Stand: 15.12.2015 10:01 Uhr

Die wichtigsten Fakten zum Ausbau der A 7

Die A 7 ist mit fast 1.000 Kilometern die längste Autobahn in Deutschland und im staugeplagten Raum Hamburg eine der am stärksten befahrenen Fernstraßen. 2014 haben die umfangreichen Bauarbeiten zum Ausbau der A 7 begonnen. In den kommenden Jahren wird sie in Schleswig-Holstein und Hamburg verbreitert, um den Verkehrsfluss zu verbessern. In Hamburg kommen außerdem umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen dazu. NDR.de beantwortet die wichtigsten Fragen rund um den Ausbau der A 7.

Welche Abschnitte der A 7 werden in den kommenden Jahren ausgebaut?

In Hamburg wird zunächst die Langenfelder Brücke in Stellingen erneuert. Das Bauwerk ist fast 400 Meter lang und soll bei laufendem Verkehr abgerissen und neu gebaut werden. In Stellingen und Altona wird die A 7 von sechs auf acht Fahrstreifen erweitert, im Abschnitt Schnelsen von vier auf sechs.

Im Zuge der Erweiterung wird in Schnelsen, Stellingen und Altona auch ein Lärmschutz aus Tunneln und Wänden geschaffen, der sogenannte Hamburger Deckel. Auf den Tunneldeckeln werden Parkanlagen und Kleingärten entstehen. Die Bauarbeiten für den ersten Teil in Schnelsen sollen im September beginnen.

Bild vergrößern
In diese Abschnitte könnte der A-7-Ausbau in Schleswig-Holstein aufgeteilt werden.

In Schleswig-Holstein wird der Abschnitt zwischen dem Bordesholmer Dreieck und der Landesgrenze zu Hamburg ausgebaut. Die Strecke ist rund 65 Kilometer lang. Die Bauarbeiten werden in sechs Abschnitten durchgeführt. Die Autobahn wird auf sechs Fahrstreifen erweitert.

Wie viele Autofahrer nutzen täglich die betroffenen Abschnitte?

Über die Langenfelder Brücke rollen etwa 130.000 Fahrzeuge täglich, zwischen Hamburg-Nordwest und Stellingen sind es sogar 152.000. Und die Belastung steigt: Prognosen sagen für das Jahr 2025 eine Belastung von 165.000 Fahrzeugen am Tag voraus. Das wäre das Dreifache im Vergleich zu dem, was in den 1970er-Jahren geplant wurde.

Auf dem Bauabschnitt in Schleswig-Holstein sind täglich 60.000 Fahrzeuge unterwegs. Davon ist jedes siebte ein Lastwagen.

Warum muss die Autobahn ausgebaut werden?

Die A 7 ist im Bereich Hamburg eine der am stärksten befahrenen Autobahnen bundesweit. Der Grenzwert der Verkehrsbelastung für eine sechsspurige Autobahn ist zwischen Hamburg-Nordwest und Stellingen laut Hamburger Verkehrsbehörde um etwa 25 Prozent überschritten. Das führe zu überdurchschnittlich vielen Unfällen und Staus.

Karte: Die drei Hamburger Deckel

Bis wann dauern die Bauarbeiten?

Die Bauarbeiten von Bordesholm bis Hamburg-Nordwest dauern den Angaben zufolge noch bis Ende 2018. Dazu gehören unter anderem der Bau oder die Sanierung von 72 Brücken, 15,4 Kilometer Lärmschutzwand und der Bau eines 550 Meter langen Tunnels in Hamburg-Schnelsen. Im Anschluss sollen von voraussichtlich 2016 bis 2020 ein 960 Meter langer Tunnel im Bereich Stellingen sowie von 2019 bis 2025 ein weiterer Tunnel im Bereich Altona gebaut werden. Ursprünglich sollte er 730 Meter lang werden, doch der Hamburger Senat will einen 2.300 Meter langen Deckel. Diese Verlängerung, die bis zu 200 Millionen Euro kosten könnte, müsste die Hansestadt jedoch allein bezahlen.

Was kostet der Ausbau voraussichtlich?

