Stand: 16.09.2016 15:25 Uhr

Deutsche Werften behaupten sich in der Krise

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Vor allem für die Werfen in Mecklenburg-Vorpommern sind die Zukunftsaussichten gut.

Nach einem jahrelangen Schrumpfungsprozess und trotz weltweiter Krise in der Branche hat sich die Lage auf den deutschen Werften stabilisiert: Die Zahl der Beschäftigten ist mit knapp 15.900 auf dem höchsten Stand seit vier Jahren. Das geht aus einer Umfrage hervor, die die IG Metall Küste am Freitag in Hamburg vorgestellt hat. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Zuwachs von 1,9 Prozent.

Dazu kommen Zeitarbeiter und Arbeitnehmer mit Werksverträgen. Insgesamt sind derzeit rund 24.500 Menschen im deutschen Schiffbau beschäftigt. Für die nächsten zwölf Monate erwarten die Betriebsräte der 37 erfassten Unternehmen, dass bis zu 670 neue Arbeitsplätze entstehen.

"Kreuzfahrtschiffe, Jachten und Fähren sowie der Marineschiffbau sorgen auf den Werften für Arbeit", sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste. Besonders gut seien die Aussichten in Mecklenburg-Vorpommern. Dort wolle der malaysische Genting-Konzern die Werften in Wismar, Warnemünde und Stralsund ausbauen und suche Hunderte neue Beschäftigte.

  • Größte Werftgruppen 2016
    WerftengruppeWerftenBeschäftigte
    Meyer Werft GruppeJos. L. Meyer Werft, Neptun Werft3.667
    Thyssen Krupp Marine SystemsHDW GmbH (TKMS Kiel), TKMS Emden, TKMS Hamburg3.344
    Fr. Lürssen GruppeFr. Lürssen Werft, Norderwerft Repair GmbH, Kröger Werft GmbH, Peene-Werft GmbH, Neue Jade Werft2.046
    Genting GroupLloyd Werft Bremerhaven AG, MV Werften Stralsund, MV Werften Warnemünde, MV Werften Wismar1.721
    German Naval YardsGerman Naval Yards Kiel, Nobiskrug Werft, Lindenau Werft964
    Quelle: IG Metall Küste
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Auftragslage ist größtenteils gut

Insgesamt sei das Auftragspolster der Werften gewachsen, berichtete NDR 90,3. Seit Jahresbeginn hätten die Unternehmen bereits 25 neue Bestellungen an Land gezogen, so viel wie im gesamten vergangenen Jahr. Die Meyer Werft in Papenburg und Thyssen Krupp Marine Systems in Kiel sind so bis Mitte des kommenden Jahrzehnts ausgelastet. Weniger rosig sieht die Lage in Hamburg aus: Blohm+Voss liefert nach jetziger Planung 2020 sein letztes Schiff ab. Pella Sietas hat in seiner Neubau-Sparte nur bis Ende kommenden Jahres noch genug zu tun.

Probleme in Bremerhaven und Flensburg

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Mit Spezialschiffen wie der Mega-Jacht "A" kommt der deutsche Schiffbau gut über die Runden.

Bei den deutschen Werften, die sich seit Jahren vom Containerschiffbau verabschiedet haben und sich in lukrativen Nischen etablierten, gebe es generell momentan nur bei einzelnen Unternehmen Probleme. Geiken sprach den drohenden Personalabbau bei der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) und die mögliche Kurzarbeit auf der Lloyd-Werft in Bremerhaven an. Deutlich stärker leiden die Zulieferer unter der weltweiten Krise auf dem Schiffbaumarkt. Bei den Zulieferbetrieben arbeiten derzeit 67.000 Beschäftigte. Dort rechnet man mit einem Rückgang der Beschäftigung.

Werften bleiben "wichtige industrielle Kerne"

Erfreulich sei, dass die Werft-Standorte in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend erhalten geblieben sind. "Die Schiffbaubetriebe sind wichtige industrielle Kerne in Norddeutschland. Auch wenn deutlich weniger Menschen direkt auf den Werften beschäftigt sind, hat sich daran seit Beginn unserer Befragungen vor einem Vierteljahrhundert nichts geändert", betonte Geiken.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 16.09.2016 | 15:00 Uhr

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