Stand: 06.09.2012 07:19 Uhr  | Archiv

Continental - schnelle Reifen, scharfe Bremsen

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Viele Millionen Reifen laufen Jahr für Jahr vom Band. (Archivfoto)

Kautschuk-Bäume mit ihrem Saft kommen als Lieferant für Reifen von Continental eigentlich bestens infrage. Doch heutzutage leisten synthetische Stoffe denselben Dienst, ihr Anteil am Gummigemisch ist deutlich höher als der von Naturkautschuk. Aber es gilt: Hauptsache elastisch! Reifen für Autos, Motor- oder Fahrräder - viele Millionen der runden Gummischuhe rollen von den Bändern der Continental AG in die weite Welt. Der Konzern ist aber längst mehr als nur ein Reifenhersteller: Sein Geld verdient er unter anderem immer stärker mit elektronischen Bremssystemen, Luftfedertechnik, Schlauchleitungen und Antriebssystemen, die er vornehmlich an die Automobilindustrie liefert.

Start im Jahr der Reichsgründung

Die Geschichte der Continental AG begann 1871 in Hannover. Von Beginn an war die Aktiengesellschaft an der Börse notiert. In den Hallen der Continental-Caoutchouc & Gutta-Percha Compagnie entstanden Weichgummiwaren, gummierte Stoffe und Massivbereifungen für Kutschen und Fahrräder. Der erste große Coup gelang etwa 20 Jahre später, als die Hannoveraner als erste deutsche Firma so genannte Pneumatics - Luftreifen für Fahrräder - auf den Markt brachten. Bald folgten die ersten Autoreifen, die auf den Rennstrecken der Welt den Namen des Unternehmens bekannt machten. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg begann Continental mit dem Bau eines neuen Reifenwerkes in Hannover-Stöcken.

Expansion nach dem Zweiten Weltkrieg

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Conti-Reifen sind weltweit im Einsatz. (Archivfoto)

Nach Kriegsende stieg das Unternehmen mit seinen Reifen für einige Zeit in den Auto-Rennsport ein. Expansion innerhalb Deutschlands prägte die nächsten Jahre, und 1971 entstand im hessischen Korbach eine riesige Produktionsstätte für technische Schläuche. Den internationalen Durchbruch schaffte der Reifenhersteller 1979 mit dem Erwerb der europäischen Abteilung von Uniroyal. Rasch folgten weitere Unternehmensaufkäufe und Beteiligungen in ganz Europa, Amerika, Afrika und Asien. Anfang der 90er-Jahre musste sich Continental gegen Übernahmeversuche des Konkurrenten Pirelli wehren - mit Erfolg, der Konzern wahrte seine Selbstständigkeit. Seit 1998 dreht sich bei dem Unternehmen nicht mehr alles nur um Gummi und Reifen, denn mit Übernahme eines Teils der amerikanischen ITT Industries Inc. stiegen die Hannoveraner in die Brems- und Fahrwerkregeltechnik ein.

Übernahmeschlacht mit Schaeffler

Durch den Kauf der Siemens-Autotechnik-Sparte VDO stieg Conti im Jahr 2007 in den Kreis der fünf größten Autozulieferer der Welt auf. Die 11,4 Milliarden Euro teure Übernahme finanzierte Conti zum größten Teil fremd und verschuldetete sich dadurch hoch. Conti geriet in finanzielle Schwierigkeiten. Im Sommer 2008 nutzte das süddeutsche Familienunternehmen Schaeffler die Gunst der Stunde und startete einen Übernahme-Angriff. Contis Abwehrkampf war erfolglos: Schaeffler sicherte sich die Aktienmehrheit bei dem Konzern aus Hannover, der langjährige Vorstandschef Manfred Wennemer trat zurück. Für die Übernahme hatte das fränkische Familienunternehmen milliardenschwere Kredite ausgehandelt - und geriet damit in eine finanzielle Schieflage. Darüber hinaus bekamen Schaeffler und Conti die Auswirkungen der Finanz- und Autokrise heftig zu spüren. Im Dezember 2008 wurde Continental im DAX durch Beiersdorf ersetzt.

Reifen, Schläuche und Elektronik

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Trotz Diversifizierung bleiben Reifen das Hauptgeschäft. (Archivfoto)

Einen Schwerpunkt bei Continental bildet nach wie vor das Reifengeschäft. Das Unternehmen sieht sich als europäischen Marktführer bei den Pkw-Reifen. Auf den Reifen des hannoverschen Konzerns laufen aber nicht nur Autos, sondern auch Fahrräder, Lastwagen, schwere Erdbewegungsmaschinen und forstwirtschaftliche Geräte. Der Bereich ContiTech beliefert die Automobilindustrie, aber auch Kunden aus der Schienen-, Luftverkehr- und Druckindustrie mit Gummiprodukten wie Keilriemen, Dichtungen, Schlauchleitungen und Transportbändern. Elektronische und hydraulische Bremsen, Sicherheitssysteme und Fahrwerkelektroniken entstehen in der Sparte Chassis & Safety, Bordinstrumente und Kontrollsysteme im Bereich Interior. Die Powertrain-Sparte produziert alles rund um den Antriebsstrang.

Schnelle Räder und der Fußball

Schnelle Reifen werden überall benötigt. Ganz besonders wichtig sind sie aber, wenn es ernsthaft um die Wette geht: im Radrennsport. Seit mehr als 100 Jahren stellt Continental spezielle Sportreifen her, die heute natürlich viel schmaler, leichter und schneller sind als damals. Zum Einsatz kommen sie etwa bei der Tour de France, wo der Reifenhersteller mehrere der Profimannschaften ausrüstet. Das Unternehmen ist aber auch dem Fußballsport verbunden und war unter anderem Sponsor des französischen Clubs Olympique Lyon und des heimischen Bundesliga-Vereins Hannover 96. Bei den Fußball-Weltmeisterschaften in Südafrika und Brasilien war der Autozulieferer als Sponsor dabei - auch wenn in einem Fußball nur ganz wenig Gummi steckt.

Zurück in den DAX

2012 läuft es trotz der Krise im Euroraum hervorragend für Conti. Am 24. September werden die Titel des Konzerns wieder im wichtigsten deutschen Aktienindex DAX aufgenommen. Continental hatte im vergangenen Geschäftsjahr einen Rekordgewinn verbucht. Unterm Strich verdiente das Unternehmen dank der brummenden Autokonjunktur mehr als 1,2 Milliarden Euro.