Stand: 07.01.2016 00:00 Uhr

So lief es nach der Max-Bahr/Praktiker-Pleite

von Alexander Drost, NDR Info Wirtschaftsredaktion

Sommer 2013: Die Baumarkt-Ketten Max Bahr und Praktiker melden Insolvenz an. Die Beschäftigten stehen vor der Wahl: Arbeitslosigkeit oder Wechsel in eine Transfergesellschaft? Für rund 8.000 Mitarbeiter kommt der zweite Weg infrage. Bei sechs beteiligten Transferträgern sollen sie für maximal ein halbes Jahr unterstützt und fortgebildet werden. Eine Studie hat nun untersucht, ob das erfolgreich war.

Die Pleite hatte sich lange angebahnt: Mit der Rabattstrategie "20 Prozent auf alles", Missmanagement und deftigen Beraterkosten hatte Praktiker hohe Verluste eingefahren und war trotz Finanzspritzen nicht mehr zu sanieren. Die Folge war die Insolvenz. Kurz darauf riss die Pleite auch die profitable Tochterfirma Max Bahr mit in den Abgrund.

Transfergesellschaften schafften zunächst Erleichterung

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Peter Constabel, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender des Praktiker-Konzerns, hat bis heute keinen neuen Job gefunden.

Peter Constabel war einer der betroffenen Mitarbeiter. 32 Jahre seines Lebens hat er für Max Bahr und Praktiker gearbeitet - zuletzt in Hamburg als Betriebsratsvorsitzender der Praktiker AG für 500 Mitarbeiter. Auch er landete in einer Transfergesellschaft. Aus seiner Sicht war das Glück für ihn und die Kollegen. "Die Mitarbeiter waren natürlich ein Stück weit erleichtert, weil sie die Gewissheit hatten, dass sie nicht sofort zur Bundesagentur für Arbeit rennen müssen, sondern weil es einen Zwischenschritt gibt", sagt Constabel rückblickend.

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Bis zu 100 Prozent der alten Gehälter

Aus Mitarbeitersicht dürfte genau das der größte Vorteil sein, denn die Zeit in einer Transfergesellschaft gilt als Beschäftigungsverhältnis. Dabei gibt es bis zu 100 Prozent der alten Bezüge. Den Löwenanteil stemmt die Bundesagentur für Arbeit. Weitere Mittel können Transfergesellschaften beim europäischen Sozialfonds ESF beantragen, um Weiterbildungen zu finanzieren. Diese Gelder flossen auch im Fall der Baumarktpleite von Praktiker und Max Bahr, sagt Gernot Mühge vom Helex-Institut, das die Arbeit der Transfergesellschaften begutachtet hat: "Die meisten Träger haben zwischen 100 und 400 Euro pro Teilnehmer akquiriert, ein Träger hat 1.000 Euro pro Teilnehmer akquiriert."

Transfergesellschaften nicht ohne Kritik

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Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Max Bahr gingen regelmäßig auf die Straße, um für ihre Rechte zu kämpfen.

Für die Firmen, die solche Transfergesellschaften betreiben, ist das ein gutes Geschäft, sagen Kritiker. Denn hier würden gleich zwei Mal öffentliche Gelder verwendet. Zuerst für das Parken von jobgefährdeten Menschen in den Transfergesellschaften, dann durch das Zahlen von Arbeitslosengeld. Mühge sieht das im Fall von Praktiker und Max Bahr anders: "Das Ergebnis der Studie ist, dass die Transfergesellschaften gute Arbeit geleistet haben, die Beschäftigten gut aufgefangen haben. Etwa 75 Prozent sind wieder in neue Beschäftigung gekommen."

Andere Baumärkte als Retter

Das klingt nach einem Erfolg. Aber geht der wirklich auf die Arbeit der Transfergesellschaften zurück? Fakt ist, dass viele alte Märkte einfach übernommen wurden und unter neuem Namen wieder eröffnet haben. Ex-Betriebsratsvorsitzender Constabel meint: "Es war am Ende der Insolvenz deutlich, dass die Märkte von anderen Marktteilnehmern übernommen werden - wie zum Beispiel von Bauhaus, Obi und Hornbach. Die haben dankenswerterweise alle Mitarbeiter im Markt übernommen. Das ist eine göttliche Fügung gewesen. Das war ganz prima!"

Etwa ein Jahr nach der Pleite waren knapp 200 der 310 Märkte neu vermietet. "Marktbereinigung" heißt das im Jargon von Managern. Verlierer gab es Tausende. Peter Constabel ist mittlerweile 61 Jahre alt. Bis heute hat er keinen neuen Job gefunden.

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NDR Info | 07.01.2016 | 10:41 Uhr