Stand: 24.01.2017 14:09 Uhr

Drei Afghanen aus Hamburg abgeschoben

Bild vergrößern
Die aus Deutschland abgeschobenen Afghanen kommen am Flughafen in Kabul an.

Auch an der zweiten Sammelabschiebung nach Afghanistan hat sich Hamburg beteiligt. Am Montagabend startete vom Frankfurter Flughafen aus eine Maschine in Richtung Kabul, die laut afghanischen Behörden am Dienstagmorgen in der Hauptstadt gelandet ist. Bei der Aktion handelte es sich um die erste Sammelabschiebung des Jahres. Abgeschoben wurden nach Angaben des Bundesinnenministeriums (BMI) 25 abgelehnte Asylbewerber aus Afghanistan, darunter sieben Straftäter. Nach Angaben einer Abschiebebeobachterin sei die Abschiebung"ruhig und friedlich" verlaufen, das Flugzeug sei fast pünktlich gegen 20.40 Uhr gestartet, sagte sie NDR.de. Bei den Abgeschobenen handelt es sich den Angaben zufolge um alleinstehende Männer aus Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg und Rheinland-Pfalz. Nach Angaben der Hamburger Ausländerbehörde waren drei Afghanen aus der Hansestadt dabei. Laut BMI wurden 26 Afghanen nach Kabul geflogen - aber nur 25 wurden zurückgeführt. Einem Mann sei aufgrund von gesundheitlichen Problemen die Einreise verweigert worden, obwohl dieser von den deutschen Behörden als gesund befunden wurde.

Hamburg: Zwei aus Abschiebehaft, ein verurteilter Straftäter

Ein Sprecher der Ausländerbehörde sagte, zwei der aus Hamburg abgeschobenen Männer seien im Alter von 21 bis 24 Jahren gewesen und aus der Abschiebehaft des Landes verwiesen worden. Bei dem dritten Mann handele es sich um einen verurteilten Straftäter. Ursprünglich seien sogar zehn Abschiebungen aus Hamburg geplant gewesen, sagte die Linken-Politikerin Christiane Schneider NDR.de. Bei der ersten Sammelabschiebung Mitte Dezember stammten sieben der 34 Afghanen aus der Hansestadt, sechs hätten sich in Abschiebehaft und einer in Strafhaft befunden.

Protest am Frankfurter Flughafen

Bild vergrößern
Gegner der Abschiebungen demonstrierten am Montagabend auf dem Frankfurter Flughafen.

Die Aktion heizte die Debatte um Abschiebungen erneut an. Vor dem Abflug gab es eine Protestkundgebung am Frankfurter Flughafen. Zu dem Protest hatten eine afghanische Flüchtlingsorganisation und Pro Asyl aufgerufen. Die Initiatoren schätzten die Zahl der Teilnehmer auf rund 250. "Wir protestieren gegen Abschiebungen in ein Land wie Afghanistan", sagte Sarmina Stuman von der Afghan Refugees Movement. Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt sprach von einem "russischen Roulette auf dem Rücken der Flüchtlinge".

Hilfsorganisationen fordern Bleiberecht

Unmittelbar vor dem erneuten Abschiebeflug hatten Hilfsorganisationen ein Bleiberecht für afghanische Flüchtlinge gefordert. Abschiebungen in ein Kriegs- und Krisengebiet seien inhuman und unverantwortlich, erklärten Pro Asyl und der Paritätische Wohlfahrtsverband am Montag. Die Sicherheitslage in Afghanistan habe sich nach Angaben des Flüchtlingshilfswerk UNHCR in den vergangenen Monaten drastisch verschlechtert.

Interview

Abgeschobener: "Ich will hier nicht sterben"

Samir Narang ist vor gut einem Monat von Hamburg nach Afghanistan abgeschoben worden. Dort lebt er in einem Tempel - in großer Angst. "Ich will hier nicht sterben", sagt er. mehr

Schleswig-Holstein schiebt nicht nach Afghanistan ab

Diese Meinung unterstützt auch Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt (SPD). Eine Rückkehr "in Sicherheit und Würde" sei nicht gewährleistet, sagte der Politiker den Tageszeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Katholische und evangelische Kirche kritisieren die Aktion scharf

Die katholische und evangelische Kirche kritisieren die zweite Sammelabschiebung nach Afghanistan scharf. "Kein Mensch darf in eine Region zurückgeschickt werden, in der sein Leben durch Krieg und Gewalt bedroht ist", erklärten am Dienstag der Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, Hamburgs Erzbischof Stefan Heße, sowie der Vorsitzende der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Manfred Rekowski. Die Sicherheit müsse Vorrang haben gegenüber migrationspolitischen Erwägungen. Beide Kirchen akzeptierten, dass Menschen ohne Bleibeperspektive in ihre Heimat zurückgeführt würden. Abschiebungen in lebensgefährliche Gebiete seien jedoch inakzeptabel.

Rekowski sagte: "Die Berichte des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen und weiterer internationaler Organisationen deuten darauf hin, dass Rückführungen nach Afghanistan humanitär unverantwortlich sind." Auch Dietlind Jochims, Flüchtlingsbeauftragte der Nordkirche, protestierte erneut gegen Sammelabschiebungen nach Afghanistan. "Die Sicherheitslage im gesamten Land lässt keine Abschiebungen nach Afghanistan zu", sagte die Hamburger Pastorin am Montag.

Abschiebungen nach Afghanistan sind umstritten

Die Abschiebungen sind umstritten, weil es in weiten Teilen Afghanistans Kämpfe zwischen Regierungstruppen und radikalislamischen Taliban gibt und es immer wieder zu Anschlägen kommt. Von den rund 250.000 in Deutschland lebenden Afghanen waren Mitte Dezember nach Angaben des Bundesinnenministeriums rund 11.900 ausreisepflichtig, davon sind etwa 10.300 geduldet.

Weitere Informationen

Hamburg: Kaum Afghanen von Abschiebung bedroht

In Hamburg müssen sich wenige Afghanen Gedanken über eine Ausweisung machen. Laut Innenbehörde liegt die Zahl der potenziell Betroffenen im zweistelligen Bereich. (21.01.2017) mehr

Abschiebung nach Afghanistan: Einigung in Sicht

Familien, Alte und Kinder aus Afghanistan müssen vorerst keine Abschiebung aus Hamburg in ihr Heimatland fürchten: Im Streit zwischen SPD und Grünen zeichnet sich ein Kompromiss ab. (18.01.2017) mehr

Mahnwachen gegen Abschiebungen aus MV

Etwa 500 Menschen haben sich in verschiedenen Städten im Nordosten an Mahnwachen gegen Abschiebungen nach Afghanistan beteiligt. Laut dem Innenministerium sind 31 Afghanen ausreisepflichtig. (14.01.2017) mehr

SH erwägt Abschiebestopp nach Afghanistan

Abschiebestopp nach Afghanistan? Innenminister Stefan Studt sieht seine Bedenken durch einen UNHCR-Bericht bestätigt. Er fordert nun Stellungnahmen dazu aus anderen Ländern. (10.01.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 24.01.2017 | 04:00 Uhr

Mehr Nachrichten

01:45

G20: Ladenbesitzer fordern mehr Entschädigung

19.09.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal
02:19

CDU-Kandidatin Strenz unter Druck

19.09.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin
02:12

Gedenkmünze für Altkanzler Helmut Schmidt

19.09.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal