Stand: 22.12.2011 10:32 Uhr

EHEC - Chronologie einer Epidemie

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Mehr als 4.000 Menschen in Deutschalnd infizierten sich mit dem EHEC-Keim.

Anfang Mai 2011 wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin die ersten schweren Darminfektionenen gemeldet. Zunächst schien dies nicht ungewöhnlich, denn im Durchschnitt infizieren sich pro Jahr 1.000 Menschen mit dem EHEC-Keim. Aber die Zahl der Fälle häufte sich besorgniserregend schnell - vor allem in Norddeutschland.

Die Chronologie der Ereignisse:

  • Anfang Mai 2011: Dem RKI in Berlin werden gehäuft blutige Durchfallerkrankungen gemeldet. Bald steht fest: Der Auslöser ist EHEC. Ungewöhnlich viele Patienten erleiden eine schwere Komplikation, das Hämolytisch-Urämische Syndrom (HUS).

  • Mitte Mai: Die EHEC- und HUS-Fallzahlen steigen dramatisch an. Vor allem in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen werden immer mehr Infektionen gemeldet. Untypisch ist, dass viele junge Frauen erkranken. Bisher traf EHEC eher kleine Kinder.

  • 25. Mai: Das RKI und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnen nach Patientenstudien in Hamburg vor dem Verzehr von rohen Tomaten, Gurken und Blattsalaten - vor allem im Norden Deutschlands.

  • 26. Mai: Spanische Salatgurken sind nach Untersuchungen des Hamburger Hygiene-Instituts mit EHEC-Erregern belastet. Später stellt sich heraus, dass es sich dabei nicht um den aktuell grassierenden Erregertyp handelt. Forscher aus Münster identifizieren schließlich den aggressiven Keim, der die Krankheitswelle ausgelöst hat.

  • 2. Juni: Experten entziffern das Erbgut dieses Erregers. Es handelt sich um eine Gen-Kombination von zwei Bakterienstämmen.

  • 5. Juni: Das niedersächsische Gesundheitsministerium teilt mit, dass der gefährliche Erreger womöglich über Sprossen aus einem Betrieb im Kreis Uelzen verbreitet wurde. Die Verzehrwarnung wird auf Sprossen ausgeweitet.

  • 10. Juni: Der Nachweis ist erbracht: Erstmals werden an Sprossen aus dem Biohof in Bienenbüttel die aggressiven Bakterien entdeckt. Die Behörden heben die Warnung vor Gurken, Tomaten und Salat auf.

  • 11. Juni: Der EHEC-Erreger an den Sprossen des Biohofs ist exakt vom selben Typ O104:H4 wie die Bakterien, an denen so viele Menschen starben. Das bestätigt die epidemologische Untersuchung. Unklar ist nach wie vor, wie der Erreger auf das Gemüse kam.

  • 12. Juni: BfR und RKI raten auch vom Verzehr selbstgezogener Sprossen ab. Grund: Der Erreger könnte sich im Saatgut befinden.

  • 5. Juli: Die EU verhängt ein Einfuhrverbot für Bockshornklee-Samen aus Ägypten. Dort seien "mit hoher Wahrscheinlichkeit" die gefährlichen Erreger auf das Saatgut gelangt.

  • 18. Oktober: Ägyptische Bockshornklee-Samen dürfen weiter nicht in die Europäische Union importiert werden. Die EU-Kommission verlängert das ursprünglich bis Ende Oktober geltende Einfuhrverbot bis Ende März 2012.

  • 29. November: Das Bundesinstitut für Risikobewertung teilt zum Abschluss seiner Untersuchungen mit: "Aus Ägypten importierte Bockshornklee-Samen sind als Ursache des EHEC-Ausbruchs bestätigt." Das Institut fordert Unternehmen auf, bei der Sprossenherstellung streng auf Hygiene zu achten.

  • 22. Dezember: Der spanische Gemüsehändler Frunet verklagt die Stadt Hamburg wegen ihrer Warnung vor spanischen Gurken vom Frühjahr auf Schadenersatz. Frunet will angeblich 2,3 Millionen Euro.

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