Stand: 27.03.2016 15:10 Uhr

Osterbotschaft: Mut und Hoffnung nicht verlieren

Bild vergrößern
Der Osnabrücker Bischof Bode rief die Menschen auf, nicht zu resignieren. (Archivfoto)

Die Terroranschläge von Brüssel und die Debatte um Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, sind zentrale Themen in den Osteransprachen im Norden gewesen. So sprach der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode den Menschen trotz der Anschläge und dem teils offenen Hass gegenüber Flüchtlingen zu Ostern Mut zu. "Das Osterfest verbietet uns, die Hoffnung aufzugeben, damit wir fähig bleiben, eine menschenwürdige Gesellschaft mitzubauen", sagte er in der Osternachtfeier im Osnabrücker Dom am Samstagabend. Er rief die Gläubigen auf, angesichts von Terror und Gewalt in der Welt nicht zu resignieren. Die Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi zeige sich dort, "wo Menschen die Nöte der anderen mitgehen, Zeit und Worte schenken".

"Überseht die Zeichen der Hoffnung nicht"

Bild vergrößern
Heinrich Bedford-Strohm betonte die Bedeutung neuer Hoffnungen.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, appellierte an die Menschen, angesichts von Terror, Not und Gewalt die positiven Entwicklungen zu erkennen. "Überseht die Zeichen der Hoffnung nicht", sagte der Bischof. Die Osterfreude sei Ausdruck der tiefen Leidenschaft für das Leben. Ostern breche immer wieder neu in unserem Leben an. "In einem zwar immer wieder bedrohten, aber doch neue Hoffnungen schaffenden Waffenstillstand in Syrien, den keiner für möglich gehalten hat, in einer Klimakonferenz in Paris, deren Ergebnisse kaum einer erwartet hat, in einer Hilfsbereitschaft und Empathie in unserem Land, die wir Deutschen uns bis vor Kurzem nie zugetraut hätten."

Auch Europa in der Pflicht

Bild vergrößern
Der Landesbischof der Nordkirche, Ulrich, nahm in seiner Rede Europa in die Pflicht. (Archivfoto)

Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, Gerhard Ulrich, mahnte an, nicht zu vergessen, dass trotz des ohnmächtigen Zorns über die Menschenverachtung und Gotteslästerung des Terrors die Missachtung gerechter Lebensverhältnisse auf der Welt auch von Europa ausgegangen sei und ausgehe. "Wenn wir jeglichem Terror wehren und freiheitliches Leben verteidigen, wissen wir zugleich nüchtern um unsere eigene Verantwortung für die Ungerechtigkeit auf der Welt, die wiederum dazu beiträgt, dass Aggressivität und Gewalt entstehen. Auch der Missbrauch religiöser Grundüberzeugungen war Europa lange nicht fremd, wie wir ihn bis heute in jedem Fundamentalismus erleben. Dem halten wir als Gläubige klar und öffentlich entgegen: Religion dient dem Leben, nicht dem Tod!"

Ulrich sagte weiter, dass Christen vor diesem blutigen Terror unbeirrt jeglichem Vorurteil entgegentreten sollten sowie der Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben anderer, der Spaltung der menschlichen Gemeinschaft und jeder Form von Gewalt.

Angst soll nicht das letzte Wort sein

Bild vergrößern
Der Bischof der Nordkirche, Abromeit (l.), und der Schweriner Bischof von Maltzahn, hoben die Bedeutung des Lebens hervor.

Auch die Bischöfe im Sprengel Mecklenburg und Pommern, Andreas von Maltzahn und Hans-Jürgen Abromeit befassten sich mit den Anschlägen in Belgien. Maltzahn schrieb in seinem Wort zum Osterfest: "Die Gewalttaten von Brüssel haben uns erschüttert. Wir spüren, wie verwundbar unsere Gesellschaften sind, wie zerbrechlich unser Leben." Das Entsetzen mache sprachlos und fassungslos. So sei es auch vor nun nahezu 2.000 Jahren gewesen, als die Frauen und Männer um Jesus nach dessen Kreuzigung alle Hoffnung verloren. Doch sie spürten, dass im Vertrauen auf Gott ein Leben möglich ist, das stärker ist als der Tod. Christen seien zur Hoffnung berufen, schrieb Bischof Maltzahn. Menschen der Hoffnung brauche es jetzt, die das Verbindende suchen, ermutigen, Unrecht beim Namen nennen und Verantwortung übernehmen.

