Stand: 23.03.2016 20:52 Uhr

Nordsee: Bund plant ganzjährige Fangverbote

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Bundesumweltministerin Hendricks: Schutzzonen helfen der Natur und letztlich auch den Fischern.

Umweltschützern sind Stell- und Grundschleppnetze ein Dorn im Auge. Sie sehen sie als Todesfallen für Schweinswale und andere Tiere. Die Bundesregierung plant nun ganzjährige Fischereiverbote vor allem für diese Methoden in vier ausgewiesenen Nordsee-Zonen. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte der Funke Mediengruppe: "Wir brauchen diese Beschränkungen, damit Seevögel, Fische und Schweinswale dauerhaft in der Nordsee leben können." Die Schutzzonen seien nicht nur gut für die Natur - letztlich komme es auch den Fischern zugute, wenn sich die Bestände dort erholen könnten.

"Als wenn man dem Bauern den Acker wegnimmt"

Das Sylter Außenriff, Borkum Riffgrund, Doggerbank sowie das Vogelschutzgebiet Östliche Deutsche Bucht: Das sind dem Bericht zufolge die vier Gebiete, die unter Schutz gestellt werden sollen. Der Deutsche Fischerei-Verband nannte den Plan "unverhältnismäßig". Er habe zur Folge, dass fast 30 Prozent der deutschen Meeresfläche in der ausschließlichen Wirtschaftszone, also dem Areal bis 370 Kilometer von den Küstengewässern entfernt, nicht mehr mit Stell- und Grundschleppnetzen befischt werden dürften. Das sei so, als wenn man dem Bauern den Acker wegnehme, sagte Verbands-Generalsekretär Peter Breckling.

Nordseekrabben spalten die Lager

Wie NDR 1 Welle Nord berichtete, begrüßt die schleswig-holsteinische Landesregierung den Entwurf. Allerdings gebe es im Agrarministerium Befürchtungen, dass die schleswig-holsteinische Krabbenfischerei unverhältnismäßig belastet werden könnte. Der Kieler Fischerei- und Umweltminster Robert Habeck (Grüne) will sich daher für eine veränderte Regelung einsetzen.

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Das geplante Fischereiverbot würde auch die Krabbenfischerei in der Nordsee einschränken.

Nicht weit genug gehen die Beschränkungen hingegen den Umweltorganisationen WWF und Greenpeace. WWF-Experte Stephan Lutter kritisierte insbesondere das Vorhaben, das östliche Sylter Außenriff für die mit Grundschleppnetzen arbeitende Krabbenfischerei geöffnet zu lassen. "Diese Ausnahme konterkariert das Wort Schutzgebiet", sagte Lutter der Mediengruppe. Greenpeace fordert nicht nur mehr Einschränkungen für die Krabbenfischerei, sondern auch ähnliche Regelungen für die Ostsee.

Die Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer in Cuxhaven lehnt das Fischereiverbot ab. Ein Kritikpunkt: Es werde beim bodennahen Krabbenfischen nicht unterschieden, welches Schleppgerät eingesetzt werde. Es mache einen Unterschied, ob ein vier bis fünf Tonnen schweres Geschirr über den Meeresboden gezogen werde oder ob es nur 500 Kilogramm wiege. "Es wäre vielleicht nicht der Todesstoß, aber ein weiterer Spatenstich", so Fischereibiologe Philipp Oberdörffer von der Erzeugergemeinschaft.

EU-Nachbarn müssen zustimmen

Ob der deutsche Entwurf umgesetzt wird, hängt von der Zustimmung der EU-Nachbarn ab, die ebenfalls in der Nordsee fischen: Dänemark, die Niederlande, Großbritannien, Belgien und Frankreich. Der Maßnahmenkatalog wird nun an diese Staaten verschickt.

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