Ferien intensiv für die Ausbildungsplatzsuche zu nutzen.

Hamburg: Arbeitsagentur zeigt sich nicht beunruhigt

In Hamburg ist die Zahl der Arbeitslosen im Juli um rund 2.500 auf nunmehr 74.500 gestiegen. Die Arbeitslosenquote beträgt jetzt 7,6 Prozent. Sie liegt aber im Vergleich zum Vorjahresmonat geringfügig um 0,1 Prozentpunkt tiefer. Die Arbeitsagentur zeigt sich nicht beunruhigt: Dieser Anstieg im Juli sei saisontypisch und wiederhole sich jedes Jahr. In der Ferienzeit seien viele Unternehmen eben zurückhaltender bei Einstellungen, sagte Sönke Fock von der Arbeitsagentur Hamburg. Auch die gerade Ausgelernten gibt er als Grund an. Aber die Hamburger Wirtschaft wolle ausbilden und suche motivierten Nachwuchs. Das sei eine große Chance. Noch seien rund 3.400 Ausbildungsplätze unbesetzt. Grundsätzlich sei die Zahl der offenen Stellen konstant hoch. Mehr als 15.400 Arbeitsplätze seien derzeit frei. In den kommenden Monaten soll die Arbeitslosenzahl auf die magische Grenze von 70.000 gesenkt werden.

Gemeldete Arbeitslose und Arbeitslosenquote
Juli 2015Juni 2015Juli 2014
Niedersachsen255.1006,1%246.6005,9%264.7006,4 %
Schleswig-
Holstein
96.5006,4%93.3006,2%100.6006,7 %
Mecklenburg-
Vorpommern
79.5009,6%79.5009,6%86.40010,4 %
Hamburg74.5007,6%72.0007,3%75.3007,7 %
Bund2.773.0006,3%2.710.0006,2%2.870.0006,6 %

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NDR Info | Aktuell | 30.07.2015 | 10:00 Uhr