Menschen im Nordwesten besonders armutsgefährdet
Niedersächsische Arbeitnehmer verdienen im Durchschnitt pro Stunde weniger als Arbeitnehmer in den meisten anderen Bundesländern. Die Beschäftigten bekamen im vergangenen Jahr im Durchschnitt aller Branchen des Produzierenden Gewerbes und des Dienstleistungssektors 21,45 Euro pro Stunde, wie das Statistische Landesamt mitteilte. Damit landete Niedersachsen im Vergleich der aller 16 Bundesländer auf dem zehnten Platz. Unter den westdeutschen Bundesländern nimmt Niedersachsen damit den vorletzten Rang ein. Bundesweit liegt der Durchschnittsverdienst bei 22,98 Euro. Wegen geringer Einkommen besonders armutsgefährdet sind die Menschen in Niedersachsen in der Region Oldenburg-Ostfriesland.
Nordwest-Niedersachsen: Große Armutsgefahr
Laut einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes ist das Risiko für Altersarmut in der Region Oldenburg-Ostfriesland besonders hoch. Der Grund: niedrige Löhne - vor der Rente.
Niedriger Lohn, geringere Rente
Vor allem in den Landkreisen Cloppenburg, Wittmund, Vechta und dem Emsland steige das Risiko für Altersarmut. Das zeigt eine Studie der Universität Oldenburg und des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Die Forscher haben unter anderem die Rentenzahlbeträge verglichen. Diese lagen 2014 im Durchschnitt bei 872 Euro. In Cloppenburg fiel er mit nur 711 Euro deutlich geringer aus.
Armutsgefahr im Nordwesten besonders hoch
Forscher sehen in Nord-West-Niedersachsen ein besonders hohes Risiko, in die Altersarmut abzurutschen. Grundlage für die Erkenntnis sind Daten der Rentenversicherung.
Auch die Löhne in der Region Oldenburg-Ostfriesland hätten 2015 weit unter dem westdeutschen Durchschnittsniveau gelegen - selbst in Branchen mit ohnehin niedrigen Löhnen wie der Ernährungsindustrie und dem Gastgewerbe. Einen Grund für das Lohngefälle nannten die Forscher nicht. Der Mindestlohn sei in der Studie noch nicht berücksichtigt worden. Durch Minijobs oder Teilzeit-Verträge seien besonders Frauen gefährdet, in die Altersarmut abzurutschen, so Dorothee Jürgensen, DGB-Regionsgeschäftsführerin für Oldenburg-Ostfriesland.
Norddeutsche Stadtstaaten weit vorn
In der Lohnstatistik landeten dagegen die Stadtstaaten Hamburg und Bremen mit einem Stundenlohn von 25,83 Euro beziehungsweise 23,63 Euro auf dem ersten und auf dem sechsten Platz. An elfter Stelle lag Schleswig-Holstein. Dort verdienen die Menschen pro Stunde durchschnittlich 20,62 Euro. Die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern verdienen der Statistik zufolge, mit 17,07 Euro am wenigsten. Nach Angaben der Statistiker gibt es nach wie vor ein klares Ost-West-Gefälle. Im früheren Bundesgebiet habe das Verdienstniveau um 3,8 Prozent über dem Bundesschnitt gelegen - in den östlichen Bundesländern um 22,8 Prozent darunter.
| Hamburg | 25,83 Euro |
|---|---|
| Hessen | 25,63 |
| Baden-Württemberg | 25,17 |
| Bayern | 24,54 |
| Nordrhein-Westfalen | 23,73 |
| Bremen | 23,63 |
| Rheinland-Pfalz | 22,66 |
| Saarland | 22,01 |
| Berlin | 21,90 |
| Niedersachsen | 21,45 |
| Schleswig-Holstein | 20,62 |
| Sachsen | 18,00 |
| Brandenburg | 17,91 |
| Sachsen-Anhalt | 17,66 |
| Thüringen | 17,66 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 17,07 |
Energieversorger zahlen am besten
Am höchsten lag der Bruttostundenlohn in Niedersachsen in der Energieversorgung - mit 31,79 Euro. Bundesweit waren es 32,63 Euro. Ähnlich hoch fiel die Bezahlung mit durchschnittlich 30,51 Euro - bundesweit 33,55 Euro - für Finanz- und Versicherungsdienstleistungen aus. Im Sektor Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden lag Niedersachsen mit 31,19 Euro um 23,3 Prozent über dem Bundesschnitt, dafür aber etwa im Handel mit 17,57 Euro um 14,7 Prozent darunter. Die am schlechtesten bezahlte Branche mit einem Stundenverdienst von 12,07 Euro war in Niedersachsen das Gastgewerbe. Bundesweit fiel dies mit durchschnittlich 12,71 Euro nicht viel besser aus.