Der Umbau der Langenfelder Brücke soll einschließlich Lärmschutzmaßnahmen 80 Millionen Euro kosten. Die Gesamtkosten für den Ausbau der A 7 auf Hamburger Gebiet beziffert die Planungsgesellschaft DEGES auf 775 Millionen Euro. Der Ausbau des Abschnitt in Schleswig-Holstein soll 340 Millionen Euro kosten.

Wer zahlt was?

Für den Ausbau von Fernstraßen ist der Bund zuständig. In diesem Fall hat man sich für eine länderübergreifende "Öffentlich-private Partnerschaft" (ÖPP) entschieden. Der Bund schließt dabei einen Vertrag mit einem privaten Auftragnehmer. Dieses Unternehmen ist dann für den Ausbau, Erhalt und die Instandhaltung der Fahrstreifen zuständig und wird dafür leistungsabhängig bezahlt. Der Vertrag gilt rund 30 Jahre, danach ist die öffentliche Hand wieder alleiniger Träger.

Die Zusammenarbeit erfolgt über ein sogenanntes Verfügbarkeitsmodell. Die Hamburger Verkehrsbehörde erklärt das folgendermaßen: "Das Unternehmen erhält vom Bund eine Anschubfinanzierung und ein sogenanntes Verfügbarkeitsentgelt. Letzteres kann gekürzt werden, wenn die Straße nicht wie vereinbart verfügbar ist oder Mängel aufweist. Damit wird ein Anreiz geschaffen, qualitativ hochwertig zu bauen, um Entgeltkürzungen durch Verkehrseinschränkungen bei Erhaltungsmaßnahmen zu minimieren." Soll heißen: Baut das Unternehmen nicht wie vereinbart, wird ihm das Geld gekürzt. Eine Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen führe zu einem schnelleren, wirtschaftlicheren und höherwertigeren Ausbau, argumentiert die Behörde.

Die Gesamtplanung und Überwachung des Baus hat die Projektmanagementgesellschaft DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) übernommen. Sie ist ein Zusammenschluss aus Bund und mehreren Bundesländern und unter anderem für die Vergabe der Aufträge zuständig.

Bild vergrößern
Ein Park auf der A 7: Die Grafik zeigt, wie der Autobahndeckel in Schnelsen aussehen könnte.

Beim "Hamburger Deckel" übernimmt die Stadt die Kosten, die zusätzlich zum gesetzlich vorgeschriebenen, vom Bund finanzierten Lärmschutz anfallen. Hamburg zahlt also die begrünten Überdeckelungen. Der Bund investiert in den Lärmschutz rund 100 Millionen Euro, die Stadt etwa 70 Millionen.

Welche Bedenken gibt es?

Zum einen gibt es allgemeine Kritik an Öffentlich-Privaten Partnerschaften. Der Bundesrechnungshof etwa sagt, dass das Risiko für den Staat viel zu groß sei. Falls den Konzernen das Geld für die jahrzehntelange Wartung der Strecken ausgehe, bliebe der Steuerzahler auf den Kosten sitzen. Sein Fazit: Wenn der Staat kein Geld hat, soll er keine Autobahnen bauen.

Sorge machen sich auch viele Pendler, die mit erheblichen Staus und Tempolimits während der Bauarbeiten rechnen. Hierfür sind bereits Maßnahmen zur Entlastung geplant: Zum einen sollen in den Baustellenbereichen in Schleswig-Holstein ständig zwei Fahrspuren in jede Richtung vorhanden sein, die zudem 60 Zentimeter breiter sein werden als beim Ausbau der A 1 zwischen Hamburg und Bremen. Zum anderen sollen vermehrt Züge zwischen Kiel und Hamburg eingesetzt werden. Auch zwischen Flensburg und Hamburg sollen die Züge häufiger fahren.

In Sachen "Hamburger Deckel" sind viele Kleingärtner skeptisch, weil sie womöglich ihre Kleingärten auf den Deckel verlegen müssen, damit auf ihren bisherigen Grundstücken neue Wohnungen entstehen können.

Weitere Informationen

Autobahn 7: Der große Ausbau im Norden

Die A 7 wird auf einer rund 70 Kilometer langen Strecke zwischen dem Hamburger Elbtunnel und dem Dreieck Bordesholm ausgebaut. NDR.de informiert über das Bauprojekt und die aktuelle Verkehrslage. mehr