Bischof Abromeit ging auf die Ängste der Menschen nach den Anschlägen von Paris und Brüssel vor Terrorakten auch in Deutschland ein. Mit dem provokativen Satz "Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod" hätten seit den Anschlägen von Madrid im Jahr 2004 islamistische Terroristen immer wieder ihre Verachtung der europäischen Kultur betont und damit Angst geschürt. Doch Angst habe nicht das letzte Wort, betonte Abromeit.

Fehrs: Ostern heißt, neu hinzuschauen

Bild vergrößern
Bischöfin Fehrs stellte "unbeirrte Flüchtlingsarbeit" und eine "eiskalte Gegenströmung" gegeneinander.

Die Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck, Kirsten Fehrs, rief dazu auf, auch in schwierigen Zeiten positive Entwicklungen nicht zu übersehen: "Ostern heißt, neu hinzuschauen und davon zu erzählen, dass es Orte und Zeiten der Hoffnung gibt." Fehrs sagte weiter: "Wer sieht nicht, dass es in unserem Land eine Herzensbewegung eines ganzen Volkes gibt - so viele, die unbeirrt Flüchtlingsarbeit leisten, Nächstenliebe und Wärme schenken, manche seit Jahren schon. Und dies ungeachtet einer eiskalten Gegenströmung, die mit erschütternd hohen Wahlerfolgen in Landtage einzieht."

"Immer im Jetzt leben dürfen"

Bild vergrößern
Hamburgs katholischer Erzbischof Heße sagte, die Menschen sollten ihr Leben nicht überfrachten. (Archivfoto)

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße bezeichnete Ostern als "Fest des Lebens". "Ostern weitet die 70, 80 oder 90 Jahre unseres Lebens hier auf dieser Welt um den Faktor ewig. Wir leben also 70, 80, 90 Jahre plus ewig", sagte der Erzbischof in seiner Osterpredigt. Die Menschen könnten ihre irdischen Jahre nutzen und füllen, müssten sie aber nicht überfrachten. "Die Uhr läuft nicht ab, die Zeit rennt uns nicht davon, sondern wir bewegen uns auf die Fülle der Zeiten zu", erklärte Heße am Sonntag im Hamburger Mariendom. Das ewige Leben beginne für Christen nicht erst mit dem Tod, sondern es rage schon in diese Zeit hinein. Die österliche Ewigkeit heiße, immer im Jetzt leben zu dürfen. Der Erzbischof schlussfolgerte: "'Die Lebenserwartung steigt' ist nicht nur eine Zeitungsmeldung, es ist die Osterbotschaft."

Das Osterfest erinnert an die biblische Überlieferung, wonach Jesus nach seiner Kreuzigung am Karfreitag von den Toten auferstanden ist (Ostersonntag). Daher gilt das Osterfest als ein Symbol für den Sieg des Lebens über den Tod.  

Hintergrund

Die Osterfeiertage und ihre Bedeutung

Was bedeutet Gründonnerstag? Was geschah an Karfreitag und wer legt den Termin des Osterfestes fest? Erklärungen zu den Feiertagen und ihre religiösen Hintergründe. mehr

Weitere Informationen

1.000 Gläubige folgen dem Lübecker Kreuzweg

Evangelische, katholische und freikirchliche Gläubige haben am Karfreitag in Lübeck des Todes von Jesus Christus gedacht. Sie pilgerten auf dem ältesten Kreuzweg Deutschlands zum Jerusalemsberg. mehr