Stand: 30.03.2017 16:50 Uhr

HSH Nordbank: Vorhang auf zum letzten Akt

"Gute Arbeit" steht groß und dick in weißen Lettern auf dem Geschäftsbericht der HSH Nordbank für 2016. Wer das 70 Seiten dicke Heft aufschlägt, blickt auf großformatige Bilder der Vorstandsmitglieder. "Vier Männer, ein Wort" ist ihr Vorwort überschrieben - und auch auf den Seiten danach folgen große und markige Überschriften: "Ziele erreicht. Weitermachen" steht über einem Interview mit Bank-Chef Stefan Ermisch. "Stark in einer starken Region", "Klare Verhältnisse" oder "Anpacken ist angesagt" heißen weitere Kapitel. Der Eindruck ist klar: Hier werden nicht nur Zahlen veröffentlicht, wie der Jahresgewinn von 121 Millionen Euro vor Steuern. Hier sollen auch Botschaften zu einem Produkt präsentiert werden.

Elf Monate Zeit

Denn dieses Produkt, die HSH Nordbank, steht zum Verkauf. Elf Monate haben die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein noch Zeit, einen Käufer für ihre gemeinsame Landesbank zu finden. Sonst würde die EU die HSH abwickeln. Bis Freitag, 24 Uhr, haben Interessen die Chance, erste unverbindliche Gebote abzugeben. Es ist ein wichtiger Punkt im Verkaufsprozess: Wie viele der laut Kieler Landesregierung zahlreichen Interessenten geben tatsächlich ein Gebot ab? "Wir sind gespannt auf das Ergebnis", sagt Stefan Ermisch. Die Zahlen, die er für 2016 präsentiert, sind für mögliche Interessenten wichtig.

Gewinn von 639 Millionen Euro

Ermisch gibt sich Mühe, ein positives Bild zu zeichnen. Das Kundengeschäft in der sogenannten "Kernbank" hat sich erfreulich entwickelt. In diesem Teil der Bank entstand ein satter Gewinn von 639 Millionen Euro. Auch die Personalkosten hat der Vorstand nochmal reduzieren können: 2.164 Mitarbeiter hatte die HSH zum Jahresende, 220 weniger als ein Jahr zuvor. Mit Immobilienfinanzierungen und Unternehmenskunden habe die Bank in schwierigen Zeiten gute Erfolge erwirtschaftet, so Ermisch weiter.

Paket mit "faulen Krediten"

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Bank-Chef Stefan Ermisch muss eine gesunde Kernbank und die Abbaubank mit den Schrott-Papieren gemeinsam an den Mann bringen.

Doch es bleibt dabei: Die HSH hat auch eine Schattenseite. Und die besteht zum Großteil aus der internen "Abbaubank". Hier liegt der Großteil der faulen Kredite, vor allem aus der Schiffsfinanzierung. Es sind Papiere aus der Zeit des Größenwahns vor 2009, als die HSH Kredite für neue Schiffe am laufenden Bank vergab und so - auch mit den beiden Bundesländer im Rücken - zum größten Schiffsfinanzierer der Welt wurde. Die HSH finanzierte Schiffe, für die es heute oft keinen Bedarf mehr gibt und die in Zeiten der weltweiten und jahrelangen Schifffahrtskrise im vergangenen Jahr oft nicht einmal ihre Betriebskosten und erst recht nicht Zinsen und Tilgung für die Kredite erwirtschaften konnten. Das Paket der "faulen Kredite" ist im vergangenen Jahr zwar deutlich kleiner geworden, auch weil die Steuerzahler in Hamburg und Schleswig-Holstein der Bank Papiere im Ursprungswert von fünf Milliarden Euro abgenommen haben. Aber immer noch liegen 14,6 Milliarden Euro faule Papiere in der HSH. Den tollen Zahlen der Kernbank steht ein Verlust von fast 300 Millionen Euro in der Abbaubank gegenüber.

Zwei Banken unter einem Dach

Auch Bankchef Ermisch weiß vor diesem Hintergrund: Im Grunde verkauft er nicht eine Bank, sondern er hat zwei sehr unterschiedliche Banken unter einem Dach im Angebot: Die gesunde Kernbank auf der einen, die Abbaubank mit den Schrott-Papieren auf der anderen Seite. Schon im Dezember sagte er, man habe zwei verschiedene Töpfe anzubieten und sei nun auf der Suche nach den passenden Deckeln. Allerdings hat die EU für einen Verkauf zwei Bedingungen gestellt: Es muss ein positiver Verkaufspreis erzielt werden und die HSH muss "als Ganzes" verkauft werden. Einen einzelnen Käufer für die Bank zu finden, könnte sich aber als sehr schwierig erweisen.

Konsortium als Lösung?

Die pragmatischste Lösung wäre, dass sich unterschiedliche Interessenten zu einem Konsortium zusammenfinden und die Bank gemeinsam übernehmen. "Das könnte ich mir in der Tat gut vorstellen", so Stefan Ermisch heute. Ein strategischer Investor, zum Beispiel eine deutsche oder ausländische Bank, würde in diesem Modell die gesunde Kernbank übernehmen. Die Abbaubank könnte ein Finanzinvestor übernehmen, der darauf spekuliert, dass die Lage auf den Weltmeeren kaum noch schlechter werden kann und er die dann günstig erworbenen faulen Kredite doch noch zu Geld machen könnte.

Klarheit zum Jahresende

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Elf Monate haben Hamburg und Schleswig-Holstein Zeit, einen Käufer für die HSH Nodbank zu finden.

Erstmal müssen sich aber überhaupt Interessenten finden, die bis Freitagabend erste Gebote abgeben. Diese Gebote würden die Landesregierungen in Kiel und Hamburg in den kommenden Tagen auswerten. Danach entscheidet sich, mit welchen Bietern die Länder in konkrete Verhandlungen eintreten. Bis zum Jahresende soll dann klar sein, welche Bieter oder welches Bieterkonsortium den Zuschlag erhält - und zu welchem Preis.

Wie hoch der Preis für die Steuerzahler im  Norden ausfällt, zeichnet sich immer stärker ab. Zusätzlich zu den übernommenen faulen Schiffskrediten haben die beiden Länder 2009 eine Garantie für mögliche HSH-Verluste von bis zu zehn Milliarden Euro ausgesprochen. Diese Verluste treten nun nach und nach ein. 2,3 Milliarden davon sind bereits im vergangenen Jahr an die HSH geflossen. In den kommenden Jahren, daran lässt Bank-Chef Ermisch kaum einen Zweifel, wird die gesamte Garantie fällig werden - allen positiven Entwicklungen zum Trotz.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 30.03.2017 | 14:00 Uhr

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