Stand: 30.11.2015 21:39 Uhr

"Nils" fegt mit Macht über den Norden

Sturmtief "Nils" hat sich in der Nacht zum Montag mit Starkregen, Graupelschauern und Sturmböen mit bis zu Windstärke 12 im Norden ausgetobt. Die Feuerwehren rückten Hunderte Mal aus. Die höchsten Windgeschwindigkeiten wurden nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes am Sonntagabend in List auf Sylt und in Flensburg an der Ostsee gemessen. Dort gab es Böen von bis zu 133 Kilometern in der Stunde - das entspricht Orkanstärke. Am Montagabend ließ der Wind trotz anhaltenden Regens nach. Am Dienstag soll es an vielen Orten im Norden trocken sein und auflockern. Im Harz und an den Küsten werden jedoch auch in den kommenden Tagen noch stürmische Böen erwartet.

Mecklenburg-Vorpommern: Dächer beschädigt

In Mecklenburg-Vorpommern entwurzelte der Sturm Bäume und beschädigte Dächer, Straßen wurden überflutet. In Rostock wurden zwei Autos von umstürzenden Bäumen getroffen. Die Feuerwehr räumte zahlreiche Straßen. In Kritzmow und Rostock mussten die Einsatzkräfte vom Sturm beschädigte Dächer sichern. In Tarnow zwischen Neubrandenburg und Stavenhagen setzte ein Blitzeinschlag eine Scheune in Brand. In Schwerin waren zwei Hauptstraßen überflutet. Die Bundesstraße 197 zwischen Neubrandenburg und Friedland wurde zeitweise wegen umgefallener Bäume gesperrt. Wegen der Sturmböen stellte das Fährunternehmen Scandlines bis zum Montagvormittag den Betrieb zwischen Rostock und Gedser ein. Rund 1.000 Haushalte zwischen den Ämtern Rehna und Laage hatten Probleme mit der Stromversorgung, wie das Energieunternehmen Wemag mitteilte.

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Flüchtlingszelte geräumt

In Bremen brachte die Feuerwehr am Sonntagabend mehr als 1.000 Flüchtlinge aus drei Zelten vor dem Sturm in Sicherheit. Sie wurden bis zum Vormittag in Schulen untergebracht, wie ein Feuerwehrsprecher sagte. Zudem wurden die Weihnachtsmärkte in der Hansestadt und Bremerhaven frühzeitig geschlossen.

Bahnverkehr in Niedersachsen betroffen

Auch in Niedersachsen hinterließ "Nils" in der Nacht Schäden. Zwischen Hannover und Lehrte war der Bahnverkehr wegen eines umgestürzten Baumes einige Stunden lang unterbrochen. Der Regional- und Fernverkehr wurde deshalb umgeleitet. Auch die S-Bahnlinien S3, S6 und S7 fielen in dem Bereich zeitweise aus. In der Region Hannover rückte die Feuerwehr insgesamt über 30 Mal zu kleineren, wetterbedingten Einsätzen aus. Auf der A 2 Richtung Hannover sorgen Überschwemmungen in Höhe des Kreuzes Wolfsburg-Königslutter für Behinderungen.

Bäume auf den Schienen

In Großenkneten (Landkreis Oldenburg) rammte ein mit rund 150 Fahrgästen besetzter Zug am späten Sonntagabend einen Baum, der nach heftigen Sturmböen auf die Schienen gestürzt war. Der Zugführer wurde leicht verletzt. Bei Deutsch Evern (Landkreis Lüneburg) kollidierte ein ICE mit einem Baum. Die rund 400 Fahrgäste mussten über Leiterbrücken in einen anderen Zug umsteigen. Im Bereich Oldenburg war die Feuerwehr rund 60 Mal unterwegs. Im Landkreis Osnabrück traten aufgrund des Starkregens einige Bäche über die Ufer. Eine Unwetterwarnung für den Harz wegen ergiebigen Dauerregens wurde am Morgen aufgehoben.

Hamburg: Fischmarkt unter Wasser

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In Hamburg stand der Fischmarkt nach der stürmischen Nacht unter Wasser.

In Hamburg rückten die Einsatzkräfte mehr als 100 Mal aus, meist wegen umgefallener Bäume oder um Wasser von den Straßen zu pumpen, wie ein Feuerwehrsprecher sagte. Der Fischmarkt in Hamburg-St.Pauli wurde am frühen Morgen vorübergehend überflutet. Der Wasserstand erreichte eine Höhe von 2,80 Metern über dem mittleren Hochwasser. Der Fischmarkt gerät grundsätzlich ab einem Wasserstand von 1,50 Meter über dem mittleren Hochwasser unter Wasser.

Schleswig-Holstein: Brücken gesperrt, Fähren ausgefallen

In Schleswig-Holstein mussten Polizei und Feuerwehr rund 200 Mal ausrücken - vor allem am späten Sonntagabend. Allein in Kiel gab es rund 50 Einsätze. In einigen Orten auf Sylt fiel kurzzeitig der Strom aus. Besonders viel hatten die Einsatzkräfte im Südosten des Landes sowie im Landesteil Schleswig zu tun. Mehrere Brücken in Schleswig-Holstein waren für windanfällige Fahrzeuge vorübergehend gesperrt. Gestern Abend war auch die Rader Hochbrücke im Verlauf der Autobahn 7 zeitweise nicht passierbar.

Zu Behinderungen kam es auch im Bahnverkehr, weil umgestürzte Bäume die Gleise blockierten - so etwa zwischen Elmshorn und Tornesch sowie zwischen Flensburg und Kiel. Im Laufe des Vormittags normalisierte sich der Zugverkehr nach Angaben einer Bahnsprecherin aber überall wieder. Ebenso bei den Fährverbindungen nach Föhr, Amrum, Pellworm und Sylt, die teilweise ausgefallen waren. Lediglich die Fährverbindungen von Cuxhaven nach Helgoland bleiben den gesamten Tag über eingestellt.

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