Stand: 23.02.2016 13:57 Uhr

Rentner im Norden besonders arm

Die Schere zwischen Arm und Reich klafft weiter auseinander. Trotz der guten Wirtschaftsentwicklung in Deutschland bleibt das Armutsrisiko hoch. Alleinerziehende, Erwerbslose und Rentner sind besonders gefährdet, wie aus dem Armutsbericht hervorgeht, den der Paritätische Wohlfahrtsverband und weitere Verbände am Dienstag vorstellten.

Viele arme Rentner in Hamburg

Die Armutsrisikoquote lag 2014 in Hamburg mit 15,6 Prozent etwa so hoch wie in den meisten anderen Bundesländern. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 15,4 Prozent. Jedoch verzeichnete die Hansestadt gegenüber 2013 1,3 Prozentpunkte weniger Armutsgefährdete. Alarmierend sei die Entwicklung jedoch bei Rentnern in Hamburg, so der Verband. Trotz sinkender Armutsquoten in allen anderen Bereichen sei hier die Armutsquote auf 13,3 Prozent und somit auf einen neuen Höchststand gestiegen. Die Quote der altersarmen Rentner habe sich seit 2006 mehr als verdoppelt. Grund dafür seien unterbrochene Erwerbsbiografien, hohe Teilzeitarbeitsquoten und niedrige Löhne bei steigenden Mieten und Lebenshaltungskosten.

Kommentar

Politik darf Armut nicht weiter ignorieren

23.02.2016 18:30 Uhr
NDR Info

15 Prozent der Deutschen sind arm. Das ist das Ergebnis des aktuellen Armutsberichts. Die Politik müsse etwas dagegen tun, meint Johannes Zuber im Kommentar. Geld sei genug da. mehr

In MV sinkt die Quote

In Mecklenburg-Vorpommern sank die Quote erstmals seit 2006 im Vergleich zum Vorjahr signifikant um 2,3 Prozentpunkte auf 21,3 Prozent. Dennoch lag sie immer noch deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Der Nordosten belegte im bundesweiten Vergleich vor Bremen den vorletzten Platz. Auch wenn der Trend für Mecklenburg-Vorpommern erfreulich sei, gebe es keinen Grund zur Entwarnung, sagte der Vorsitzende des Paritätischen MV, Friedrich Wilhelm Bluschke. Es sei bedauerlich, dass sich das gute Wirtschaftswachstum in Deutschland wie schon in den Vorjahren nicht in sinkender Armut niederschlage.

Geringeres Armutsrisiko in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein lag die Quote mit 13,8 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt, das Armutsrisiko war hier damit geringer als in den meisten anderen Bundesländern. In Niedersachsen sank das Risiko zwar um 0,3 Prozent, trotzdem liegt die Quote knapp über dem Bundesdurchschnitt: Mit 15,8 Prozent belegt das Land im Ranking den sechsten Platz.

12,5 Millionen Deutsche zählen als arm

Für den Armutsbericht werden die Menschen gezählt, die in Haushalten mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens leben. Nach Angaben des Verbandes lag 2013 die so errechnete Schwelle für einen Singlehaushalt bei 892 Euro. Für Familien mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren lag sie bei 1.873 Euro.

Rechnerisch betrifft dies 12,5 Millionen Menschen, davon rund 3,4 Millionen Rentner. Die Verbände forderten die Bundesregierung auf, "einen sozial- und steuerpolitischen Kurswechsel einzuleiten, um Armut zu bekämpfen und eine Verringerung sozialer Ungleichheit zu erreichen.

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