Stand: 13.12.2015 09:10 Uhr

Fahrplanwechsel: Neue Züge und längeres Warten

Bahnfahren in Deutschland wird teurer - wieder einmal. Zum europaweiten Fahrplanwechsel am Sonntag hat die Deutsche Bahn die Preise für Fahrten in der 1. und 2. Klasse im Nahverkehr erhöht - um durchschnittlich zwei Prozent. Nicht teurer werden Zeitkarten und Abonnements sowie das Schönes-Wochenende-Ticket, Länder-Tickets und das Quer-durchs-Land-Ticket. Auch im Fernverkehr bleiben die Preise weitgehend stabil.

Neben dem Preissystem passt die Bahn auch zahlreiche Verbindungen in Niedersachsen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein an. Mitunter kommen auch ganz neue Züge zum Einsatz. Zum Teil gibt es in Norddeutschland aber auch Verschlechterungen im Angebot. Aktuelle Fahrplan-Informationen gibt es auf der Bahn-Homepage.

Zugpremiere in Niedersachsen

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Der IC der neuen Generation geht in Niedersachsen an den Start: Er soll mehr Komfort bieten.

In Niedersachsen kommen jetzt die neuen doppelstöckigen Intercity-Züge zum Einsatz. Bundesweit erstmalig sind sie auf der IC-Linie von Norddeich über Emden, Bremen, Hannover und Braunschweig nach Leipzig unterwegs. Die modernen Waggons ersetzen die jahrzehntealten Vorgängermodelle. Die wesentlichen Unterschiede neben dem zweiten Stockwerk: Es gibt künftig Kleinkindbereiche mit viel Platz für Gepäck und Spielflächen für Kinder. Und statt in einem Speisewagen werden in den neuen Zügen Snacks und Getränke am Platz serviert.

Allerdings gab es bereits im Vorfeld auch Kritik an den neuen IC-Zügen: Die Akzeptanz bei den Kunden sei auch vom Platzangebot für schweres Gepäck und von der Gastronomie abhängig, hatte der Fahrgastverband Pro Bahn erklärt.

Bahnkunden in Niedersachsen und Bremen können künftig auf einige zusätzliche Angebote im Fernverkehr zurückgreifen, vor allem abends und am Wochenende. So gibt es eine neue Nachtverbindung von Dresden und Berlin über Braunschweig und Hannover nach Köln und zurück. Zweimal täglich geht es ab Hannover ohne Umsteigen per ICE ins schweizerische Chur. Im Regionalverkehr übernimmt die Bahngesellschaft metronom den Betrieb der Strecke von Wolfsburg nach Hannover sowie Richtung Braunschweig und Hildesheim. Hier rollt künftig jede Stunde ein Zug.

Verschlechterungen in Mecklenburg-Vorpommern

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Pendler im westlichen Mecklenburg-Vorpommern müssen sich auf Verschlechterungen einstellen.

Anders sieht es in Mecklenburg-Vorpommern aus: Hier haben Pendler ihrem Unmut über Verschlechterungen im neuen Fahrplan bereits Luft gemacht. So verlängert sich die Fahrzeit auf der Strecke des RE 1 von Rostock nach Hamburg um durchschnittlich 15 Minuten. Einige Züge sind sogar 20 Minuten länger unterwegs als bislang. Weil die Fernzüge zwischen Hamburg und Berlin künftig zu anderen Zeiten verkehren, gibt es auch neue Abfahrtzeiten der Regionalbahnlinien RE 2 und RE 7, die von Ludwigslust über Schwerin nach Wismar führen. Dadurch sei kein nahtloser Umstieg von dieser Strecke auf die Linie RE 1 in Schwerin mehr möglich, kritisierte Marcel Drews von Pro Bahn im Nordosten. Eine Umsteigezeit von 40 bis 50 Minuten sei künftig üblich, wie aus dem Fahrplan hervorgehe.

Berufspendler haben deshalb sogar eine Petition an Landesverkehrsminister Christian Pegel (SPD) und Spitzenvertreter der Bahn gerichtet. Aufgrund der längeren Fahrzeit müssten viele eine Stunde früher losfahren, um pünktlich an ihrem Dienstort zu sein, heißt es in der Petition. Dadurch gehe wertvolle Zeit mit der Familie verloren. Der Wohnstandort Westmecklenburg drohe an Attraktivität zu verlieren und Pendler würden gezwungen aufs Auto umzusteigen.

Zusätzliche Sprinter-Angebote von Hamburg nach Köln und Stuttgart

Während Fahrten im Nordosten künftig also zum Teil länger dauern, bekommen die Hamburger einige schnellere Verbindungen: Der ICE-Sprinter nach Köln und retour fährt nun nicht mehr nur morgens, sondern auch einmal nachmittags. Damit verkürzt sich die Reisezeit um 30 Minuten. 15 Minuten schneller geht es künftig mit dem ICE von Stuttgart nach Hamburg (an 20.24 Uhr), der ebenfalls als Sprinter unterwegs sein wird. Zudem gibt es eine neue umsteigefreie Nachtzug-Verbindung nach Stuttgart und Ulm.

Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) will zum Fahrplanwechsel auf die gestiegenen Fahrgastzahlen reagieren. Auf mehreren U- und S-Bahnlinien werden in den Hauptverkehrszeiten zusätzliche Züge eingesetzt, etwa auf der U1, der U3 und auf der S3 zwischen Stade und Buxtehude. Außerdem wird der Zehn-Minuten-Takt der U3 zwischen Schlump und Berliner Tor im Wochenendnachtverkehr beibehalten.

Umstellung beim Sylt Shuttle: Umstritten und teurer

Auch bei Reisen nach Sylt können die Hamburger auf neue Angebote zurückgreifen, die jedoch umstritten sind. So werden die bisherigen Autozugverbindungen des Sylt Shuttles auf der Strecke Westerland-Niebüll zweimal in der Stunde von modernisierten Dieseltriebwagen inklusive Fahrradbeförderung ergänzt. Diese fahren - nachdem sie in Niebüll vom Autozug abgekoppelt wurden - weiter bis Bredstedt bzw. Richtung Hamburg. "Bisher war die Nutzung des klassischen Sylt Shuttles an eine Reise mit Pkw, Lkw oder Motorrad gebunden. Dieses Angebot bietet gerade für Pendler und Touristen aus der Region ein verbessertes Angebot zur Insel", teilte die Bahn dazu mit.

Allerdings fallen für den sogenannten Sylt Shuttle Plus die Preise des Fernverkehrs an. Zudem sind die Züge durch An- und Abkopplungsvorgänge länger unterwegs. Nach Ansicht des schleswig-holsteinischen Verkehrsministeriums drohen deshalb auf der Strecke von und nach Sylt unhaltbare Verhältnisse. Das Ministerium erwartet, dass die zusätzlichen Rangiermanöver vor allem auf den Bahnhöfen Niebüll und Westerland für Überlastungen sorgen. Grund für die Umstellung ist, dass neben der Bahn künftig auch der amerikanische Anbieter RDC mit Autozügen unterwegs ist. Im komplizierten Vergabeverfahren um weitere Trassen gewinnt der Anbieter, der die längere Strecke bedient: Und das ist - dank ihres Winkelzuges - die Bahn mit ihren neuen Zügen, die bis Bredstedt verkehren.

Neben dem zusätzlichen Sylt Shuttle weitet die Bahn in Schleswig-Holstein auch das Angebot an Fernverkehrszügen nach München und Berlin aus.

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