Stand: 09.02.2016 15:19 Uhr

"Indian Ocean"-Bergung kostet Millionen

In der Nacht zu Dienstag ist es gelungen, den in der Elbe vor Hamburg auf Grund gelaufenen Containerriesen "CSCL Indian Ocean" zurück in die Fahrrinne zu ziehen, inzwischen liegt das Schiff im Hamburger Hafen. Die bisher aufwendigste Bergungsaktion des Havariekommandos in der Elbe ist damit vorbei - und auch die teuerste. Nach Angaben von Hans-Werner Monsees, dem Leiter des Kommandos, liegen die Kosten für die Bergung im zweistelligen Millionenbereich. Auf den Steuerzahler kommen allerdings keine Belastungen zu, die Versicherungen der Reederei werden die Rechnungen zahlen müssen.

Umfangreiche Bergung sorgt für umfangreiche Kosten

Die enormen Kosten sind der aufwendigen Bergung geschuldet: Der Containerfrachter wurde vor dem Freiziehen durch Abpumpen sämtlicher Betriebsstoffe und Ballastwasser um insgesamt 6.500 Tonnen leichter gemacht. Bagger haben zudem an der gesamten Steuerbordseite, dem Heck und im Bugbereich rund 45.000 Kubikmeter Erdboden abgetragen. Schließlich waren zwölf Schlepper im Einsatz, um das knapp 400 Meter lange Schiff zurück in die Fahrrinne zu bewegen. Nach der Bergung zogen fünf Schlepper - darunter die "Fairmount Expedition" mit rund 16.500 PS - den Frachter in den Hamburger Hafen. Während der ganzen Aktion, die seit Tagen vom Havariekommando geplant wurde, kontrollierte ein Überwachungsflugzeug mit Spezialtechnik, ob irgendwelche Flüssigkeiten aus dem Rumpf austreten.

Wirtschaftssenator: "Havariekommando hat beste Arbeit abgeliefert"

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Nach der Bergung zog der Hamburger Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) eine positive Bilanz. "Das Krisenmanagement hat hervorragend funktioniert, das Havariekommando hat beste Arbeit abgeliefert", sagte er. Durch ihr besonnenes Handeln hätten die Elblotsen dafür gesorgt, dass das Schiff den Hafen erreichen konnte. Zudem stellte Horch klar, dass der Vorfall keinen Einfluss auf eine mögliche Elbvertiefung habe. "Diese Havarie hätte an allen Stellen der Welt geschehen können; sie hatte nichts mit dem Revier Elbe zu tun oder mit Sediment", erklärte der Senator. "Daraus Ableitungen zur dringend benötigten Fahrrinnenanpassung herzustellen, ist nicht angezeigt."

Schiff offenbar voll funktionstüchtig

Das erfolgreiche Freiziehen der "Indian Ocean" wurde in der Neumondnacht durch die Springtide und den kräftigen südwestlichen Wind über der Nordsee begünstigt, dadurch war das Hochwasser um gut 1,20 Meter höher als normal. Laut Havariekommando ist das Schiff nach ersten Erkenntnissen voll funktionstüchtig. Auch die Ruderanlage sei in Betrieb. Am Predöhl-Kai im Waltershofer Hafen wird nun die für Hamburg vorgesehene Ladung (3.017 Container) gelöscht, die Ruderanlage und der Rumpf des Schiffes auf Schäden untersucht. An Bord des Havaristen befinden sich nach Angaben der Reederei insgesamt 6.614 Container. Die "Indian Ocean" war am vergangenen Mittwoch vor Stade auf Grund gelaufen, nachdem die Ruderanlage zwischenzeitlich ausgefallen war.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 09.02.2016 | 04:00 Uhr