Stand: 07.01.2016 17:00 Uhr

Max Bahr: Nach Pleite fanden viele einen Job

Für die rund 15.000 Mitarbeiter der Baumärkte Praktiker und Max Bahr ist die Insolvenz der Unternehmen im Jahr 2013 ein Schock gewesen. Sie verloren ihren Arbeitsplatz und standen vor einer ungewissen beruflichen Zukunft. Die Baumarkt-Ketten mit insgesamt mehr als 300 Filialen schlossen 2014 ihre letzten Standorte. Knapp 8.000 Beschäftigte entschieden sich, in eine der bundesweit sechs gegründeten Transfergesellschaft zu wechseln. Diese sollten die Zeit bis zu einer neuen Anstellung überbrücken. Eine am Donnerstag in Hamburg vorgestellte Studie zeigt nun, dass zwei Drittel der ehemaligen Mitarbeiter im Frühjahr 2015 wieder einen Job hatten oder sich selbstständig gemacht hatten. Nur jeder Vierte war demnach Anfang 2015 arbeitslos. Einige waren in der Zwischenzeit in Rente gegangen.

Nur jeder Fünfte blieb am Standort

Das sei ein Erfolg, sagte Studienleiter Gernot Mühge vom Bochumer Helex-Institut. "Die Transfergesellschaften zur Insolvenz der Praktiker-/Max-Bahr-Baumärkte waren eine wichtige Hilfe für die Beschäftigten nach dem Verlust der Arbeitsplätze." Bei anderen Insolvenzen waren die Übergangsgesellschaften weniger erfolgreich. Bei der Schlecker-Insolvenz fanden etwa 49 Prozent der Beschäftigten wieder eine Stelle, 39 Prozent blieben dagegen arbeitslos. Viele Vergleichsmöglichkeiten gibt es jedoch nicht. Mit knapp 8.000 Beschäftigten in den Transfergesellschaften war der Fall Praktiker/Max Bahr der größte seit 1998. Zahlreiche Standorte wurden von anderen Baumarktketten oder Einzelhändlern übernommen, andere ersatzlos geschlossen oder umgewandelt. Nur rund 20 Prozent der Beschäftigten konnten am gleichen Standort weiterarbeiten.

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Erst Praktiker, dann Max Bahr

5.500 Frauen und Männer waren bei Praktiker und Max Bahr nur geringfügig beschäftigt; sie konnten nach der Insolvenz nicht in eine Transfergesellschaft wechseln. Über ihr berufliches Schicksal ist nichts bekannt. Die Praktiker AG, eine der größten Baumarktketten Deutschlands, hatte im Juli 2013 die Zahlungsunfähigkeit erklärt. Nur wenige Wochen später folgte die Insolvenz der Praktiker-Unternehmenstochter Max Bahr.

Kosten: 100 Millionen Euro

Transfergesellschaften sind ein arbeitsmarktpolitisches Instrument, das nicht nur bei Insolvenzen eingesetzt wird, sondern auch bei größeren Entlassungen. An den Kosten beteiligen sich die Unternehmen oder Gläubiger sowie die Agentur für Arbeit. Bei Praktiker/Max Bahr lagen die Kosten laut der Nachrichtenagentur dpa in der Größenordnung von 100 Millionen Euro. Dabei waren die Beschäftigten nur drei bis sechs Monate in den Transfergesellschaften - und damit kürzer als die gesetzliche Höchstdauer von zwölf Monaten. Andernfalls hätten die Gesellschaften noch erfolgreicher arbeiten können, meinte Mühge.

In den Auffanggesellschaften erhalten die von Arbeitslosigkeit bedrohten Arbeitnehmer Beratung, Bewerbungstrainings und zusätzliche Qualifikationen wie zum Beispiel Computerschulungen oder Sprachkurse.

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