Stand: 23.03.2017 16:59 Uhr

Die Endlager-Suche wird endlich demokratisch

Der Bundestag hat mit großer Mehrheit ein Gesetz für die Suche nach einem Atommüllendlager beschlossen. Bis zum Jahr 2031 sollen Wissenschaftler und Politiker einen Ort aussuchen, an dem hoch radioaktives Material eine Million Jahre lang sicher lagern kann. Gesucht wird im gesamten Bundesgebiet - keine Region wird bevorzugt oder ausgeschlossen.

Ein Kommentar von Jürgen Döschner, ARD-Energieexperte

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Nach Meinung von ARD-Energieexperte Jürgen Döschner ist es wichtig, dass die Endlagersuche transparent und demokratisch verläuft.

Der berühmte Vergleich mit der Frittenbude mag abgegriffen sein, aber er ist immer noch zu anschaulich, um ihn an einem Tag wie diesem nicht zu verwenden. Stellen Sie sich vor, Sie hätten vor 60 Jahren eine kleine Frittenbude eröffnet. Täglich verbrauchen Sie vielleicht zehn Liter Öl, das Sie eigentlich entsorgen müssten. Aber Sie kümmern sich nicht um die fachgerechte Beseitigung, sondern kippen das ranzige Fett einfach in einen Tank neben der Frittenbude. Bis heute hätten sich allein hinter Ihrem Imbiss über 200.000 Liter oder rund zehn große Tanklaster angesammelt.

Das kann natürlich nicht passieren. Wer einen Imbiss eröffnet, muss die sachgemäße Entsorgung der entstehenden Abfälle vorher nachweisen. Das gilt auch und erst recht für Atomkraftwerke. Doch als Entsorgungsnachweis galten und gelten dort bis heute die Zwischenlager an den Kraftwerken, also die Tanks neben der Frittenbude. Mehr als 10.000 Tonnen hochradioaktiver Abfälle haben sich so in den vergangenen 60 Jahren angesammelt - und bis heute weiß niemand, wohin damit.

Jahrzehntelang verschleppter Entsorgungsskandal

Eigentlich hätte ohne echten Entsorgungsnachweis keines dieser Atomkraftwerke je betrieben werden dürfen. Aber diesen Skandal haben frühere Politiker- und Manager-Generationen zu verantworten. Unsere und die Generationen nach uns müssen diese teuren und gefährlichen Fehlentscheidungen heute ausbaden. Egal wie man zur Atomkraft steht: Der strahlende Müll ist nun mal da, und er muss entsorgt werden - so sicher und so schnell wie möglich.

Ergebnisoffene und transparente Suche

Das nun verabschiedete Standortauswahlgesetz ist ein wichtiger Schritt zu Lösung dieses gewaltigen Problems. Ergebnisoffen, transparent und demokratisch soll die Endlagersuche in den nächsten Jahren sein. Das ist eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass dieses Projekt gelingt. Denn neben den technischen und finanziellen Problemen ist die berechtigte Furcht der Bürger vor den ewig strahlenden Überresten des einst entfachten atomaren Höllenfeuers das größte Hindernis auf dem Weg zu einem atomaren Endlager. Damit sie gelingt, soll die Endlagersuche endlich aus den Hinterzimmern hinaus auf den Marktplatz.

Kritik an Gesetzentwurf ist gut und notwendig

Das ist das Neue und der Kern des jetzt verabschiedeten Gesetzes. Und es ist einer der Gründe für die seltene Einigkeit einer großen schwarz-rot-grünen Koalition in dieser sonst so strittigen Frage. Dass es immer noch Kritiker und Zweifler gibt, ist nach den Erfahrungen mit Asse und Gorleben nicht nur verständlich, sondern auch gut. Unter anderem diese Zweifler werden den Beteiligten in den nächsten Jahren genau auf die Finger schauen, und darauf achten, dass die Endlagersuche 2.0 wirklich transparent, demokratisch und damit auch erfolgreich wird.

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Kritik an beschlossenem Endlagergesetz

Der Bundestag hat das Endlagersuchgesetz beschlossen. Auch weil Gorleben weiter als Standort in Frage kommt, kritisieren Atomkraftgegner das Gesetz. mehr

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Grundstein für eine Mammutaufgabe

Wo soll hochradioaktiver Atommüll gelagert werden? Der Bundestag hat dazu das Endlagersuchgesetz beschlossen. Tagesschau.de berichtet. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentare | 23.03.2017 | 18:30 Uhr

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