Stand: 08.09.2015 14:19 Uhr

Norddeutscher macht rechte Konten dicht

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Viele Menschen im Norden protestieren gegen rechts.

Die Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus hat viele Gesichter: Die einen bringen ihren Protest lautstark auf die Straße, die anderen helfen Menschen, die Opfer von Neonazi-Attacken geworden sind. Eine besonders unauffällige, aber offenkundig wirksame Methode der Gegenwehr hat sich ein Mann aus Norddeutschland ausgedacht: Er spürt sogenannte Spendenkonten von Rechten auf. Seinen Namen und seine Adresse möchte er nicht in den Medien wiederfinden. Er befürchtet, wohl nicht zu Unrecht, Repressionen und Übergriffe aus dem rechtsextremen Lager.

Im Web auf der Suche nach rechten "Spendenkonten"

Seine Methode trägt kriminalistische Züge. Getreu dem Ermittlergrundsatz "Follow the Money" (Folge dem Geld) geht er vor und versucht, die Einnahmequellen der Rechten zum Versiegen zu bringen. Denn er weiß: Auch Rechtsextremisten benötigen viel Geld, wenn sie ihre Interessen durchsetzen wollen, wie zum Beispiel im aktuellen Fall der für Sonnabend in Hamburg angemeldeten Demonstration, die den Titel trägt "Tag der Patrioten". Schon im Vorwege hatten Neonazis bei diversen Banken "Spendenkonten" eingerichtet, um den Aufmarsch und vor allem die erwarteten Rechtsanwaltskosten finanzieren zu können. Meist sind unauffällige Strohmänner bei den Kreditinstituten als Antragsteller aufgetreten. Auf einschlägigen Szeneseiten im Internet werden die Kontodaten dann für mögliche Spender veröffentlicht.

In diesem Moment schlägt die Stunde des Mannes aus Norddeutschland. Regelmäßig durchkämmt er die Szeneseiten und setzt sich mit der jeweiligen Bank oder Sparkasse in Verbindung. Meist mit Erfolg: Weil die Kreditinstitute offenbar nicht mit der Szene in Verbindung gebracht werden wollen, kündigen sie rasch die mit dem Strohmann geschlossenen Kontoverträge. Das Konto wird umgehend gesperrt.

Bank bedankt sich für Initiative

Seit Anfang August sind deshalb nachweislich mindestens sechs solcher Konten geschlossen worden. Eine große deutsche Bank hat dem Mann jetzt ausdrücklich telefonisch gedankt für seine Initiative. Am Telefon hieß es: "Mit eigenen Mitteln hätten wir diese Hintergründe nicht enthüllen können." Die Konten seien geschlossen, das Geld an die Einzahler zurücküberwiesen worden. Zur Begründung hieß es von der Bank gegenüber dem Mann aus Norddeutschland, man habe es möglicherweise mit einem Fall von Geldwäsche zu tun.

Seit Jahren gegen Rechtsextremismus

Der Norddeutsche will seine Initiative nicht als Strohfeuer verstanden wissen. Sein Engagement beschränkt sich nicht auf die geplante Demonstration in Hamburg. Auch wenn bundesweit für Neonazigrößen im rechtsextremen Lager per Bankkonto Geld gesammelt werden soll, liefert er den Banken Hintergrundinformationen. Meist landen diese  Hinweise sehr schnell auf den Schreibtischen der Führungsetagen der Kreditinstitute. Dort wird in aller Regel rasch entschieden. Der Mann aus dem Norden engagiert sich seit Jahren gegen Rechtsextremisten: "Ich weiß, dass es ihnen wehtut, wenn das Geld nicht fließen kann", erklärte er NDR Info seine Motivation.

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