Stand: 13.02.2016 10:58 Uhr

Chronologie: Das große Pottwalsterben

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29 Pottwale sind bereits in diesem Jahr in der Nordsee gestrandet.

Im Januar und Februar sind in der Nordsee mindestens 29 Pottwale verendet. Es ist das größte bekannte Pottwalsterben in der Nordsee - aber kein neues Phänomen. Die flache Nordsee ist schon seit Hunderten Jahren als tödliche Falle für die tonnenschweren Pottwale bekannt. Strandungen der Tiere sind nach Angaben des Büsumer Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung seit dem 16. Jahrhundert dokumentiert. Hier ein Überblick über die Strandungen der vergangenen zwei Jahrzehnte:

Winter 1994/95: Nach Angaben von Greenpeace stranden insgesamt 22 Pottwale vor den Küsten der Niederlande, Großbritanniens, Belgiens und vor Baltrum. Der Baltrumer Wal wird nach Norddeich geschleppt. Sein Skelett ist heute in Wilhelmshaven ausgestellt.

Winter 1995/96: 25 Pottwale verenden nördlich von Sylt vor der dänischen Insel Rømø, vor Schottland und vor Norderney.

Winter 1997/98: Greenpeace zählt 20 Pottwal-Strandungen vor Rømø, Bremerhaven, Cuxhaven und den Niederlanden. Im Januar 1998 stranden sechs Pottwale vor St. Peter Ording auf Eiderstedt (Kreis Nordfriesland). Küstenwache und Unweltschützern gelingt es, drei Pottwale zu retten.

Juni 2000: Ein Pottwal treibt vor der Insel Rømø in Dänemark.

Februar 2002: Drei Pottwale verenden vor Friedrichskoog (Kreis Dithmarschen).

November 2003: Zwei Pottwale stranden vor Norderney.

5. November 2011: Auf einer Sandbank vor der Nordseeinsel Pellworm verendet ein etwa 15 Meter langer Pottwalbulle. Er wird an Land gebracht und in Meldorf zerlegt.

15. Februar 2014: Am Strand von Henne an der dänischen Westküste stranden zwei Pottwale.

11. Februar 2015: An der Südspitze der dänischen Insel Fanø wird ein zwölf Meter langer Pottwal (kaskelothvalen) angespült.

Kadaver von Pottwal vor Fanø

8. Januar 2016: Am Strand der Nordseeinsel Wangerooge werden zwei tote Pottwale angeschwemmt. Sie werden später nach Wilhelmshaven geschleppt und dort zerlegt.

12. Januar 2016: Vor der Hochseeinsel Helgoland treiben zwei tote Wale. Sie werden mit Schiffen nach Nordstrand gebracht und dort zerlegt. Auch auf der Insel Texel in den Niederlanden stranden fünf Pottwale, die zunächst noch leben, dann aber verenden.

13. Januar 2016: In der Außenweser vor Bremerhaven liegt ein toter Pottwal im Watt, etwa zehn Kilometer vor der Küste. Zunächst wollen die Behörden den Kadaver dort liegen lassen, dann entscheiden sie sich doch für den Abtransport. Am selben Tag wird ein weiterer Wal auf einer Sandbank vor der Vogelinsel Trischen entdeckt. Der erste Bergungsversuch scheitert: Kurz vor dem Ziel, dem Hafen Holmer Siel auf Nordstrand, reißt in der Nacht das Seil zum Schlepper. Der Bergungstrupp verliert den Wal, findet ihn aber am nächsten Morgen auf einer Sandbank vor Süderoog wieder.

Abschleppen, bergen, untersuchen

14. Januar 2016: Auf der Insel Texel strandet ein weiterer Pottwal (potvissen). Das Tier ist bereits tot, meldet der niederländische Rundfunk:

22. Januar 2016: Ein Pottwal strandet in Hunstanton an der britischen Ostküste - auf Englisch übrigens sperm whale.

23.-24. Januar 2016: Auf der Nordseite derselben Bucht verenden drei Pottwale an einem Strand in der Nähe von Skegness.

25. Januar 2016: Ein weiterer Wal wird in Wainfleet in Großbritannien angespült.

31. Januar 2016: Ein Spaziergänger entdeckt vom Deich des Kaiser-Wilhelm-Koogs aus mehrere Pottwale. Erst am nächsten Tag können Mitarbeiter des Küstenschutzes bei Niedrigwasser mit einem Raupenfahrzeug zu den Tieren fahren. Etwa zwei Kilometer vor dem Deich finden sie insgesamt acht Tiere. Ein Wal liegt im Sterben, die anderen sind tot. Es ist der größte bekannte Fund von Pottwalen in Schleswig-Holstein. In den folgenden Tagen beginnt eine aufwendige Bergungsaktion mit Planierraupen, Baggern, Kränen und Tiefladern.

2. Februar 2016: In Hemmes de Marck bei Calais in Frankreich verendet ein weiterer Wal.

3. Februar 2016: Ein Seehundjäger entdeckt einen toten Pottwal auf dem Blauortsand nordwestlich von Büsum im Kreis Dithmarschen. Die Besatzung eines Schiffes sichtet etwas weiter draußen einen weiteren Kadaver auf einer Sandbank.

4. Februar 2016: Erneut strandet ein Pottwal an der Ostküste Englands, erneut nahe Hunstanton. Helfer versuchen vergeblich das Tier zu retten. Es ist nach Angaben von Naturschützern der 29. Pottwal in diesem Jahr.

9. Februar 2016: In der Nähe von Mundesley - etwa 80 Kilometer von Hunstanton entfernt - wird ein weiterer Wal in der Nähe der Küste gesehen, berichtet die britische BBC.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 06.02.2016 | 10:00 Uhr