Stand: 17.12.2011 06:00 Uhr

Nazi-Gegner sind "Helden des Nordens 2011"

von Dagmar Pepping, NDR Info
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Birgit und Horst Lohmeyer haben die Wahl "Held des Nordens 2011" gewonnen.

Birgit und Horst Lohmeyer haben es geschafft: Sie sind die "Helden des Nordens 2011", gewählt mit deutlichem Vorsprung vor den anderen Kandidaten bei der gleichnamigen Gemeinschaftsaktion von NDR Info, NDR Fernsehen und vier norddeutschen Zeitungen.

Als Birgit Lohmeyer mit ihrem Ehemann Horst vor sieben Jahren von Hamburg-St. Pauli nach Jamel in Nordwestmecklenburg zog, hatte das Künstlerpaar keine Ahnung, worauf sie sich eingelassen hatten. Ein kleines, hübsches Dorf wenige Kilometer entfernt von der Ostsee - scheinbar eine Idylle. Doch der Schein trug. Ein einschlägig vorbestrafter Rechtsextremer - Sven Krüger - wohnte in Jamel und lockte über die Jahre hinweg immer mehr Gesinnungsgenossen mit ihren Familien nach Jamel. Die Lohmeyers fühlten sich nach und nach umzingelt. Wegziehen oder sich wehren? Die Lohmeyers beantworteten diese Frage mit: Wehren! "Wir wollten dieses Dorf aus dem rechten Dornröschenschlaf rütteln und reißen, indem wir halt Öffentlichkeit schaffen", sagt Birgit Lohmeyer.

Jamel rockt den Förster

Seit 2007 organisiert der Musiker Horst Lohmeyer mit seiner Frau auf ihrem Forsthof das Festival "Jamel rockt den Förster", außerdem lädt das Ehepaar zu Ausstellungen in das Dorf. Das ist nicht ungefährlich. Veranstaltungsplakate werden abgerissen, im vergangenen Jahr prügelten zwei Rechtsextreme einen Festivalbesucher krankenhausreif. "Das war bisher das Übelste an körperlicher Gewalt, was wir erlebt haben mit den Rechtsextremen in unserem Dorf", berichtet Birgit Lohmeyer.

Für ihren Einsatz gegen Fremdenfeindlichkeit hat das Paar in diesem Jahr bereits den "Paul Spiegel-Preis für Zivilcourage" des Zentralrats der Juden in Deutschland erhalten. Nun die Auszeichnung "Held des Nordens 2011". "Uns hat überrascht, dass wir Preise bekommen für das, was wir tun", sagt Birgit Lohmeyer, die als Autorin arbeitet. "Das freut uns, war aber überhaupt nicht beabsichtigt."

Mobbing im Dorf, Angriffe in Internetforen

Die Preise und die Berichterstattung darüber machen das Leben in Jamel nicht leichter. "Wir werden gemobbt“, erzählt Horst Lohmeyer. Zerstörungen am Grundstück, persönliche Angriffe auf das Ehepaar in den Internetforen der Rechtsextremen, verbale Bedrohungen. "'Verkaufen Sie Ihr Haus, so lange Sie noch können', so etwas kommt da", erzählt Horst Lohmeyer.

Nicht schweigen - einmischen

Unter diesen Umständen würde er nicht nochmal nach Jamel ziehen, sagt Lohmeyer. Das Ehepaar wird aber bleiben und sich weiter gegen die Rechten im Dorf zur Wehr setzen. Bloß nicht schweigen, rät Birgit Lohmeyer Menschen in einer ähnlichen Situation wie sie. Ihr Appell: "Nicht weggucken, hingucken. Man muss sich nicht einmischen, das können wir auch von Niemandem erwarten, aber man sollte dann wenigstens um Hilfe rufen beziehungsweise Behörden einschalten und sagen, hier läuft etwas extrem aus dem Ruder."