Stand: 23.11.2015 11:00 Uhr

Elbvertiefung bedroht Ökosystem

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Die vom Aussterben bedrohte Lachseeschwalbe könnte durch die Schlickdeponie in der Elbmündung zusätzlich gefährdet werden, glauben Experten.

Die von Hamburg ersehnte neunte Elbvertiefung liegt zurzeit auf Eis. Eine Reihe von Umweltverbänden hat beim Bundesverwaltungsgericht gegen das Projekt geklagt. Die Richter prüfen, ob die Planungen der Stadt und des Bundes die Vorgaben einer EU-Richtlinie zum Schutz von Gewässern ausreichend berücksichtigen. Recherchen von 45 Min im Sommer 2015 haben ergeben, dass die Planer der Wasser- und Schifffahrtsdirektion des Bundes und der Hamburger Wirtschaftsbehörde eine vom Aussterben bedrohte Vogelart nicht beachtet haben.

Vogelkundler zeigt sich entsetzt

Nach den Erkenntnissen des NDR ist der Lebensraum der bedeutendsten Fluss- Seeschwalbenkolonie Europas am Neufelderkoog an der Elbmündung gefährdet. Unter den dort lebenden Vögeln befindet sich auch die vom Aussterben bedrohte Lachseeschwalbe. "Die 36 Brutpaare auf dem Neufelderkoog sind quasi die letzten ihrer Art in Mitteleuropa", erklärt der Ornithologe Dr. Markus Risch. "Ich bin entsetzt, dass bei diesen sehr teuren Planungen eine so banale Tatsache nicht untersucht worden ist. Die Befürchtung ist, dass die Ernährung so stark erschwert wird, dass die Flussseeschwalbenkolonie in dieser Form nicht mehr existieren kann", erklärt Ornithologe Dr. Veit Hennig.

Ökologische Unbedenklichkeit der Elbvertiefung hinfällig?

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Im Kern geht es um die sogenannte Medemrinne - eine Vertiefung in der Elbmündung neben der eigentlichen Fahrrinne. Sie soll laut Planung mit mehr als zwölf Millionen Kubikmetern Baggergut verfüllt werden. Die Planer erhoffen sich dadurch, dass der Tidenhub nur um fünf Zentimeter ansteigt. Die Verfüllung der Medemrinne ist das zentrale Argument der Planer für die ökologische Unbedenklichkeit des Mammutprojekts. 45 Min zeigt nun erstmals, dass dieser Eingriff sich erheblich auf die Tier- und Pflanzenwelt auswirken würde, weil durch den Teilverschluss die Priele versanden könnten. Genau jene Priele, in denen kleine Stinte schwimmen. Sie sind die Hauptnahrungsquelle der Seeschwalbenkolonie am Neufelderkoog.

Die Gefährdung der Seevögel spielte im bisherigen Verfahren keine Rolle. Die für die Planung verantwortliche Wasser- und Schifffahrtsdirektion des Bundes wollte sich mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht äußern. Den gegen die Elbvertiefung klagenden Umweltverbänden BUND, NABU und WWF war der aufgedeckte Zusammenhang nach eigener Aussage bislang nicht klar. Deren Rechtsanwalt Rüdiger Nebelsieck erklärte, er wolle diesen neuen Aspekt im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht einbringen.

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Dieses Thema im Programm:

45 Min | 06.02.2017 | 22:00 Uhr

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